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Ein Strohhalm für die Milchwirtschaft

Mit der Schulmilchaktion wollen EU und Interessenvertreter die Gesundheit von Kindern fördern. Dahinter steckt aber auch ein mit Steuergeld finanziertes und mäßig erfolgreiches Vehikel zur Förderung des Milchabsatzes.

16.04.2019
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Kinder und Teenager brauchen täglich den besonderen Milch-Kick“, behauptet die Agrarmarkt Austria (AMA) in ihrer Schulmilch-Werbung, Milch mache groß und stark und liefere wertvolle Nährstoffe, die für Kinder im Wachstum unverzichtbar seien. Neben dem gesundheitlichen gibt es allerdings noch ein anderes Ziel der Schulmilchaktion: Absatzförderung. So hieß es etwa 1995 in einer Presseaussendung der AMA, die für die Vermarktung österreichischer Agrarprodukte zuständig ist: „Da der ohnedies hohe Frischmilchabsatz in Österreich nicht beliebig ausgeweitet werden kann, sind eine Belebung der Schulmilchaktion sowie verstärkte Kooperationen mit der Gastronomie geplant.“

Als die Schulmilchaktion nach dem Krieg eingeführt wurde, war die Idee dahinter, Kindern eine gesunde Jause zu einem niedrigen Preis zu ermöglichen. Ein zweites Ziel trat aber immer mehr in den Vordergrund: den Nachwuchs als Konsumenten für überschüssige Ware zu gewinnen.

Doch die beabsichtigten Ziele werden mit der Schulmilchaktion schon lange nicht mehr erreicht. Gefördert werden mit der Aktion vor allem zuckerhaltige Milchgetränke, deren gesundheitlicher Nutzen sehr fraglich ist. Einen Preisvorteil bringt sie den Schülern auch nicht. Und selbst als Absatzförderungsmaßnahme taugt das Schulmilchprogramm kaum noch, denn das Interesse der Schüler nimmt kontinuierlich ab, auf dem Milchmarkt spielt die Schulmilch eine sehr untergeordnete Rolle.

Trotzdem fließt sehr viel Steuergeld in die Erhaltung des Schulmilchprogramms. In den vergangenen Jahren standen dafür in Österreich Förderungen in der Höhe von rund 1,3 Millionen Euro zur Verfügung, und es werden große Anstrengungen unternommen, um das Interesse an der Schulmilch zu beleben.

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105 Millionen Euro EU-Förderungen pro Jahr

Die gesunde Ernährung der Schüler bzw. die Ankurbelung des Milchkonsums ist der EU-Kommission einiges wert. In den vergangenen Jahren standen für die Schulmilchaktion in Österreich Förderungen in der Höhe von rund 1,3 Millionen Euro aus dem Europäischen Schulmilchprogramm zur Verfügung, für alle EU-Mitgliedstaaten sind es rund 105 Millionen Euro. Erst letztes Jahr wurden die Fördersätze erhöht: Bis 2016/17 betrug der Fördersatz für Milch 18,15 Euro pro 100 kg Milch, seit 2018/19 sind es 40 Euro pro 100 kg. Die tatsächliche Abrechnung erfolgt nach abgegebener Menge, im Schuljahr 2016/17 wurden von den rund 1,3 Millionen nur 518.194,59 Euro ausbezahlt. Am meisten gefördert wird pure Milch, für Kakao- und Fruchtmilch, Joghurt und Molkegetränke ist der Fördersatz etwas niedriger.

Die Marketingaktivitäten für die Schulmilchaktion koordiniert in Österreich die AMA Marketing (Agrarmarkt Austria). Für Informationsbroschüren, Videos, Schul- und Unterrichtsmaterial, Lehrausgänge und Verkostungsaktionen steht jährlich ein Budget von 100.000 bis 150.000 Euro zur Verfügung.

