„Wir kriegen Aufträge von Waldhäusl Ende nie“

In der Affäre um den niederösterreichischen Asyllandesrat und die Sicherheitsfirma NSA meldet sich nun der Subauftragnehmer zu Wort, über den die Kickback-Zahlungen organisiert werden sollten.

12.12.2018

Gottfried Waldhäusl betont immer wieder, er habe sich nichts vorzuwerfen. Und dennoch verstricken sich der niederösterreichische Landesrat und seine Mitarbeiter in einen Widerspruch. Am 6. Dezember hieß es seitens seines Büros noch, die ins Zwielicht geratene Sicherheitsfirma National Security Austria, kurz: NSA, werde für zwei vom Amt der niederösterreichischen Landesregierung erteilte Aufträge nur etwa rund 50.000 Euro erhalten (Addendum berichtete). Am 7. Dezember wurde via Bezirksblätter öffentlich, dass das Land Niederösterreich – im Auftrag von Waldhäusl – zumindest drei Projekte mit der NSA abwickeln wollte – und zwar mit einem Kostenrahmen von bis zu 155.000 Euro.

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NSA-Sicherheitspersonal im Asylquartier

Interessant ist ein weiteres Detail, das in der Causa Waldhäusl – NSA noch eine bedeutende Rolle spielen könnte: Herbert Eder, einer der größten Asylquartierbetreiber des Landes, lässt sein größtes Quartier in Lilienfeld rund um die Uhr von zwei Security-Mitarbeitern der NSA bewachen. Firmenchef Eder bemühte sich zuletzt, gegenüber Addendum Folgendes klarzustellen: Das Sicherheitskonzept für seine Unterkunft in Lilienfeld sei „vom Land Niederösterreich gewünscht“ worden; und von den beiden Sicherheitskräften, die 24 Stunden Wache schieben, werde einer „zur Gänze“ vom Land bezahlt, der andere „zu 50 Prozent“. Zum Büro Waldhäusl habe er, Eder, keinen Kontakt, der Auftrag sei von der Asylkoordinationsstelle gekommen. Die NSA-Anwälte bleiben dabei: Es handle sich bei Lilienfeld um den Auftrag des privaten Quartiergebers, der Vertrag laufe mit Ende Dezember aus.

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Firmengeflecht mit Zypern-Verbindung

Derweilen erhebt ein Subauftragnehmer der NSA, über den Kickback-Zahlungen orchestriert werden sollten, nun auch vor laufender Kamera schwere Vorwürfe (siehe Video oben). Der Zeuge wandte sich unmittelbar nach dem mutmaßlichen Versuch, auf dubiose Art und Weise Schwarzgeld zu produzieren, an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Aufgrund seiner Angaben ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft nunmehr. Im Video-Interview hat der Zeuge Addendum den Sachverhalt geschildert, den er der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft erzählt hat und der zur Einleitung der Ermittlungstätigkeit der Staatsanwaltschaft geführt hat.

Das Büro Waldhäusl ließ Anfragen von Addendum zuletzt unbeantwortet. Für alle Genannten gilt selbstredend die Unschuldsvermutung. Nicht nur in dieser Causa gibt sich Waldhäusl schweigsam: Zu einem Firmengeflecht mit Beteiligung in Zypern, über das der Standard berichtet, will sich der Politiker ebenfalls nicht äußern. 

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Rainer Fleckl will den Dingen auf den Grund gehen. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und startete seine ersten investigativen Recherchen im Sportressort des „Kurier“, dessen Leitung er 2008 übernahm. 2010 wurde er mit dem Aufbau einer Rechercheabteilung betraut. Vor seinem Engagement bei Quo Vadis Veritas war Fleckl als Bereichsleiter bei ServusTV und in der Chefredaktion von „News“ tätig.

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ist seit einem Vierteljahrhundert Journalist. Stationen: „Kleine Zeitung“, „Der Standard“, „Die Presse“ (Chefredakteur 2004 bis 2012), NZZ.at. Seit 2014 Moderator des „Talk im Hangar-7“ auf ServusTV, Gründungsmitglied von QVV. Mehrere Buchveröffentlichungen, zuletzt „Die Zeitung. Ein Nachruf“ (2014).

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Elisabeth Oberndorfer startete ihre journalistische Karriere in der Innenpolitik-Redaktion von derStandard.at und war unter anderem stellvertretende Chefredakteurin des Medienwirtschaft Verlags. 2013 ging sie als freie Korrespondentin nach San Francisco. Für Gründerszene, Wired Germany, NZZ.at und andere deutschsprachige Medien berichtete sie über Wirtschaft, Technologie und Silicon Valley. Während ihrer Zeit in Kalifornien gründete das Online-Magazin Fillmore.at. Bei Addendum verantwortet sie als Chefin vom Dienst die Plattform.

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