Heta verkaufte wertvollste Hypo-Immobilie an Briefkasten-Konglomerat

Die Hypo-Abwicklungsgesellschaft HETA hat den Verkauf ihrer wertvollsten Immobilie endgültig besiegelt. Die Steuerzahler mussten im Lauf der Jahre rund 250 Millionen Euro investieren. Ob mehr als 66 Millionen Euro – der kolportierte Verkaufspreis – hereinzuholen gewesen wären, ist nur eine der offenen Fragen. Wir haben uns auf die Spur der neuen Eigentümer begeben und sind dabei auf ein Netzwerk gestoßen, dem ausländische Briefkastenfirmen angehören. Es gibt zudem Hinweise, dass alte Hypo-Seilschaften dahinterstehen könnten. HETA und Finanzmarktaufsicht verteidigen den Deal.

02.02.2018

Savudrija im Jänner 2018. Die rauen Sturmwinde der Bora sind abgeflaut. Über dem Golf von Piran liegt leichter Dunst. Die aufgehende Wintersonne lässt die Rezidencija Skiper in einem warmen Licht erstrahlen und bringt Idylle in den ausufernden Gebäudekomplex, der sich auf 120 Hektar auf halbem Weg zwischen dem istrischen Küstenstädtchen Umag und der slowenischen Landzunge von Piran erstreckt – mit Hubschrauberlandeplatz, 36 Villen, 261 Apartments und einem marmorstrotzenden Hotelpalast, der von Kempinski, Europas ältester Hotelkette, betrieben wird. Vor dem Nobelhotel, das in der Wintersaison geschlossen ist, stehen drei Kastenwägen einer Installationsfirma. Deren Mitarbeiter servicieren gerade die Klimaanlage. Gegen Mittag fahren vor dem Golfclub mehrere Autos vor und bringen Leben in die verschlafene Ferienanlage. Die Nummernschilder weisen darauf hin, dass die Gäste, die unter der Woche vorbeikommen, durchwegs aus der näheren Umgebung stammen, zumeist aus Pula, Laibach oder Italien. An Wochenenden und in der Urlaubszeit kommen die elitären Clubmitglieder von weiter her und versuchen, einen der 90 Parkplätze vor dem 82 Hektar großen Golfareal zu ergattern – dem bis heute einzigen 18-Loch-Platz in Kroatien.

icon-bubble

Top Kommentar

Abschreibung von 300 Millionen Euro

Finanziert hat den ganzen Pomp, zu dem auch ein eigenes Kongresszentrum direkt am Meer gehört, die ehemalige Hypo Group Alpe Adria (HGAA). Sie war von Anfang an mit 25 Prozent an Skiper beteiligt und hat in der Zeit von 1995 bis 2009 insgesamt 192 Millionen Euro an Krediten in das Projekt gepumpt. Zurückgeflossen ist indes nur ein Bruchteil, weshalb sich das Hypo-Engagement samt angelaufener Zinsen und Erhaltungskosten zuletzt bei rund einer Viertelmilliarde Euro bewegte.

Seit Anfang Mai 2010 lag dabei das finanzielle Risiko allein beim österreichischen Steuerzahler. Da zog das neue Bankmanagement der kurz zuvor verstaatlichten HGAA notgedrungen eine Option und übernahm um einen symbolischen Euro die restlichen 75 Prozent vom damaligen Mehrheitseigentümer, einem slowenischen Baukonzern (Vegrad d.d.), da dieser die Kredite nie bedienen konnte. Die Übernahme erfolgte gerade noch rechtzeitig. Nur fünf Monate später ging die Vegrad d.d., die auch Generalunternehmer beim Bau war, in Konkurs. Da war die Anlage bereits außer Reichweite des Masseverwalters. Die Hypo musste über Nacht rund 300 Millionen Euro abschreiben. Zwei Drittel davon entfielen allein auf alte Skiper-Kredite, da die Vegrad mit dem Kauf der Mehrheitsanteile 2008 auch alle Schulden übernehmen hatte müssen.

