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Monogamie – ein Konzept von gestern?

Ob der Mensch von seiner Natur her auf Monogamie ausgelegt ist oder nicht, fragen sich möglicherweise vor allem jene Vertreter der Spezies, die akuten Bedarf an plausiblen Erklärungen für ihr Verhalten haben. Die schlechte Nachricht lautet: Das ist schwer zu sagen. Gegeben hat es im Lauf der Evolution schon alles, und wenn man es global betrachtet, gibt es noch immer alles.

Im westlichen Kulturkreis hat sich im Lauf des vergangenen Jahrtausends, wesentlich beeinflusst von den Rechts- und Moraltraditionen des Christentums, das Konzept der Monogamie durchgesetzt. Es ist sowohl im Sittenkatalog der Religion als auch im bürgerlichen Gesetzbuch abgebildet – aber weder das Gesetz der Religion noch das des Staates sind unter modernen Bedingungen in Stein gemeißelt.

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Vor einem halben Jahrhundert hat der Staat begonnen, rechtlich darauf zu reagieren, dass unterschiedliche Formen der seriellen Monogamie den Normalfall des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau einschließlich der Aufzucht von Nachkommen darstellen. Denn im Zentrum aller Partnerschaftsfragen steht natürlich, mehr oder weniger erkennbar, nach wie vor die Frage der Erhaltung der Art.

Das Ehe- und Familienrecht, das zuvor ganz auf lebenslänglich ausgerichtet war – und gleichwohl die Realität außerehelicher Zweit- und Drittbeziehungen nicht ganz ignorieren konnte – wurde schrittweise an die neuen Realitäten angepasst. Und auch in der katholischen Kirche scheint sich etwas zu tun.

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In die Antwort auf die Frage, ob wir nur einen Partner haben sollen oder mehrere, wie diese Partnerschaft rechtlich und sozial fundiert sein sollte und was passieren soll, wenn die Partnerschaft endet, sind immer schon moralische, emotionale und ökonomische Aspekte eingeflossen. Der zeitgenössische Trend, die Lebensvollzüge des Alltags – Essen, Sport, Schlaf, Sex – zur Ideologie zu veredeln, begünstigt das Aufkommen von neuen, mit teils komplexen Regelwerken versehenen Partnerschaftsmodellen wie der Polyamorie.

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Unser Rechercheteam hat die anthropologischen, religiösen, ökonomischen und rechtlichen Hintergründe unserer Art, miteinander und zusammen zu leben, erforscht. In Gesprächen mit Experten und privaten Forschern und Abenteurern haben sie versucht, die Frage zu beantworten, ob die Monogamie, die wir in unseren Breiten über so lange Zeit mit großer Selbstverständlichkeit für das Modell des Zusammenlebens gehalten haben, ein Auslaufmodell ist – oder ob nicht doch alle Versuche, Beziehung, Nachkommenschaft und Zusammenleben ganz neu zu denken, irgendwann wieder bei der einen oder anderen Form der Monogamie enden.

Denn ideengeschichtlich könnte man wohl sagen, dass die westlichen Modelle der Monogamie, ob seriell oder „offen“, eine ideale Kombination aus Christentum und Kapitalismus darstellen: eine annähernd ideale Form der Allokation von Ressourcen, die notwendig sind, um zumindest für eine gewisse Zeit – sagen wir fünf bis zehn Jahre – die Stabilität der Verhältnisse sicherzustellen, die Kinder brauchen, um den eigenen Weg ins Leben zu finden.

Aber das ist natürlich Spekulation. Bleiben Sie bei den Fakten. 

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