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Um auf die Wichtigkeit der Schulmilch hinzuweisen, gab die Agrarmarkt Austria im Schuljahr 2017/18 bei der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) Werbevideos in Auftrag, die von der Europäischen Union finanziell unterstützt wurden.

Der einst unerschütterliche Glaube, dass Milch gesund ist, ist in den vergangenen Jahren jedoch zunehmend ins Wanken geraten, neue Ernährungsformen, etwa der Verzicht auf tierische oder verarbeitete Produkte, machen der klassischen Milchmahlzeit Konkurrenz. In den letzten Jahrzehnten wurde außerdem Laktoseintoleranz ein immer größeres Thema, und einige Forscher warnen sogar, dass ein zu hoher Milchkonsum Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Diabetes, Akne und Krebs begünstigen soll03.

Ein weiteres Argument, dem man oft begegnet, ist, dass nach dem Genuss von Milchprodukten die Leistungskurve ansteige. Dass Milchtrinker leistungsfähiger sind als Kinder, die keine Milch trinken, konnte bisher allerdings weder in wissenschaftlichen Untersuchungen noch in der Praxis bestätigt werden.

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Geförderter Zucker

Doch selbst wenn man davon ausgeht, dass Milch gesund ist, bedeutet das nicht, dass alle Schulmilchprodukte gesund sind.

Schulmilch bedeutet in den meisten Fällen nämlich Schulkakao. Auch Vanille-, Erdbeer- und Bananenmilch, Himbeerjoghurt und Fruchtmolke sind oft im Angebot. Diese Produkte enthalten zugesetzten Zucker. 100 ml Kakaomilch enthalten 8,3 Gramm Zucker; zum Vergleich: Bei Cola sind es 11 Gramm. Kakao macht rund 61 Prozent aller Bestellungen aus, pure Milch lediglich 14 Prozent.

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Übersicht Gesamtösterreich aktuell

60,75 Prozent Kakao

17,72 Prozent Fruchtmilch

14,41 Prozent Milch 

Im historischen Vergleich geht der Trend nicht in Richtung mehr Gesundheit.

1993

34,65 Prozent Milch

53,47 Prozent Tonnen Kakao

11,88 Prozent sonstige Milchprodukte

Eigentlich dürfen laut EU-Verordnung nur Produkte gefördert werden, die keinen Zucker zugesetzt haben. Die Nationalstaaten können jedoch Ausnahmeregelungen treffen; Österreich hat das getan. Um die Schüler wieder auf den Geschmack der puren Milch zu bringen, wurde im Herbst 2018 die sogenannte Milch-Aktion eingeführt: eine Woche Gratis-Schulmilch, und zwar tatsächlich nur pure Milch, für Erstklässler. Außerdem werden die Höchstwerte für Zuckerzusatz laufend gesenkt. Das sieht so aus:

Kategorie I (90 % Milchanteil): Getränke auf Milchbasis mit Kakao, Fruchtsaft oder natürlich aromatisiert Fermentierte Milcherzeugnisse mit Fruchtsaft, natürlich aromatisiert oder nicht aromatisiert oder ohne Fruchtsaft, natürlich aromatisiert Den Erzeugnissen darf höchstens Zucker* und/oder Honig in folgendem Ausmaß zugesetzt werden:

– Für das Schuljahr 2017/2018 maximal 6,5 %

– Für das Schuljahr 2018/2019 maximal 5,5 %

– Für das Schuljahr 2019/2020 maximal 5,5 %

– Für das Schuljahr 2020/2021 maximal 4,5 %

– Für das Schuljahr 2021/2022 maximal 4,5 %

– Für das Schuljahr 2022/2023 maximal 3,5 %

Quelle

Für die Hersteller von Schulmilchprodukten entsteht dadurch das Problem, dass ihre zuckerreduzierten Produkte mit den wesentlich süßeren Supermarktprodukten konkurrieren müssen, wie der Landwirt Gerhard Wagner erzählt.

