Waldhäusl: Nunmehr gehört die Firma auch den Kindern

Der niederösterreichische Asyllandesrat ließ unmittelbar vor Weihnachten sein Family-Business neu ordnen. Damit wurde ein Firmenkonstrukt mit Zypern-Connection aufgelöst, das dem Berufspolitiker Kritik eingebracht hatte.

03.01.2019

Die beiden erwachsenen Kinder des niederösterreichischen Landesrats Gottfried Waldhäusl (FPÖ) durften sich über ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk freuen – einerseits von ihrem Vater, andererseits von einer Beratungsfirma aus Krems mit Zypern-Connection.

Am 21. Dezember 2018, dem letzten Tag vor den Weihnachtsferien, wurde laut Addendum-Recherchen eine grundlegende Neuordnung im Familiy-Business des blauen Landesrats ins Firmenbuch eingetragen: Die „Waldhäusl nunmehr GmbH & Co KG“, die nach einem kritischen Bericht im „Standard“ ins Gerede gekommen war, wurde schlicht in „Waldhäusl KG“ umgetauft. Die Beratungsfirma EURO-Consult GmbH, die bis dahin als unbeschränkt haftende Gesellschafterin mit der Geschäftsleitung betraut war, verschwand aus dieser Funktion. Sie gab ihren Gesellschaftsanteil an Waldhäusls erwachsene Tochter ab. Und der Landesrat selbst reduzierte seinen Firmenanteil als Kommanditist zugunsten seines – ebenfalls aus erster Ehe stammenden – Sohnes.

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Kostenlose Firmenanteile

Die Übertragung der Geschäftsanteile erfolgte jeweils unentgeltlich. Dem Landesrat ist es natürlich unbenommen, seinen Sohn zu beschenken. Dass andererseits zum selben Zeitpunkt ein Beratungsunternehmen der Tochter des Politikers kostenlos Firmenanteile unter den Weihnachtsbaum legte, wirft hingegen Fragen auf – vor allem jene, ob Waldhäusl in Wahrheit hinter dem EURO-Consult-Anteil stand und durch das Vorschieben eines Treuhänders ein Berufsverbot bzw. eine Meldepflicht als Landesrat verletzt hat.

Die Änderungen im Firmenbuch waren am 19. Dezember beantragt worden. An diesem Tag erschien ein NÖN-Artikel mit interessanten Aussagen Waldhäusls: Darin kündigte der Landesrat an, 2019 eines seiner Kinder als Geschäftsführer bei der Firma einsetzen zu wollen. Hier stellt sich die Frage, wie Waldhäusl darüber bestimmen kann, wenn er nicht die Kontrolle über den EURO-Consult-Anteil hätte. Dass EURO-Consult den Anteil dann tatsächlich verschenkte, anstatt ihn zu verkaufen, könnte zusätzlich auf einen familiären Nahebezug hindeuten. Und außerdem erklärte Waldhäusl laut NÖN, dass er die Firma eventuell für die Zeit nach der Politik wieder brauchen werde.

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Verbindungen zu Zypern

Wird durch die Konstruktion – zuerst durch die Beratungsfirma, dann durch die Kinder – ein tatsächlicher Einfluss Waldhäusls auf die Geschäfte der Firma verschleiert? Der Waldhäusl KG gehört unter anderem das von der Frau des Landesrats betriebene Gasthaus „Goldener Hirsch“ in Waidhofen an der Thaya (siehe Bild oben). Addendum fragte Waldhäusl, ob seine Kinder für ihn als Treuhänder agieren würden und ob die EURO-Consult bisher als Treuhänderin für ihn agiert habe. Waldhäusls Büro ließ die Anfrage vom 2. Jänner 2019 bisher unbeantwortet.

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Hinter der EURO-Consult GmbH steht zu 49 Prozent der frühere FPÖ-Nationalratsabgeordnete Erich Schreiner. 13 Prozent der Anteile gehören jedoch einer Firma namens „Spinwood Trading & Consulting“ auf Zypern. Diese bietet gezielt auch österreichischen Kunden die Gründung von Firmen im Niedrigsteuerland Zypern an. Der Sitz der Spinwood befindet sich über einer Zahnklinik in Limassol. Die Anteilsverschiebungen bei der „Waldhäusl KG“ knapp vor Weihnachten zeigen, dass die Kritik an der originellen Firmenkonstruktion offensichtlich einen Nerv getroffen hat.  

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Rainer Fleckl will den Dingen auf den Grund gehen. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und startete seine ersten investigativen Recherchen im Sportressort des „Kurier“, dessen Leitung er 2008 übernahm. 2010 wurde er mit dem Aufbau einer Rechercheabteilung betraut. Vor seinem Engagement bei Quo Vadis Veritas war Fleckl als Bereichsleiter bei ServusTV und in der Chefredaktion von „News“ tätig.

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