icon-bubble

Top Kommentar

Skiper im Visier der Justiz

Bau und Finanzierung des Projekts waren schon vor der Verstaatlichung heftig umstritten. Die Klagenfurter Staatsanwaltschaft versuchte, das verworrene Finanzabenteuer rund um das ehrgeizige Investitionsprojekt zu durchleuchten. Die Ermittlungen der im Dezember 2009 ins Leben gerufenen Sonderkommission Soko Hypo dauerten sechs Jahre, wobei der Fall drei Staatsanwälte verbrauchte und einmal sogar beinahe eingestellt worden sein soll. Im März 2016 kam es aber doch zu einer Anklage gegen die ehemaligen Hypo-Vorstände Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger, denen von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wurde, sie hätten durch die leichtfertige Vergabe von fünf der insgesamt 24 Kredite einen Schaden von 105 Millionen Euro verursacht. Der Vorwurf der Untreue traf als mutmaßliche Beitragstäter auch Skiper-Erfinder Miro Oblak und eine ehemalige Geschäftsführerin. Sie sollen die Hypo-Manager zu den Kreditvergaben gedrängt haben. Alle Angeklagten haben die Vorwürfe stets bestritten und sich vor Gericht „nicht schuldig“ bekannt.

Nicht rechtskräftig

Während es für Projektbetreiber Oblak und die ehemalige Geschäftsführerin Freisprüche gab, wurden die beiden Ex-Hypo-Vorstände nach 30 Verhandlungstagen im November 2016 wegen eines 70-Millionen-Euro-Kredits verurteilt: Kulterer erhielt vier Jahre und einen Monat, Striedinger fünf Jahre und acht Monate Haft. Da sowohl die Beschuldigten als auch die Staatsanwaltschaft Berufung einlegten, sind weder die Schuldsprüche noch die Freisprüche rechtskräftig. Es gilt somit nach wie vor die Unschuldsvermutung. Mit einer OGH-Entscheidung in der Causa Skiper ist nicht vor Mai 2018 zu rechnen. Denn bis vor kurzem lag das Ersturteil noch beim Verfassungsgerichtshof, den Günter Striedinger ebenfalls angerufen hatte.

icon-bubble

Top Kommentar

Unklare Eigentumsverhältnisse

Seit kurzem hat nun ein neuer Steuermann das Ruder bei Skiper übernommen. Dabei handelt es sich um den serbischen Oligarchen Miodrag Kostić, der mit einem geschätzten Vermögen von 540 Millionen Dollar zu den reichsten Unternehmern auf dem Balkan zählt. Laut Heta Asset Resolution AG (HETA), die seit 2014 als Abwicklungsgesellschaft der ehemaligen HGAA fungiert, sind die Unternehmen Istrian Hotels d.o.o./Tampten Ltd. vergangenen Sommer aus einem Ausschreibungsverfahren als Bestbieter hervorgegangen. Der kolportierte Kaufpreis beträgt 66 Millionen Euro und wurde bisher weder von der HETA noch von Kostić dementiert.

Heftig widersprochen wird allerdings dem via Addendum geäußerten Vorwurf eines unterlegenen Mitbieters, wonach es bei dem Ausschreibungsverfahren nicht mit rechten Dingen zugegangen und Kostić schon von Haus aus als Bestbieter festgestanden sei, obwohl höhere Angebote vorgelegen seien. Die HETA steht auf dem Standpunkt, alles sei korrekt verlaufen.

Das Doppelte geboten

Addendum-Recherchen zufolge gab es vor zwei Jahren jedenfalls einen kanadischen Investor, der für das luxuriöse Urlaubsdomizil mit 120 Millionen Euro fast das Doppelte geboten hätte. Zum Zug gekommen ist er nicht, da die HETA trotz Vorliegens eines Vermögensnachweises die Verkaufsverhandlungen plötzlich abgebrochen hat. Ähnlich soll es auch anderen Interessenten gegangen sein.

