Die Regierung zahlt für „intern erarbeitete“ Logos einen externen Designer

Die Regierung sagt, die neuen Logos des Bundes seien „mit hauseigenen Ressourcen“ erarbeitet worden. Das ist allerdings nur ein Teil der Geschichte: Wie Addendum erfahren hat, wird auch ein externer Designer daran verdienen.

18.05.2018

Update 24.7.2018: Aus der Antwort einer parlamentarischen Anfrage der NEOS geht hervor, dass sich die Kosten für die Logos auf 62.000 Euro für die Werknutzungsrechte und auf bis zu 8.000 Euro für „unterschiedliche Werkdienstleistung“ belaufen.

icon-bubble

Top Kommentar

Die Anfragebeantwortung

Beantwortung der Anfrage betreffend Kosten für die neuen Logos der Bundesregierung

Artikel zum Anhören

Es ist vielleicht nicht der größte, aber doch ein symbolträchtiger Schritt auf dem endlosen Weg der Verwaltungsreformen. Im Ministerrat hat die Regierung diese Woche eine einheitliche Markenstrategie, eine „Corporate Identity“ (CI), für den Bund beschlossen. Bis Ende 2018 (19 Jahre, nachdem Deutschland diesen Schritt gemacht hat übrigens) sollen die Republik und alle Ministerien nach außen mit einheitlichen Logos, Layout- und Gestaltungsregeln auftreten. Bisher hatten alle Ministerien ihr eigenes Design, das alle paar Jahre um viel Geld überarbeitet und neu eingeführt wurde.

icon-bubble

Top Kommentar

Die neue Corporate Identity der Ministerien

Das Ganze soll wohl auch als Geste der Sparsamkeit und Abgrenzung zu vorigen Regierungen dienen, Stichwort „Sparen im System“, weswegen die Regierung besonderen Wert darauf gelegt hat, dass diese Markenstrategie nicht teure externe Agenturen erarbeiten, sondern sie selbst. Auf die Frage, was denn diese neue CI gekostet habe, lautet das Wording, es sei „mit hauseigenen Ressourcen des Bundeskanzleramts“ erarbeitet worden, hier etwa von Regierungssprecher Peter Launsky-Tieffenthal:

icon-bubble

Top Kommentar

Der Haken: Was Launsky schreibt, ist zwar nicht falsch, aber eben auch nur ein Teil der Geschichte.

Ähnlichkeit mit Außenministeriums-Logos

Denn an diesen neuen Logos wird auch ein externer Designer verdienen, und das kam so: Wie Addendum erfahren hat, wurden tatsächlich im Bundeskanzleramt verschiedene Varianten der CI ausgearbeitet – und abschließend mit der Regierungsspitze entschieden, welches Design es wird, eben das oben genannte. Schlicht, zeitlos, wohl auch ein wenig inspiriert vom deutschen Vorbild, noch dazu, Symbolik, Symbolik, unter Verwendung der Schrift „Europa“.

icon-bubble

Top Kommentar

Mit in die Entscheidung einbezogen war allerdings auch die Finanzprokuratur, die Rechtsvertretung der Republik – und die hatte am Schluss Bedenken. Die neuen Logos würden doch recht große Ähnlichkeit zu jener CI aufweisen, die das Außenministerium 2014 (übrigens unter dem damaligen Minister Sebastian Kurz) angenommen hat. Eine Ähnlichkeit, die zumindest aus Laiensicht nicht ganz von der Hand zu weisen ist:

icon-bubble

Top Kommentar

Das bisherige Logo des Außenministeriums ...
... und das neue

Kurz: Die Prokuratur hatte Bedenken, dass der Designer, der 2014 die CI für das Außenministerium erarbeitet hatte, angesichts der neuen Bundes-Außenauftritts urheberrechtliche Ansprüche erheben könnte. Die seien zwar nicht eindeutig, aber die Bundesregierung wollte nicht das Risiko eingehen, mit ihrer neuen, sparsamen Linie in einen potenziell peinlichen Rechtsstreit gezogen zu werden.

Also kam die Regierung Kurz auf Thomas Feichtner zu – den Designer, der 2014 im Auftrag von Außenminister Kurz das Design erstellt hatte – und traf mit ihm eine Vereinbarung, um Rechtssicherheit zu schaffen.

icon-bubble

Top Kommentar

Wie viel Steuergeld fließt, bleibt im Dunkeln

Auf die Frage, was genau dieser Vertrag beinhaltet, heißt es aus dem Büro des Regierungssprechers: „Es gibt eine vertragliche Vereinbarung mit dem Büro Feichtner, wobei zur Höhe keine Auskunft gegeben werden kann.“ Neben Rechtssicherheit auf urheberrechtlicher Ebene seien darin auch andere Leistungen enthalten, aus vertraglichen Gründen dürfe man nichts darüber sagen, wie viel Steuergeld hier fließt.

