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Zeig mir, wie du wohnst, und ich sage dir, wie du liebst

Der klassische Familienhaushalt wird zum Auslaufmodell: Heute lebt man vermehrt alleine, als unverheiratetes Paar oder als Alleinerzieher. Dieser Wandel hat sich in den letzten Jahrzehnten in den meisten Gemeinden vollzogen – wie unsere Kartenwanderung zeigt.

Daten
27.08.2018

Heutzutage lebt es sich lieber ungebunden als in einer langfristigen monogamen Gemeinschaft. Zumindest lassen sich viele Indizien dafür finden: weniger Hochzeiten, hohe Scheidungsraten und die langfristig rückläufige Zahl der Geburten etwa. Die Wohnverhältnisse im Land sind ebenfalls ein Abbild dieser sich verändernden Lebensmodelle. Seit der Volkszählung 1971 verzeichnet Österreich einen relativen Rückgang der Vater-Mutter-Kind-Haushalte. An ihre Stelle tritt überwiegend die selbstständige Lebensführung im Einpersonenhaushalt sowie Ein-Eltern-Haushalte und gemeinsam lebende unverheiratete Paare. Wir haben dargestellt, an welchen Orten die Veränderungen besonders drastisch waren und wo sich wenig verändert hat.

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Die wenigen Gemeinden mit wenig Veränderung können dem allgemeinen Trend aber wenig entgegensetzen: Im ländlichen Raum stieg der Anteil der Alleinlebenden von 4,8 auf 12,4 Prozent, in den urbanen Gebieten von 10,1 Prozent auf rund 19 Prozent.

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Neben der regionalen Perspektive zeigt sich der Bedeutungsgewinn des Einpersonenhaushalts auch als demografisches Phänomen. Zwar ist der Anstieg in allen Altersgruppen sowie nach Geschlecht vorhanden, jedoch zeigen sich für Männer und Frauen größere Unterschiede. Allen voran hat sich die Zahl der allein lebenden Männer wesentlich stärker erhöht als die der Frauen. Von der Volkszählung 1971 hat sie sich von 187.000 auf 626.000 mehr als verdreifacht. Aber sie bleiben in absoluten Zahlen noch hinter alleinlebenden Frauen zurück: Etwa 773.000 Österreicherinnen leben alleine – vorwiegend im höheren Alter.

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Es gilt: Männer leben eher im jungen und mittleren Alter alleine, für Frauen erhöht sich die Zahl mit steigendem Alter. Während etwa die Hälfte aller allein lebenden Frauen heute über 65 Jahre alt ist, fällt der größte Teil der Männer in die Altersgruppe 30 bis 49. Letztere hat sich seit der Volkszählung 1971 fast vervierfacht. Eine Begründung findet sich bei Frauen in der höheren Lebenserwartung: Stirbt der Ehegatte oder Lebensgefährte und verlassen die Nachkommen das Haus, bleiben diese häufig allein zurück. Bei Männern handelt es sich dagegen eher um vorübergehende Lebensphasen nach einer Scheidung oder vor einer festen Beziehung.

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Die Gründe für den Trend zum Einpersonenhaushalt sind insgesamt vielfältig: Gestiegene Individualisierung des Lebenslaufs und eine Abnahme der gesellschaftlichen Bedeutung der Familie werden zu einem großen Teil verantwortlich gemacht. Ein bedeutendes Fundament wurde dabei durch die Emanzipation gelegt: Erst seit 1975 dürfen Frauen in Österreich überhaupt ohne die Zustimmung ihres Mannes ihren Wohnsitz bestimmen oder arbeiten gehen. Durch die gestiegene Erwerbsbeteiligung wurden sie in weiterer Folge weniger von Partner oder Eltern finanziell abhängig, was die Begründung eines Einzelhaushalts erst ermöglichte. Der Ausbau des Sozialstaats verringerte Bedeutung und Abhängigkeit von Familie weiter. Darüber hinaus spielt die überregionale Orientierung und die gestiegene Mobilität eine Rolle. Für Ausbildung und Beruf verlassen heute mehr Menschen die Heimatgemeinde als früher. Ohne familiäre Anbindung in der neuen Heimat wird das Alleinleben wahrscheinlicher. Letztendlich ermöglicht auch der gestiegene materielle Wohlstand die einzelne Lebensführung. Obwohl dieser nicht ganz unproblematisch ist: Der vermehrte Wohnraumbedarf wird auch für die steigenden Mieten verantwortlich gemacht.

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Was es früher alles (nicht) gab

Ein Wertewandel in der Gesellschaft ist nicht nur durch die Anzahl der Einzelhaushalte gekennzeichnet. Zwei weitere Lebensformen treten seit 1971 verstärkt auf.

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Die restliche Bevölkerung Österreichs sind entweder Ehegatten im gemeinsamen Heim, Söhne und Töchter oder sonstige Haushaltsmitglieder. Diese machen für Österreich 38,2, 27,3 und 4,8 Prozent der gesamten Einwohner in Privathaushalten aus. Seit den 70er Jahren sind die Anteile dieser drei Gruppen an der Gesamtbevölkerung in Österreich gesunken.