VERORDNUNG (EU) 2016/791 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 11. Mai 2016 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 sowie der Verordnung (EU) Nr. 1306/2013 hinsichtlich der Beihilferegelung für die Abgabe von Obst und Gemüse, Bananen und Milch in Bildungseinrichtungen

Artikel 23, (6) Die im Rahmen des Schulprogramms verteilten Erzeugnisse dürfen keine der folgenden Zusätze enthalten:

a) Zusätze von Zucker,

b) Zusätze von Salz,

c) Zusätze von Fett,

d) Zusätze von Süßungsmitteln

e) Zusätze der in der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates (*) festgelegten künstlichen Geschmacksverstärker E 620 bis E 650.

Ungeachtet des Unterabsatzes 1 können Mitgliedstaaten beschließen, dass die in Betracht kommenden Erzeugnisse im Sinne der Absätze 4 und 5 in begrenzten Mengen Zusätze von Zucker, Salz und/oder Fett enthalten dürfen, sofern ihre für Gesundheit und Ernährung zuständigen Behörden zuvor im Einklang mit den nationalen Verfahren die entsprechende Genehmigung hierfür erteilt haben.

Was haben die Schüler davon?

Ein gesundheitlicher Vorteil für Kinder, die in der Schule Milch trinken, ist also fraglich. Und auch einen Preisvorteil gibt es nicht. Für einen 250-Milliliter-Becher Milch gibt es von der EU zwar 10 Cent an Fördergeldern, aber diese wird für Verpackung und Vertrieb – der sich sehr aufwendig gestaltet – verbraucht.

Ein Viertelliter Milch kostet bei den meisten Schulmilchlieferanten 50 Cent, das entspricht einem Literpreis von zwei Euro, was deutlich über dem durchschnittlichen Ladenpreis von 99 Cent bis 1,55 Euro liegt. Eine Packung Schulkakao kostet 55 Cent, im Supermarkt gibt es Viertelliterpackungen bereits um 49 Cent.

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Schulmilch ist wesentlich – für die Schulmilchbauern

Aus all diesen Gründen nimmt das Interesse an der Schulmilch ab. In manchen Schulen machen die Bestellungen gerade einmal vier bis sechs Becher aus, doch für die Firma Bauernmilch im niederösterreichischen Bad Traunstein gibt es keine Mindestbestellmenge. „Es ist uns ein großes Anliegen, dass alle Schulen, welche Schulmilch wünschen, auch versorgt werden.“ Im Fall der Firma Bauernmilch sind das 304 Schulen und Kindergärten in Niederösterreich und Wien.

Österreichweit wurden im Schuljahr 2016/17 2.921 Tonnen Schulmilch ausgeliefert, im Jahr 1993 waren es noch 20.200. Die großen Molkereien sind längst aus dem Geschäft ausgestiegen, der Aufwand war zu hoch, der Gewinn zu niedrig. Die Schulmilch wird derzeit in Österreich fast ausschließlich von sogenannten Direktvermarktern, also Bauern, die auch kleine Abfüllanlagen betreiben, direkt an Schulen in der Umgebung geliefert. 73 gibt es derzeit davon in Österreich. Sie versorgen insgesamt 2.418 Schulen. Oft macht die Schulmilch einen wesentlichen Teil ihrer Produktion aus, bei Gerhard Wagner, der sich mit drei weiteren Milchbauern zur Firma Bauernmilch zusammengeschlossen hat, sind es 40 Prozent. Das Produkt, das an Schulen am meisten bestellt wird, hat allerdings nichts mit Milch zu tun, und es gibt auch keine Förderungen dafür: ein Viertelliter Apfelnektar um 55 Cent.