Zur Orientierung: Unter den Posten „BMEIA/Zentrale: neues Logo, Drucksorten, Backdrops, Präsentationen, Roll-ups etc.“ sowie „Vertretungsbehörden weltweit: Umstellung auf neues Corporate Design, Logos in allen Sprachfassungen, Drucksorten, Präsentationen, Roll-ups etc.“ hat Feichtner 2014 in Summe 59.220 Euro vom Außenministerium für dessen neue CI erhalten, wie eine Anfragebeantwortung an die NEOS vom April 2015 zeigt.

icon-bubble

Top Kommentar

Addendum hat auch Feichtner nach der Ähnlichkeit seiner Arbeit von 2014 und dem aktuellen Regierungsdesign gefragt – und nach einer Abgeltung dafür. Leider hat sein Studio nicht auf unsere Frage geantwortet. Wenige Stunden nach der Addendum-Anfrage ist allerdings die Dokumentation seiner Arbeit für das „Foreign Ministry“, bis dahin unter unter dem Menüpunkt „Graphics“ abgelegt, von seiner Website verschwunden.

icon-bubble

Top Kommentar

Wie viel den Steuerzahler die Rechte an dem neuen Design kosten, bleibt also, Geste der Sparsamkeit hin oder her, vorerst im Verborgenen. „Es stehen jene Budgetposten zur Verfügung, die für vertragliche Leistungen vorgesehen sind“, heißt es aus Launskys Büro lapidar. 

icon-bubble

Top Kommentar

Das ganze Paket

Sie wollen unsere Inhalte verbreiten? Wir stellen Ihnen diesen Artikel mit seinen Elementen zur Verfügung.
Paket downloaden
download_icons

Inhaltspaket downloaden

Dieser Artikel und seine Inhalte können übernommen und verbreitet werden. Folgende Bedingungen sind dabei zu beachten:

  • Addendum als Quelle zitieren
  • Backlink zum ursprünglichen Artikel auf addendum.org setzen
  • Inhalte können nicht ohne Absprache mit Addendum verändert werden
  • Wird der gesamte Artikel veröffentlicht, muss ein Zählpixel eingebaut werden, Instruktionen dazu finden Sie in unseren Nutzungsbedingungen
  • Weitere Bilder können auf Anfrage an [email protected] beantragt werden

Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen zur Verwendung unserer Inhalte, welche Sie unter folgendem Link in ihrer aktuellen Form abrufen können: http://add.at/nbd

close

Vielen Dank!

Ihr Download ist nun bereit!

Addendum_a0022_News.zip
4 MB

Inhaltspaket anfordern

WhatsApp-Dienst abonnieren

Auf WhatsApp erhalten Sie regelmäßig Updates zu neuen Recherchen und Artikeln.

 

WhatsApp-Anmeldung abschließen

Wenn Sie sich zum ersten Mal für einen unserer WhatsApp-Dienste anmelden, erhalten Sie eine SMS von unserer Nummer. Um den Dienst zu aktivieren, speichern Sie die Nummer als Kontakt in Ihrem Smartphone und schicken Sie eine WhatsApp-Nachricht mit dem Text "AVE" an uns.

18.05.2018

Das Rechercheteam

Georg Renner
Team Recherche

Georg Renner hat Rechtswissenschaften studiert, weil er wissen wollte, wie Dinge (Staaten, Städte, die Gesellschaft …) funktionieren, was sie zusammenhält. Nachdem ihm dort kein Erfolg beschieden war, geht er dieser Frage nun journalistisch nach; zuvor bei „NZZ.at“ und „Die Presse“.

x

Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Addendum ist nicht werbefinanziert und nutzt Cookies, um mehr über das Nutzerverhalten zu erfahren und so das Angebot zu verbessern.
Hier erfahren Sie mehr über Cookies und Datenschutz bei Addendum.

QVV Siegel

Zum Newsletter anmelden

Jede Woche informieren wir Sie über unser aktuelles Projekt mit tiefgründigen Recherchen.

Zum Newsletter angemeldet

Bitte bestätigen Sie die Newsletter-Anmeldung in Ihrer Mailbox.