Die HETA dementiert das vehement: „Es ist für uns nicht nachvollziehbar, wie es zu solchen Behauptungen kommt und wir halten dazu auch fest, dass im abgebrochenen Verkaufsprozess in der Finalphase keinerlei seriöse Angebote mehr auf dem Tisch gelegen sind, die höher waren als das letztendlich abgeschlossene angenommene Angebot.“

icon-bubble

Top Kommentar

Miodrag Kostić: Vom Popcornverkäufer zum Mulitmillionär

Für Miodrag „Kole“ Kostić, 59, den neuen Mann hinter Skiper, war die Privatisierungsphase nach den jugoslawischen Sezessionskriegen eine Goldgräberzeit. Bereits kurz nach Kriegsende gründete er mit der MK Group d.o.o. seine erste Firmenholding. Laut offizieller Firmenbiografie konzentrierte sich die Geschäftstätigkeit seiner ersten Unternehmungen „auf die Belieferung der Zuckerindustrie mit den dazugehörenden Ersatzteilen sowie auf den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten und Maschinen“. Tatsächlich begann Kostić seine Karriere als Unternehmer bereits als Wirtschaftsstudent mit einem kleinen Popcornladen, den er mit dem Verkaufserlös einer Zweizimmerwohnung erstand. Inzwischen umfasst sein Firmenimperium rund 90 Unternehmen mit weiteren Holdings in Zypern, Holland, auf den Virgin Islands, den Cayman-Inseln, in Liechtenstein und in der Schweiz. Damit wickelt der in Vrbas, einer kleinen Provinzstadt in der Vojvodina, geborene Serbe, dessen Tentakel längst in mehrere Wirtschaftszweige (Lebensmittel, Energie, Immobilien, Banken, Tourismus) reichen, rund vier Fünftel seiner aktuellen Geschäfte in Offshore-Ländern und über Briefkastenfirmen ab.

Seinen Aufstieg zu einem der schillerndsten Oligarchen des Balkans verdankt Kostić nicht zuletzt auch seinen politischen Verbindungen, die er bereits unter dem Regime Slobodan Milošević hatte. Und im Schatten der Politik ist er auch nach dem Sturz des serbischen Diktators im Oktober 2000 erfolgreich geblieben, vor allem als Direktor und Sponsor der Demokratischen Partei des 2003 ermordeten serbischen Ministerpräsidenten Zoran Đinđić.

„Jeder weiß, dass unsere Tycoone ihre Monopole und ihre Reichtümer politischen Privilegien verdanken“, bekannte der ehemalige Vorsitzende der Demokratska stranka, Dragoljub Mićunović, in einem FAZ-Interview mit verblüffender Offenheit: „Keiner von ihnen ist dank seiner Genialität oder seiner Geschäfte ein großer Unternehmer geworden.“

Feierlicher Abschluss des Skiper-Deals

Im Zusammenhang mit der Ausschreibung hörte man von Kritikern immer wieder den Namen Wilfried P. Der ehemalige Bereichsleiter für Mergers and Acquisitions (M&A) der Wirtschaftskanzlei KPMG Russland war seit 2010 für die Hypo-Alpe-Adria-Bank in derselben Funktion tätig und ist es bis dato für die HETA. Von der KPMG abgeworben wurde der Kärntner noch vom damaligen HGAA-Vorstand Gottwald Kranebitter.

Informationen zufolge, die Addendum vorliegen, war P. im vergangenen November Ehrengast im Hotel Kempinski Palace Portorož, wo Kostić in privatem Kreise mit einem Galadinner und einer Champagner-Sause den gelungenen Skiper-Deal zelebrierte. Die HETA sagt dazu: „Im Rahmen des Closings von größeren Transaktionen ist es durchaus üblich, ein gemeinsames finales Abendessen mit allen an der Transaktion beteiligten Teammitgliedern abzuhalten.“

icon-bubble

Top Kommentar

Alte Hypo-Connection

Enge Kontakte zu Granden der ehemaligen Hypo haben bei Kostić Tradition. So etwa zählt auch der einstige Vorstand der Hypo Serbien, Vladimir Čupić, zu seinen Geschäftsfreunden. Der diplomierte Wirtschaftswissenschaftler konnte seine CEO-Karriere 2013, nach dem endgültigen Zusammenbruch der HGAA, nahtlos in der AIK-Bank von Kostić fortsetzten. Die beiden kannten sich bereits, als Čupić noch Direktor der staatlichen Agentur für Privatisierungen in Serbien war.

