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Milch – warum eigentlich?
Milch ist gesund, das erzählt uns die Werbung seit Jahrzehnten. Und nicht nur die Werbung: Die österreichische Ernährungspyramide empfiehlt drei Portionen Milch und Milchprodukte pro Tag. Auch in der Schule werden Kinder zum Milchtrinken erzogen. Doch brauchen wir tatsächlich Milchprodukte, um unseren Kalziumbedarf zu decken? Und kann zu viel Milch uns vielleicht sogar schaden? Das Rechercheteam hat sich angesehen, welchen Zusammenhang es zwischen den Ernährungsempfehlungen und der Milch-Überproduktion in Europa gibt.

Dass Milch besonders gesund ist, dass sie groß und stark macht und die Knochen robust werden lässt , weiß in Österreich jedes Kind – aus der Schule. Informationen über die Vorzüge des regelmäßigen und ausreichenden Milchkonsums gehören in Österreich gewissermaßen zum Einmaleins der Ernährungskunde, die Milch-Informationen, die im Rahmen der Schulmilchaktion zur Verfügung gestellt werden, waren immer Teil des Unterrichts.

Träger der nach wie vor ziemlich massiven Kampagne für mehr Milchkonsum im Interesse der Kindergesundheit ist allerdings nicht eine Gesundheits- oder Bildungsinstitution, sondern mit der Agrarmarkt Austria (AMA) jene Organisation, die für die professionelle Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte zuständig ist. Ohne die Wirkung von Milch und von Tabak auch nur annähernd miteinander vergleichen zu wollen, ist das strukturell dann doch ein wenig so, als würde die Internationale Tabakmarketingorgansation in den Schulen über Vor- und Nachteile des Zigarettenkonsums informieren.

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Welche Butterberge das Rechercheteam bestiegen hat, sehen Sie am Mittwoch, 17. April in Factum, um 22.15 Uhr bei ServusTV.

In früheren Zeiten hieß die Milch-Informationsgesellschaft sogar Milchpropaganda-Gesellschaft, aber das ist schon eine Weile her. Damals wie heute ging es nicht in erster Linie um Gesundheit, sondern um Marketing. Die Schulmilchaktion war und ist ein Vehikel der Absatzförderung von landwirtschaftlicher Überproduktion. Es werden dabei zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Einerseits lässt sich – massiv gefördert von der Europäischen Union – die Überproduktion an Milch und Milchprodukten an den jungen Mann und die junge Frau bringen, andererseits kann man so zukünftige Kunden langfristig beeinflussen.

Wie flexibel der Milchpropaganda-Apparat ist, zeigen seine Kampagnen im Lauf der Zeit , die sich unser Rechercheteam ebenso angesehen hat wie die jüngsten Vorgänge rund um einen riesigen Milchpulverberg und sein schwer nachvollziehbares Verschwinden . Hatte man kurz nach dem Krieg, als Unterernährung das Problem war, die Milch als wesentliches Vehikel zur Kräftigung und Gewichtszunahme gepriesen, so wurde sie später, in einer Zeit der Überernährung und Adipositas-Ängste, als Schlankmacher gefeiert.

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Ob beides gleichzeitig wahr sein kann, will auch die Wissenschaft nicht so genau sagen. Studienautoren, die Milch nicht nur ihre über die Jahre im öffentlichen Bewusstsein verankerten Vorzüge absprechen, sondern sie auch im Verdacht haben, Auslöser und Verstärker etlicher Krankheiten, darunter auch Krebs, auszulösen, vertreten eine krasse Minderheitenposition. Und doch scheint es auch international langsam zu einem Umdenken zu kommen: In Kanada beispielsweise wurde die Milch in den öffentlichen Ernährungsempfehlungen bereits deutlich zurückgestuft.

Unser Rechercheteam ist tief in die historischen und zeitgenössischen Milchseen hinabgetaucht, hat alle Butterberge bestiegen und die öffentliche Karriere der Milchprodukte nachgezeichnet. Gesundheitliche Fragen standen dabei genauso im Mittelpunkt wie wirtschaftliche und politische.

Die Kürzestzusammenfassung dieser ausführlichen Recherche geht vielleicht so: Milch muss nicht unbedingt schaden, aber so viel, wie man uns eingeredet hat, nützt sie nicht. Vor allem ging es und geht es in der Milchpropaganda noch immer darum, landwirtschaftliche Überproduktion unter dem mitunter sehr dünnen Deckmantel der Ernährungswissenschaft an den Mann und an die Frau zu bringen. 

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