Wahl in Tirol: Strukturschwache Gemeinden sind der ÖVP treu

In den strukturschwächsten Gemeinden Tirols hätte die Volkspartei eine deutliche absolute Mehrheit. In strukturstarken Gemeinden hinkt sie dem Landesergebnis hinterher.

Daten
27.02.2018

Hohe Abwanderung, hohe Arbeitslosigkeit und niedriges Einkommen: Das wären drei beispielhafte Eckpunkte einer Gemeinde, die als strukturschwach gilt und in der sich viele Protestwähler sammeln. Oppositionsparteien müssten einen überdurchschnittlichen Stimmenanteil haben. Nicht so in Tirol: Hier hat die Volkspartei, die seit 1945 den Landeshauptmann stellt, bei der Landtagswahl am Sonntag einen Stimmenanteil von 64 Prozent. Das ist im Vergleich zum Landesergebnis ein Plus von 20 Prozentpunkten. In strukturstarken Gemeinden hat die Volkspartei unterdurchschnittliche 40 Prozent erreicht.

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Dieser Zusammenhang ist statistisch stark ausgeprägt. Je strukturschwächer eine Gemeinde, desto stärker war das Ergebnis der Volkspartei.

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Über den Index

Addendum hat für die Analyse der Ergebnisse der Landtagswahl einen Index aufgesetzt, der versucht, die Stärken oder Schwächen einer Gemeinde in Zahlen auszudrücken. Ziel ist, herauszufinden, ob sich das Wahlverhalten der Bevölkerung nach wirtschaftlichen und demografischen Potenzialen unterscheidet. Vorbild für diesen Index war eine Studie der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die Wissenschaftler haben in ihrer Studie einen multiplen Benachteiligungsindex für den Pinzgau in Salzburg errechnet. Dieser Index besteht in der Originalstudie aus 26 Indikatoren in sechs Bereichen. Addendum hat drei Bereiche (Einkommen & Wohnen, Beschäftigung, Bildung) daraus genau gleich gewählt und einen zusätzlichen Bereich (Abwanderung) hinzugefügt. Diese insgesamt vier Bereiche sollen ein Bild von der Situation in der Gemeinde liefern.

Die für die einzelnen Bereiche errechneten Werte werden bei gleicher Gewichtung in einem Index zusammengefasst. Dabei kann es dazukommen, dass sich Teilbereiche gegenseitig ausgleichen. Beispielsweise würde ein gutes Abschneiden im Bereich Bildung ein schlechtes Abschneiden im Bereich Beschäftigung aufheben.

Gemeinden mit weniger als 150 Einwohnern wurden aus der Analyse ausgenommen. Die jeweils zehn Prozent der Gemeinden, die die niedrigsten und höchsten Gesamtwerte aufweisen, flossen in die Analyse ein. Für das Jahr 2018 entfallen auf die strukturschwächsten zehn Prozent der Gemeinden etwa 17.000 Stimmen, auf die strukturstärksten etwa 28.000.

Um dieses Muster zu erklären, ist ein Blick auf die Lage der strukturschwachen und strukturstarken Gemeinden hilfreich. Für diese Analyse hat Addendum die je 28 strukturstärksten und -schwächsten Gemeinden herangezogen. Während wirtschaftliche, demografisch und bildungsspezifisch gut aufgestellte Gemeinden vor allem in der Inntalfurche zu finden sind, verteilen sich strukturschwächere Gemeinden auf das südwestliche Oberland und Osttirol.

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Im Oberland und in Osttirol sowie dem ländlichen Raum allgemein hat die Volkspartei eine Vormachtstellung. Wie ein Blick auf die Ergebnisse der Landtagswahl seit 1989 zeigt, ist ihr Stimmenanteil im Oberland und in Osttirol zwar gesunken, trotzdem verbleibt ein hoher Stimmenanteil.

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Die Volkspartei zehrt in diesen Gemeinden von ihrer jahrzehntelangen Substanz. In Gemeinden, die neue Einwohner anziehen und wachsen, ist diese Position schwächer. Dort haben Sozialdemokraten und Grüne eine größere Wählerschaft. Auch die Motivation, zur Urne zu gehen, ist höher: In strukturstarken Gemeinden ist die Wahlbeteiligung mit 65,4 Prozent höher als in strukturschwachen mit 60,3 Prozent. In beiden Fällen gibt es für die Landtagswahl 2023 noch Potenzial nach oben. 

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Korrektur: Wir haben das Oberland fälschlicherweise als Obertal bezeichnet. Wir bedauern den Fehler. 

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27.02.2018

Das Rechercheteam

Gerald Gartner
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Gerald Gartner kuratiert, analysiert und visualisiert große Datenmengen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen. Er lehrt an der Fachhochschule Wien. Davor war er für derStandard.at und NZZ.at in Wien tätig.

Markus „Fin“ Hametner
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Markus Hametner hat Informatik studiert, baut seit 2011 Brücken zwischen Technologie und Journalismus und beschäftigt sich seit 2014 als Datenjournalist mit internationalen Datenrecherchen und interaktiven Visualisierungsformen. In seiner Freizeit betreibt er als Mitgründer des Forum Informationsfreiheit die Plattform FragDenStaat.at und trägt erfolgreich Rechtsstreite mit Behörden aus, die Auskünfte verweigern.

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