Aus dieser Ära sollen auch die ersten engeren Kontakte zwischen Kostić und Günter Striedinger stammen. Unbestritten ist, dass der Serbe einst Mitbesitzer des Belgrader Ušće Towers war, in den die Klagenfurter Hypo mehr als 60 Millionen Euro investierte. Striedinger war damals für das Auslandsgeschäft der Hypo zuständig.

Zwischen Kostić und Striedinger gibt es auch in Kroatien zumindest eine örtliche Verbindung: Jedenfalls haben die Istrian Hotels d.o.o. des neuen Skiper-Eigentümers und die – zwischenzeitlich in Konkurs befindliche – Tim 90 d.d. in Poreč denselben Firmensitz (Vukovarska 19). Dort befand sich einst auch die erste offizielle Adresse der Hypo in Kroatien. Bei Tim 90 d.d. handelte es sich um eine von der Hypo mit 13 Millionen Euro finanzierte Immobilien AG, an der Striedingers Schwester zu einem Viertel beteiligt war. Das geht aus dem Firmenbuch hervor.

Kein Problem

Die HETA sieht in dieser Koexistenz kein Problem, verweist diesbezüglich aber „an die Istrian Hotels d.o.o. bzw. deren Rechtsbeistand“.

Es gibt aber auch noch eine weitere Verflechtung. Informationen zufolge, die Addendum vorliegen, soll ein ehemaliger Hypo-Mitarbeiter, der später auch in einer Striedinger-Firma beschäftigt war, die Due Diligence (Risikoprüfung) für Kostić bzw. für den erwähnten Rechtsbeistand durchgeführt haben.

Bei der HETA heißt es dazu: „Es ist uns nicht bekannt, wo und wie die genannte Person im Zuge des Skiper-Verkaufsprozesses vorstellig wurde, bei der HETA ASSET RESOLUTION AG jedenfalls nicht.“

Striedinger bestätigt zwar, dass der Ex-Hypo-Mitarbeiter einst auch für seine Rubicon Zagreb tätig gewesen sei, sagt aber, seit der Schließung der Firma 2010 „habe ich keinen Kontakt mehr zu ihm“.

icon-bubble

Top Kommentar

Keine Auskünfte über Eigentümer

Wie dem auch sei: Kostić soll jedenfalls immer nur an Skiper Hoteli d.o.o., dem eigentlichen Hotel-Resort samt seinen Luxus-Immobilien, interessiert gewesen sein und weniger an der angrenzenden Villen- und Apartmentanlage, die ebenfalls zur Mutterfirma Rezidencija Skiper d.o.o. gehört.

Addendum konfrontierte die HETA auch damit und fragte nach, wer nun der tatsächliche Skiper-Eigentümer ist. Eine klare Antwort darauf gab es nicht: „Wir halten ausdrücklich fest, dass zum Verkaufsverfahren grundsätzlich keine Auskünfte gegeben werden. Externe unabhängige Berater sind nach mehrmaliger Prüfung zu dem Schluss gekommen, dass keinerlei Verdacht auf Geldwäsche besteht. Der gesamte Prozess wurde korrekt, klar strukturiert und im Einklang mit allen geltenden Ausschreibungsrichtlinien abgewickelt.“

icon-bubble

Top Kommentar

Spurensuche in fünf Ländern

Addendum hat sich nach dem offiziellen Closing des Skiper-Verkaufs am 19. Dezember 2017 mithilfe der zuständigen Außenhandelsstellen der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) auf die Spur des neuen Besitzers gemacht. Die Suche hat uns quer durch Europa und in die Handelsregister von mehreren Staaten geführt.