Schulmilchpolitik

Für Schulmilchbauern wie Gerhard Wagner organisiert die niederösterreichische Landwirtschaftskammer seit 26 Jahren eine Schulmilchtagung. Im Jahr 2019 fand sie am 8. März in Wieselburg statt. Auf der Tagung können sich die österreichischen Schulmilchlieferanten vernetzen und austauschen, Strategien besprechen, um alten (hoher bürokratischer Aufwand, Schulen verlieren das Interesse) und neuen Herausforderungen (Ersatz für den Plastikstrohhalm) zu begegnen.

Als Maßnahme, um Landwirtschaft für Kinder von heute erlebbar zu machen, präsentierte der Schulmilchbeauftragte der niederösterreichischen Landwirtschaftskammer Josef Weber einen Gummieuter, an dem Schüler sich im Melken versuchen können, wobei es nicht zu stören scheint, dass Melken als Handarbeit ein romantisierend-historisches Bild bedient und wenig mit moderner Landwirtschaft zu tun hat.

Milchbauern haben den Vorteil, ihr Produkt schon dem jüngeren Publikum schmackhaft machen zu können, erklärte Johannes Schmuckenschlager, Präsident der niederösterreichischen Landwirtschaftskammer und Abgeordneter zum Nationalrat.

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Ich komme aus dem Weinbereich, wir haben nie die Möglichkeit, schon die Jugend an unser Produkt zu binden.
Johannes Schmuckenschlager, Landwirtschaftskammer

Schulmilch: Besonders wichtig bei Überproduktion

Die Schulmilch stand schon in den 1960er Jahren in der Kritik: Sie sei zu teuer, der Vertrieb zu aufwendig, und außerdem interessiere sie sowieso fast keinen mehr.

Im österreichischen Parlament allerdings wurde die Schulmilchaktion seit ihrem Bestehen nie grundsätzlich infrage gestellt; vielmehr forderten Abgeordnete quer durch alle Fraktionen Regierungsvertreter auf, die Schulmilchaktion zu unterstützen.

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Milch statt Alkohol, Milch statt Cola – Forderungen der Abgeordneten

1978: Lona Murowatz, SPÖ: Es ist unbestritten, daß die Milch einen sehr hohen Nährwert besitzt und daß es daher wünschenswert ist, daß es daher wünschenswert ist, daß mehr Milch getrunken wird, vor allem von den Jugendlichen und den Kindern. Dies auch in Anbetracht der Tatsache, daß der Alkoholkonsum in Österreich steigt und nicht zuletzt auch die Jugendlichen dem Alkohol zusprechen. Ich möchte Sie daher fragen: Herr Bundesminister! Was tut eigentlich der Milchwirtschaftsfonds bzw. was tun die Molkereigenossenschaften, um die Schulmilchaktion zu unterstützen?

1987: Abg. Gerulf Murer, FPÖ: Wir haben zum Beispiel in der Schulmilchaktion noch große Möglichkeiten, über die Lehrer, über die Familienverbände mit den Schulwarten endlich zu einer Einigung zu kommen, daß die Milchprodukte den Kindern in jener Form zur Verfügung gestellt werden, daß es nicht nur schmeckt, sondern daß man unseren Lehrern dort, wo es noch notwendig ist, auch sagt, daß sie nicht gegen die Butter Werbung machen sollen, sondern den Kindern sagen sollen: In der Früh ein Apfel und ein Butterbrot, das ist immer noch die beste Frühstücksjause in der Schule! – Meine Damen und Herren! Solange das nicht geschieht, verpassen wir inlandsabsatzwirksame Maßnahmen. Das geht auf Kosten der Bauern und der Steuerzahler und verschluckt Hunderte Millionen, ohne daß sich am System etwas rührt.

2000: Leopold Steinbichler, Bundesrat, ÖVP: Vielleicht wollte sie den Weg der Grünen in Oberösterreich gehen, die nämlich empfehlen, die Schulkinder sollten keine Schulmilch mehr trinken, weil das schädlich ist. – Ich gratuliere! Der neue Weg zu Mc Donald’s, zu mehr Cola, zu mehr Chips, zu mehr Kartoffelchips und ähnlichen amerikanischen Ernährungsarten wird der Gesundheit unserer Schüler sehr förderlich sein. – Ich denke, das ist der verkehrte Weg!

