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Wie die SPÖ von Plakatwerbung anderer Parteien profitiert
23. September 2019 News Lesezeit 3 min
Speziell im Wahlkampf sind Plakatflächen für die Parteien heiß begehrt. Aber wem gehören die insgesamt rund 60.000 Außenwerbeflächen in Österreich eigentlich? Eine Addendum-Recherche zeigt: Die SPÖ profitiert indirekt von der Plakatwerbung der anderen Parteien.
Bild: Addendum

Am Straßenrand, in Fußgängerzonen, im Facebook-Feed und in den Zeitungen: Das ganze Land ist voll mit Wahlwerbung und Slogans wie „Einer, der auf unsere Werte schaut“, „Mit Sicherheit für Österreich“, „Wohnen darf kein Luxus sein“, „Bildung über alles zu stellen“ oder „Wen würde die Umwelt wählen?“.

Plakatflächen spielen im Wahlkampf für die Parteien offenbar immer noch eine gewichtige Rolle. Anders ist die Vielzahl der mit Politslogans vollplakatierten Außenwerbeflächen wohl nicht zu erklären.

Doch wem gehören die rund 60.000 Außenwerbeflächen (die Vielzahl der Dreiecksständer zählt da nicht dazu) in Österreich eigentlich? Der österreichische Außenwerbemarkt war lange Zeit sehr staatsnah organisiert, besonders ÖVP und SPÖ profitierten davon. Beides trifft teilweise immer noch zu: Zu den zwei großen Playern in diesem Markt gehört einerseits der Wiener Platzhirsch Gewista und andererseits die ehemalige Raiffeisen-Tochter Epamedia.

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Gewista und die Wiener SPÖ

Epamedia steht aktuell in keinem erkennbaren Naheverhältnis zu einer Partei – sie wurde 2012 von Raiffeisen an die slowakische Medienholding JOJ Media House verkauft. Hingegen gehören rund 10 Prozent der Gewista einem Verband, der der Wiener SPÖ nahesteht – dem Verband der Wiener Arbeiterheime, die diesen Anteil über die sogenannte Progress Beteiligungsges.m.b.H hält. Das ist nicht zufällig entstanden.

Die Gewista wurde 1921 als „Städtische Ankündigungsunternehmung der Magistratsabteilung der Stadt Wien“ gegründet. 1993 folgte die Privatisierung, und heute ist der Außenwerbekonzern JC Decaux Haupteigentümer, die rote Progress Beteiligungsges. m.b.H. hält aber weiterhin ein Drittel der Anteile.

Und just als in Wien das neue Parteienfinanzierungsgesetz 2012 in Kraft trat, verminderte die Wiener SPÖ ihre Anteile auf 9,9 Prozent – ab 10 Prozent wäre das Unternehmen sonst offenlegungspflichtig gewesen.

Ein Blick in die Bücher der Gewista verrät: Alleine 2016 schüttete das Unternehmen einen Gewinn von 13 Millionen Euro an ihre Eigentümer (also indirekt auch an die Wiener SPÖ) aus. Und diese Form der Gewinnausschüttung – wenngleich sie je nach tatsächlichem Gewinn variiert – gibt es jährlich.

Abb.: Auszug aus dem Protokoll der Gewista-Generalversammlung des Jahres 2016

Das heißt: Wenn also ÖVP, FPÖ und NEOS Wahlwerbung auf Gewista-Plakatflächen buchen, unterstützen sie damit finanziell indirekt die Wiener SPÖ.

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ÖVP, FPÖ und NEOS unterstützen Wiener SPÖ

Im aktuellen Wahlkampf plakatieren alle genannten Parteien bei Gewista-Außenwerbeflächen – die ÖVP im Vergleich aber eher seltener. Die Volkspartei hat vor allem Plakatflächen von Epamedia (also dem zweiten großen Player) gebucht.

Auch die Epamedia weist Millionengewinne in den Büchern aus – 2017 waren das etwas mehr als 2,4 Millionen Euro.

Abb.: Auszug aus dem Jahresabschluss von Epamedia des Jahres 2017

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In Wien führt nichts an der Gewista vorbei

Sie hat im Vergleich zum Hauptkonkurrenten Gewista aber vor allem in Wien eher das Nachsehen. Laut unserem Atlas der Außenwerbeunternehmen besitzt die Gewista fast zwei Drittel aller verfügbaren Flächen in Wien. Das erklärt wohl auch, warum die Parteien für eine flächendeckende Bewerbung in der Hauptstadt auf die Gewista angewiesen sind.

In den Bundesländern sieht das etwas anders aus. Dort sind kleinere Außenwerbeunternehmen durchaus stärker präsent. In Niederösterreich und dem Burgenland dominiert mit etwas mehr als 5.000 Plakatflächen zwar die Epamedia. Mit der Gewista, der „Medium Plakatwerbung“ und der ÖBB-Werbung gibt es allerdings Alternativen. Ebenso in Salzburg, Kärnten, Tirol und Vorarlberg.

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Staatsnah in der Steiermark

Mit knapp 4.500 Werbeträgern ist in der Steiermark ein Großteil der Werbeflächen der staatsnahen Firma „Ankünder“ zuzuordnen, die zu zwei Dritteln der Stadt Graz und zu einem Drittel wiederum der Gewista gehört. Das sind mehr Plakatflächen, als alle anderen Anbieter zusammen anbieten.

Wo die SPÖ in Oberösterreich noch dominiert

Überraschend ist: Im schwarz-blauen Oberösterreich wird die Außenwerbeszene vor allem von SPÖ-nahen Unternehmen dominiert. So gehören rund zwei Drittel der knapp 12.000 Werbeträger dem Gutenberg-Werbering (der einer SPÖ OÖ-Privatstiftung gehört), dem Progress Werbeland (einer hunderprozentigen Tochterfirma der Gewista), der USP-Werbegesellschaft (die mehrheitlich im Besitz der Gewista ist) und der Gewista selbst. 

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