Was Corona von SARS und der Grippe unterscheidet

Coronavirus, Influenza und Erinnerungen an SARS und MERS. Die Coronaepidemie bewegt China und die Welt. Was verbindet diese Erreger, und warum sind einige von ihnen gefährlicher als andere?

07.02.2020
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Das neue Coronavirus breitet sich seit 31. Dezember 2019 in der chinesischen Region Wuhan rapide aus und dominiert seitdem die Schlagzeilen. In China wurden bisher über 2.400 Tote vermeldet, im Rest der Welt 17. Die WHO hat weltweit eine medizinische Ausnahmesituation ausgerufen, die stark an SARS, MERS oder die Schweinegrippe erinnert. Aber kann das neue Coronavirus sich genauso schnell verbreiten? Und wie tödlich waren diese Krankheiten?

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Das Corona- und das Grippevirus haben viele Ähnlichkeiten: Beide führen häufig zu Lungenentzündungen. Bevor Covid-19 entdeckt wurde, wurde bei betroffenen Personen zuerst eine virale Lungenentzündung mit unbekannter Ursache vermeldet. Beide Viren  befallen Tiere und gehen unter gewissen Umständen auf Menschen über. Das kann über Tröpfcheninfektion, den Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder den Verzehr von Fleisch erfolgen, ebenso wie bei der Vogelgrippe und der Schweinegrippe in den Jahren 2003 und 2009. Auch das SARS-Virus 2002, das MERS-Virus 2012 und Covid-19-Virus übertrugen sich zuerst von Tieren auf den Menschen. SARS sprang damals vermutlich von Fledermäusen auf die Menschen über, das MERS-Virus war vor der Übertragung auf den Menschen eine bei Dromedaren verbreitete Krankheit.

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Zoonosen – wenn Tiere Menschen anstecken

Zoonosen sind Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden. Die eigentlichen Krankheitserreger können Prionen, Viren, Bakterien, Pilze und weitere Lebensformen sein. Grundsätzlich gibt es keinen Unterschied, ob die Krankheit vom Tier auf den Mensch oder umgekehrt übertragen wird, einige Krankheiten sind auch in beide Richtungen übertragbar.

Viele Epidemien entstehen beim erstmaligen Überspringen von Tieren auf Menschen, so geschehen bei Vogel- und Schweinegrippe oder den diversen Coronaepidemien. Nur wenige Krankheiten bleiben lange im öffentlichen Bewusstsein, die meisten reihen sich einfach in die Liste möglicher regionaler Erkrankungen ein. So befürchtet beispielsweise bei Ebola oder MERS niemand mehr eine weltweite Epidemie, obwohl es in einigen Regionen der Welt gibt es wegen dieser Krankheiten laut WHO einen medizinischen Notstand gibt.

SARS steht für Severe Acute Respiratory Syndrome, ist also eine virale Atemwegserkrankung, die ebenfalls über eine Art von Coronaviren übertragen wird.

MERS ist eine Abkürzung für Middle East Respiratory Syndrome, ebenfalls eine durch Coronaviren übertragene Atemwegserkrankung

Das Virus, das Covid-19 auslöst, heißt offiziell SARS-CoV-2. Zur einfacheren Lesbarkeit wird im Text immer nur die Krankheit erwähnt, da die verschiedenen Namen sonst zu Verwirrung führen könnten.

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SARS: Zwei Jahre Epidemie

An diesen Krankheiten sieht man auch, wie rasch die öffentliche Aufmerksamkeit verschwindet. Im Fall von SARS war dies berechtigt. Es wurde Ende 2002 in der chinesischen Provinz Guangdong erstmals festgestellt, davor war das Virus gänzlich unbekannt. Die Krankheit verbreitete sich über Tröpfcheninfektionen rasch, es erkrankten 8.096 Menschen an dem Virus, 1.014 davon außerhalb Chinas und Hongkongs. Insgesamt starben 774 Menschen daran, das waren knapp unter 10 Prozent der erkrankten Personen. Seit Mitte 2003 wurden keine Erkrankungen mehr festgestellt, 2004 wurde der Gesundheitsnotstand für beendet erklärt. In Österreich wurde damals trotz täglicher Berichterstattung zu SARS kein einziger Verdachtsfall gemeldet.

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Eine Übertragung über kleine Partikel in der Luft ist also möglich.

Anders als bei der SARS-Epidemie wurde die von Covid-19 betroffene Region in China sehr schnell isoliert, wodurch eine weitere Ausbreitung unwahrscheinlicher wird. Abseits davon zeigt es bisher einen ähnlichen Verbreitungsverlauf. Erkrankte sind laut WHO-Berichten zumeist Personen, die kürzlich in der Region Wuhan in China waren oder Kontakt mit solchen Personen hatten. Die WHO hält es nach wie vor für möglich, eine weltweite Verbreitung des Virus zu stoppen, sofern Verdachtsfälle rasch isoliert werden – was aktuell weltweit der Fall ist.