Erster Anhaltspunkt war eine HETA-Presseaussendung wonach am 17. Oktober 2017 zwischen der HETA und Istrian Hotels d.o.o./Tampten Ltd. „eine Vereinbarung zum Verkauf bzw. Kauf der gesamten Anteile an sämtlichen Skiper-Gruppenunternehmen sowie aller von der HETA an Skiper-Gruppenunternehmen gewährten Finanzierungen“ unterzeichnet worden sei. Der Name Miodrag Kostić wird in dem Schreiben dabei ebenso wenig erwähnt wie die Provenienz der angeblichen Bestbieter. Lediglich in einem (in Englisch verfassten) Postskriptum erfährt man, dass es sich bei der Istrian Hotels d.o.o. um ein Mitglied der MK Group (eine der vielen Firmen-Holdings von Miodrag Kostić) handeln soll.

icon-bubble

Top Kommentar

Für den Grazer Steuerberater und ehemaligen Hypo-Gutachter Fritz Kleiner ist Closing „nur eine Art Modebegriff, da es dafür keine rechtliche Definition gibt“. In der Praxis sei es der letzte Schritt einer sogenannten Mergers & Acquisitions-Transaktion, also einer Firmenfusion oder Firmenübernahme. In diesem Zusammenhang bedeute Closing das Datum, an dem auf eine vorher festgelegte Art und Weise die finale Eigentumsübertragung – wie im konkreten Fall der einzelnen Skiper-Gesellschaften – stattfindet.

Der Schritt vor dem Closing ist das sogenannte Signing, also das Unterschreiben des Kaufvertrags, welcher auch die Modalitäten des Verkaufs und damit des Closings genau vorgibt. Bei M&A-Transaktionen können dabei zwischen Vertragsabschluss und dessen Vollzug oft mehrere Monate vergehen. Voraussetzung für den dringlichen Vollzug einer Transaktion, der tatsächlichen Eigentumsübertragung der Unternehmensanteile und -vermögenswerte, ist der Eintritt sämtlicher aufschiebender Bedingungen. Diese werden in der Fachsprache unter anderem auch als Closing Conditions oder Closing Precedents bezeichnet. Dazu gehören alle operativen Transaktionsdokumente, gesetzliche Genehmigungen, Rechtsgutachten oder der Nachweis der Aufhebung von Pfandrechten. Zudem besteht auf Verkäuferseite oftmals die vertragliche oder gesetzliche Verpflichtung, vor Eigentumsübertragung die Zustimmung der zuständigen Organe oder Gremien – wie etwa im Falle von Skiper des HETA-Aufsichtsrats und der Finanzmarktaufsicht – einzuholen.

Wir haben uns das Firmengeflecht näher angesehen:

  • Die Istrian Hotels d.o.o., laut HETA Bestbieter eines zweistufigen Ausschreibungsverfahrens, ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach kroatischem Recht. Auffällig ist, dass sie erst am 7. September 2017, also kurz vor Ende der Ausschreibung, ins Handelsregister eingetragen wurde. Die HETA sagt dazu, es sei absolut marktüblich, dass für den Erwerb eines Objekts ein eigenes Unternehmen gegründet werde, sobald sich ein konkreter Deal abzeichne. Trotzdem ist die Istrian Hotels d.o.o. bis dato nur eine leere Gesellschaftshülle.
  • Bei der Muttergesellschaft, der Tampten Ltd., handelt es sich wiederum um eine zypriotische Briefkastenfirma, die knapp ein Jahr älter ist und von der niederländischen Briefkastenfirma Jagotin Holding B.V. gegründet  wurde. Allerdings haben sich während der Ausschreibung die Besitzverhältnisse gleich zweimal geändert. Daher ist auch nicht nachvollziehbar, wer an dem Bieterverfahren tatsächlich teilgenommen hat. Im Augenblick gehört die „Tampten“ jedenfalls einer gewissen Attribution Ltd., die ebenfalls in Zypern beheimatet ist.
  • Bemerkenswert ist auch, dass die MK Group – entgegen der Aussage der HETA – mit dem angeblichen Bestbieter Istrian Hotels d.o.o./Tampten Ltd. handelsrechtlich nichts zu tun hat.