2010: Bundesrat Stefan Schennach, Grüne: An Marketing fehlt es, meine Damen und Herren, an Ihrem Marketing. […] Die Milch muss ganz unten ansetzen, am besten im Kindergarten. Dann ist es auch eine neue Chance. […] Was die Schule angeht, haben Sie einfach gegenüber der Chemie, den chemischen Energiedrinks verloren. Genau da fände aber die Prägung statt, ob man Milch trinkt im späteren Alter oder nicht.

Minister von Fred Sinowatz über Andrä Rupprechter bis Elisabeth Köstinger sicherten ihre Unterstützung zu. Die Argumente dafür laufen auf Folgendes hinaus: Milch ist gesund für Kinder, außerdem ist die Schulmilchförderung wichtig für die Landwirtschaft.

Besonders wichtig ist die Schulmilch, wenn der Milchpreis in der Krise ist – wie etwa 2008, als er sich auf dem niedrigsten Stand der Nachkriegszeit befand. Zu diesem Zeitpunkt wurde im Parlament beschlossen, die Schulmilchaktion auf Sekundarschulen auszuweiten und außerdem Fruchtmolkegetränke für förderungswürdig zu erklären.

Auch die AMA sah im Jahr 1995 die „Belebung der Schulmilchaktion“ als wesentlichen Teil ihrer „Offensive zur Ankurbelung“ des Milchkonsums an.

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„Ich möchte Ihnen versichern, daß das Unterrichtsministerium alles tun wird, was in seiner Kompetenz liegt, um die Schulmilchaktion möglichst störungsfrei in die Wege zu leiten.“ 1978

„Im Bereich Landwirtschaft ist es richtig, dass wir insbesondere auch die umstrittenen Schulprogramme – Schulmilch-, Schulobstprogramme – verteidigen mussten. Es gibt seitens der EU-Kommission einige Vorbehalte, diese Programme weiterzuführen. Es gibt aber doch eine starke Mehrheit von Mitgliedstaaten, die das eingefordert haben. Und wir sehen insbesondere auch im Zusammenhang mit der Bewältigung der Marktkrise, die sich aus dem russischen Einfuhrverbot ergeben hat, die Sinnhaftigkeit dieser Programme. Gerade der Bezug auf regionale, ursprüngliche Produkte und die Einbeziehung dieser Produkte in diese Schulprogramme, das Schulobstprogramm beispielsweise, sind positiv.“

„Das EU-Schulprogramm für Obst, Gemüse und Milch bringt doppelten Nutzen: Es fördert gesunde und bewusste Ernährungsgewohnheiten, setzt aber auch wichtige Impulse für die heimische Landwirtschaft.“

Die AgrarMarkt Austria (AMA) startet eine Offensive zur Ankurbelung des Milchkonsums. Da der ohnedies hohe Frischmilchabsatz in Österreich nicht beliebig ausgeweitet werden kann, sind eine Belebung der Schulmilchaktion sowie verstärkte Kooperationen mit der Gastronomie geplant.

Presseaussendung 1995

Erste Maßnahmen waren die Kampagnen „kuhle Schule“ und „White Energy“.

Der Zusammenhang zwischen Überproduktion und Schulmilchaktion war von Anfang an gegeben. János Vas, langjähriger Mitarbeiter des Milchwirtschaftsfonds, der bis zum EU-Beitritt Produktion und Absatz der Milch in Österreich steuerte, erinnert sich: „Die wichtigste Aktion, um den Absatz von Milch im Inland zu erhöhen, war die Schulmilchaktion.“

Die Schulmilchaktion hat in Österreich historisch gesehen eine starke emotionale Bedeutung. Für viele Kinder war sie Bestandteil ihres Schulalltags, Sportveranstaltungen und andere Events fanden zu ihrer Bewerbung statt. Welche Bedeutung die Schulmilch in den 1950er Jahren hatte, erzählt der Zeitzeuge Michael Kunze.