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MERS: Epidemie ohne Ende

Kann das Virus nicht ausgerottet werden, ist eine Entwicklung wie bei MERS möglich. MERS ist wie SARS eine Erkrankung, die durch Coronaviren übertragen wird, auch sie sprang von Tieren auf Menschen über. 2012 war das Virus entdeckt worden, es kam außerhalb der arabischen Halbinsel nur vereinzelt zu Fällen. Seit Entdeckung des Virus waren 2.494 Menschen erkrankt, 858 von ihnen starben an der Krankheit. Im Gegensatz zu SARS ist das Virus aber nicht verschwunden, auch im Jahr 2019 wurden noch 151 Neuerkrankungen gemeldet. Auch MERS kann mittel Tröpfcheninfektion übertragen werden, von Mensch zu Mensch ist das aber nur selten der Fall.

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Grippe – jedes Jahr eine neue Gefahr

Genauso wie MERS ist die Grippe (Influenza) eine Krankheit, die es immer gibt und die als Pandemie ebenso unzählige Leben kosten kann. So gab es durch die die Spanische Grippe 1918 (ein H1N1-Virus) laut der amerikanischen Seuchenbehörde CDC rund 50 Millionen Tote. Sie gilt bis heute als eine der schwerwiegendsten Pandemien, durch den laufenden Weltkrieg und den dadurch schlechten Gesundheitszustand der Weltbevölkerung konnte sie sich weltweit relativ ungehindert verbreiten. Auch die Asiatische Grippe (H2N2), die 1957 grassierte, und die Hongkong-Grippe (H3N2), die im Jahr 1968 wütete, hatten jeweils rund eine Million Tote zur Folge.

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Influenzaviren verbreiten sich jedes Jahr aufs Neue, weil sie sich permanent verändern. Jedes Jahr gibt es mehrere Abwandlungen der Krankheit, die gleichzeitig auftreten. Deshalb ist die Grippeimpfung umstritten. Es wird jährlich abgeschätzt, welche Viren am meisten verbreitet sein werden, und gegen diese wird geimpft. Damit die Wirksamkeit der Impfung erhöht wird, sind üblicherweise Wirkstoffe gegen bis zu vier Stränge (meist zwei Influenza-A-Viren und ein bis zwei B-Viren) in einer Impfung enthalten.

Prävention ist schwierig, weil die Grippesaison jedes Jahr anders abläuft; außerdem ist die Durchimpfungsrate in der Bevölkerung gering. Die Anzahl der Grippetoten stieg in den vergangenen Jahren rapide an.

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Eine genaue Ursache dafür ist nicht bekannt. Bei Detailbetrachtung zeigt sich aber, dass die Anzahl der Gestorbenen in den Alterskategorien über 70 Jahren besonders stark angestiegen ist. Das kann zu Zweifeln an der korrekten Erfassung der Todesursache führen, weil Vorerkrankungen und damit eine höhere Anfälligkeit bei älteren Menschen häufig sind.

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Starke Unterschiede bei der Mortalität

An der Grippe sind im Jahr 2018 8,7 Prozent der in Österreich erkrankten Personen gestorben. Noch 2016 lag dieser Anteil bei 3,6 Prozent. Der steigende Anteil der Grippetoten führt dazu, dass die Grippe 2018 fast so tödlich war wie SARS. MERS oder die Vogelgrippe, die sich weiterentwickeln und permanent ein gesundheitliches Risiko darstellen, töteten bisher allerdings mehr Patienten als andere KrankheitenEine erste Untersuchung des Virus ergab Anfang Jänner eine Mortalitätsrate von 15 Prozent. Bis diese endgültig berechnet werden kann, wird es aber wohl noch einige Zeit dauern. Schließlich weiß man noch nicht genau, wie Covid-19 übertragen wird und erste eindeutige Statistiken können erst erstellt werden, wenn die erste Infektionswelle sozusagen vorbei ist. 

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Der Artikel wurde am 24. Februar um 11:30 Uhr aktualisiert.

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07.02.2020

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Die Autorin

Stefanie Braunisch

Stefanie Braunisch ist neugierig. Während des Journalismusstudiums an der FH Wien hat sie begonnen, im Kulturbereich journalistische Erfahrungen zu sammeln, dann hat die Neugierde doch gewonnen. In Folge hat sie zwei Jahre bei Dossier gearbeitet und versucht, alles mögliche über den Staat, Funktionsweisen und vor allem Steuergeldverschwendung herauszufinden. Jetzt ist sie investigativ für Addendum unterwegs.

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