Die Frage, die sich in Kenntnis dieser Fakten aufdrängt, lautet: Warum werden die Besitzverhältnisse einer Käuferfirma während eines Verkaufsprozesses mehrfach modifiziert, noch dazu mithilfe von Briefkastenfirmen? Derlei Konstruktionen nähren stets den Verdacht, dass  etwas verschleiert werden soll – seien es die wahren Eigentümer oder die Herkunft der Finanzierungsmittel.

icon-bubble

Top Kommentar

HETA: Keine Probleme

„Man kann der Compliance-Abteilung der HETA nur gratulieren, die dieses Wirrwarr in kürzester Zeit durchschaut haben muss“, ätzte einer der 33 unterlegenen Skiper-Bieter schon kurz nach der Ausschreibung in Richtung österreichischer Finanzmarktaufsicht (FMA), die als oberste Kontrollbehörde für die verstaatlichte HETA zuständig ist. Just in diesem Zeitraum war die Compliance-Abteilung wegen angeblicher Missachtung der Geldwäscherichtlinien vorübergehend in Kritik geraten.

Addendum konfrontierte die HETA in der Endphase der Recherche erneut mit der Frage, wer nun der tatsächliche Skiper-Eigentümer („ultimate beneficial owner“) ist und erhielt eine ähnliche Auskunft wie bei der ersten Anfrage: „Die HETA ASSET RESOLUTION AG ist angehalten, sämtliche Verkaufsprozesse auf Compliance und Geldwäscheverdachtsmomente hin zu überprüfen. Interne Gremien wie der Aufsichtsrat als auch externe Gremien wie die Österreichische Finanzmarktaufsicht sind in die Verkaufsverfahren einbezogen. Externe unabhängige Berater sind nach mehrmaliger Prüfung zu dem Schluss gekommen, dass keinerlei Verdacht auf Geldwäsche besteht. Der gesamte Prozess wurde korrekt, klar strukturiert und im Einklang mit allen geltenden Ausschreibungsrichtlinien abgewickelt.“

FMA: Keine Probleme

Ganz ähnlich lautete die Stellungnahme der FMA zu der verworrenen Eigentümerstruktur samt Briefkasten-Firmen: „Selbstverständlich wird in derartigen Verfahren insbesondere auch die Einhaltung der Geldwäsche-Bestimmungen geprüft (proof of funds) und ist der ,ultimate beneficial owner‘ offenzulegen. Die gesetzlichen Bestimmungen regeln genau, bei welchen Voraussetzungen ein Bieter auszuschließen ist. Gegen diese wurde nach den vorliegenden Unterlagen und Informationen nicht verstoßen.“ Die HETA hätte „alle Unterlagen des Bestbieters – wie regulatorisch vorgesehen – der FMA vorgelegt, die den Verkauf nach eingehender Prüfung und Befassung des eigens für diese Zwecke eingerichteten Experten-Beirates durch Nicht-Untersagung genehmigt hat“.

icon-bubble

Top Kommentar

Seit Mitte Jänner ist der Deal zur Gänze durch

Nicht nur Addendum kontaktierte die FMA in dieser Sache. Anfang Jänner bekam sie Post von einem enttäuschten Mitbieter. Er wies die Finanzmarktaufsicht auf ein Geldwäscheverdachtsverfahren hin, das laut Belgrader Medien von der serbischen Nationalbank eingeleitet worden sein soll. In dessen Fokus ist die serbische AIK Bank geraten, die – wie erwähnt – zu Miodrag Kostićs Firmenimperium gehört. Es geht auch um ein ehemaliges Finanzierungsprojekt der Hypo (Blok 26). Der Schreiber wollte wissen, ob die Causa, die seit Wochen in der Heimat des neuen Skiper-Eigentümers für Schlagzeilen sorgt, eventuell auch in Österreich Konsequenzen hat. Die Frage schien berechtigt, da bis dahin in den einschlägigen Firmen- und Grundbüchern noch immer die HETA als Eigentümer beziehungsweise Gläubiger aufschien. Am 16. Jänner zerschlug sich die Hoffnung des Mitbieters allerdings. Seit diesem Tag ist die Tampten Ltd. als Eigentümer der Rezidencija Skiper d.o.o. eingetragen. Das heißt also, die Luxus-Immobilie gehört nun einer zypriotische Briefkastenfirma.

Die Steuerzahler indes haben bei dem Deal ein dickes Minus gemacht und erfahren nicht einmal, welche Personen hinter dem Geschäft stehen.