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Zeitleiste Schulmilchaktion

1993

Direktvermarktung der Schulmilch von Bauern beginnt; im Jahr 2019 wird Schulmilch fast ausschließlich durch Direktvermarktung vertrieben.

1994

Schulmilchpreise steigen um 20 Prozent (3 Schilling statt 2,50 pro Viertelliter), weil der Transportkostenausgleich der Molkereien wegfällt. Gewerkschaft und Arbeiterkammer waren erst nach langen Verhandlungen bereit die nötigen Mittel für die Fortführung der Aktion bereitzustellen.

1995

EU-Beitritt; Österreich nimmt am EU-Schulmilchprogramm teil.

1996

AMA-Kampagne White Energy „kuhle Schule“, um den Schulmilchabsatz zu verstärken, der seit 1992 um die Hälfte zurückgegangen ist.

1997

Erste Versuche mit Schulmilch in Automaten

1999

EU-Rechnungshof empfiehlt Abschaffung der Schulmilchförderung, die Kommission entschließt sich zur Fortführung.

2008

Milchkrise, Ausweitung der Schulmilchaktion auf Sekundarstufe, Erweiterung der Produktpalette, auch Molkeprodukte sind förderungswürdig.

2009

Schulobstprogramm der EU wird eingeführt.

2017

Schulmilch- und Schulobstprogramm werden zusammengeführt.

2018

Start für Schulmilch-Gratisaktion für Taferlklassler

Warum Schulmilch?

Der EU-Rechnungshof empfahl bereits 1999 die Abschaffung des Schulmilchprogramms. Es habe eine geringe Attraktivität, das Kosten-Nutzen-Verhältnis sei schlecht, und die erzieherischen Ziele – die Entwicklung guter Essgewohnheiten und die Schüler mit der heimischen Landwirtschaft vertraut zu machen – würden auch nicht erreicht. Glaubt man dem EU-Rechnungshofbericht von 2011, war das Schulmilchprogramm nicht einmal dahingehend erfolgreich, die Kinder zum Milchtrinken zu erziehen: Die Schulmilchaktion wird vor allem von jenen Kindern genützt, die sowieso Milch trinken.

Die Kommission entschied sich gegen eine Abschaffung und für eine Reform: Am Programm teilnehmende Schulen sollten die Schulmilchverteilung durch pädagogische Maßnahmen begleiten. In Österreich hat die AMA Unterrichtsmaterialien entwickelt, die für Lehrer gratis zur Verfügung stehen, Lehrfilme und Arbeitsblätter.

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Auch insgesamt stiegen die Förderungen für das Europäische Schulmilchprogramm: 2008 gab die EU rund 60 Millionen für das Schulmilchprogramm aus, 2011 waren es um die 90 Millionen, für das Schuljahr 2018/19 stehen 105 Millionen Euro zur Verfügung. 

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16.04.2019

Das Rechercheteam

Lucia Marjanović

Lucia Marjanović, Lektorin und Chefin vom Dienst. Die studierte Literaturwissenschaftlerin war davor Chefin vom Dienst und Cheflektorin von NZZ.at und als freie Lektorin für diverse Buchverlage tätig.

Monika Müller

Monika Müller hat in den vergangenen vier Jahren die Nachrichtensendung 24 Stunden Wien auf W24 moderiert und zuvor sechs Jahre lang ein Sendeformat für die Stadt Wien geleitet und produziert. In ihrer selbstständigen Arbeit war und ist sie als Trainerin tätig und hat im Team eines international anerkannten und Latin-Grammy-nominierten Musikers gearbeitet.

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