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Laut Haushaltsprognose der Statistik Austria soll der Trend zu kleineren Haushalten übrigens anhalten. So sollen im Jahr 2050 in Österreich bereits 19,1 Prozent einen Einpersonenhaushalt führen. Gemessen an der Zahl der Haushalte – und nicht Personen – bestünden dann bereits über 40 Prozent nur aus einem Menschen. 

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Das Rechercheteam

Gerald Gartner
Team Daten

Gerald Gartner kuratiert, analysiert und visualisiert große Datenmengen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen. Er lehrt an der Fachhochschule Wien. Davor war er für derStandard.at und NZZ.at in Wien tätig.

Markus „Fin“ Hametner
Team Daten

Markus Hametner hat Informatik studiert, baut seit 2011 Brücken zwischen Technologie und Journalismus und beschäftigt sich seit 2014 als Datenjournalist mit internationalen Datenrecherchen und interaktiven Visualisierungsformen. In seiner Freizeit betreibt er als Mitgründer des Forum Informationsfreiheit die Plattform FragDenStaat.at und trägt erfolgreich Rechtsstreite mit Behörden aus, die Auskünfte verweigern.

Ralph Janik
Team Recherche

Ralph Janik hat in Wien und Alcalá de Henares (Madrid) Rechtswissenschaften und Politikwissenschaft studiert. Danach Studium in internationalem Recht und Europarecht an der Universität Amsterdam. Beruflich unter anderem wissenschaftlicher Assistent an der Universität Amsterdam und an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

Pippa Nachtnebel
Team TV
Markus Rodlauer
Team TV

Geboren 1986 in Steyr, hat „Journalismus und Unternehmenskommunikation“ an der FH Joanneum in Graz studiert. Fühlt sich zum gedruckten Wort hingezogen, spricht, schreibt und talkt dennoch fürs Fernsehen: Seit 2014 bei „Talk im Hangar-7“, gelegentlich auch Reportagen und Dokumentationen.

Gerhild Salcher
Team TV

Studierte in Innsbruck und London und startete ihre berufliche Laufbahn als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Innsbruck. 2005 zog sie nach Wien, heuerte als Online-Redakteurin bei wienweb.at an und begleitete die Entwicklung der Nachrichtenplattform zum lokalen TV-Sender W24, wo sie ab 2013 als Nachrichtenchefin, ab 2016 schließlich als Chefredakteurin fungierte.

Lukas Schmoigl
Team Daten

Lukas Schmoigl hat Volkswirtschaft und Statistik an der Wirtschaftsuniversität und an der Universität Wien studiert. Seine Expertise liegt auf dem Gebiet der quantitativen empirischen Forschung und Datenanalyse. Neben dem Studium war er in den vergangenen Jahren in der Abteilung IT-SERVICES an der WU tätig.

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Markus Hametner hat Informatik studiert, baut seit 2011 Brücken zwischen Technologie und Journalismus und beschäftigt sich seit 2014 als Datenjournalist mit internationalen Datenrecherchen und interaktiven Visualisierungsformen. In seiner Freizeit betreibt er als Mitgründer des Forum Informationsfreiheit die Plattform FragDenStaat.at und trägt erfolgreich Rechtsstreite mit Behörden aus, die Auskünfte verweigern.

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Ralph Janik hat in Wien und Alcalá de Henares (Madrid) Rechtswissenschaften und Politikwissenschaft studiert. Danach Studium in internationalem Recht und Europarecht an der Universität Amsterdam. Beruflich unter anderem wissenschaftlicher Assistent an der Universität Amsterdam und an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

Pippa Nachtnebel
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Geboren 1986 in Steyr, hat „Journalismus und Unternehmenskommunikation“ an der FH Joanneum in Graz studiert. Fühlt sich zum gedruckten Wort hingezogen, spricht, schreibt und talkt dennoch fürs Fernsehen: Seit 2014 bei „Talk im Hangar-7“, gelegentlich auch Reportagen und Dokumentationen.

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Studierte in Innsbruck und London und startete ihre berufliche Laufbahn als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Innsbruck. 2005 zog sie nach Wien, heuerte als Online-Redakteurin bei wienweb.at an und begleitete die Entwicklung der Nachrichtenplattform zum lokalen TV-Sender W24, wo sie ab 2013 als Nachrichtenchefin, ab 2016 schließlich als Chefredakteurin fungierte.

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Lukas Schmoigl hat Volkswirtschaft und Statistik an der Wirtschaftsuniversität und an der Universität Wien studiert. Seine Expertise liegt auf dem Gebiet der quantitativen empirischen Forschung und Datenanalyse. Neben dem Studium war er in den vergangenen Jahren in der Abteilung IT-SERVICES an der WU tätig.

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