Günter Striedinger stellt vehement in Abrede, in die Sache involviert zu sein: „Ich habe weder direkt noch indirekt noch in einer sonstigen Form mit dem Skiper-Verkauf zu tun.“ Miodrag Kostić ließ eine Addendum-Anfrage unbeantwortet. 

icon-bubble

Top Kommentar

Das ganze Paket

Sie wollen unsere Inhalte verbreiten? Wir stellen Ihnen diesen Artikel mit seinen Elementen zur Verfügung.
Paket downloaden
download_icons

Inhaltspaket downloaden

Dieser Artikel und seine Inhalte können übernommen und verbreitet werden. Folgende Bedingungen sind dabei zu beachten:

  • Addendum als Quelle zitieren
  • Backlink zum ursprünglichen Artikel auf addendum.org setzen
  • Inhalte können nicht ohne Absprache mit Addendum verändert werden
  • Wird der gesamte Artikel veröffentlicht, muss ein Zählpixel eingebaut werden, Instruktionen dazu finden Sie in unseren Nutzungsbedingungen
  • Weitere Bilder können auf Anfrage an [email protected] beantragt werden

Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen zur Verwendung unserer Inhalte, welche Sie unter folgendem Link in ihrer aktuellen Form abrufen können: http://add.at/nbd

close

Vielen Dank!

Ihr Download ist nun bereit!

Addendum_a0005_News.zip
112 KB

Inhaltspaket anfordern
02.02.2018

Das Rechercheteam

Rainer Fleckl
Investigative Recherche

Rainer Fleckl will den Dingen auf den Grund gehen. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und startete seine ersten investigativen Recherchen im Sportressort des „Kurier“, dessen Leitung er 2008 übernahm. 2010 wurde er mit dem Aufbau einer Rechercheabteilung betraut. Vor seinem Engagement bei Quo Vadis Veritas war Fleckl als Bereichsleiter bei ServusTV und in der Chefredaktion von „News“ tätig.

Christine Grabner
Investigative Recherche

Christine Grabner war die letzten 12 Jahre als Redakteurin für das ORF Reportage-Format „Am Schauplatz“ tätig. Ihr Schwerpunkt sind gesellschaftspolitische und investigative Themen. Davor war sie viele Jahre freiberuflich unter anderem für den ORF „Report“, ATV, Spiegel-TV oder die Berliner Zeitung tätig. Die gebürtige Kärntnerin hat an der Berliner „Freien Universität“ ein Magister-Studium der Publizistik/ Philosophie und Neueren Geschichte abgeschlossen.

Maria Kern
Investigative Recherche

Maria Kern war in den vergangenen zehn Jahren Innenpolitik-Redakteurin des „Kurier“. Zuvor war sie im EU-Ressort und in der Chronik-Redaktion der Tageszeitung tätig. Die Publizistik- und Politikwissenschaftsabsolventin der Uni Wien sieht es als ihre Aufgabe an, Bürgern komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge zu erklären und auch aufzuzeigen, was im Land schiefläuft.

Sebastian Reinhart
Investigative Recherche

Sebastian Reinhart hat Politikwissenschaft und Wirtschaftsrecht an der Universität Innsbruck studiert. Danach war er im Nationalrat als Referent für die Fachbereiche Finanzen, Budget, ESM und Europa verantwortlich. Seit dem Hypo-Untersuchungsausschuss sieht er Österreich mit anderen Augen.

x

Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Addendum ist nicht werbefinanziert und nutzt Cookies, um mehr über das Nutzerverhalten zu erfahren und so das Angebot zu verbessern.
Hier erfahren Sie mehr über Cookies und Datenschutz bei Addendum.

close

Artikel später lesen?

Wenn Sie eingeloggt sind, wird der aktuelle Lesestand automatisch gespeichert und Sie können später wieder dort einsteigen – auch auf einem anderen Gerät.

QVV Siegel

Zum Newsletter anmelden

Jede Woche informieren wir Sie über unser aktuelles Projekt mit tiefgründigen Recherchen.

Zum Newsletter angemeldet

Bitte bestätigen Sie die Newsletter-Anmeldung in Ihrer Mailbox.