Zauberwasser auf Kosten der Steuerzahler

Ein Wiener Installateur lässt sich von den alten Indern und von einem UFO-Erfinder aus dem Dritten Reich inspirieren. Er entwickelt ein Rohr, das Leitungswasser „aktivieren“ soll. Studien zur angeblichen Wirkung sind zum Teil Schülerarbeiten. Dennoch griffen viele zu – zum Beispiel Altersheime, soziale Wohnbauträger und eine Nationalbank-Tochter.

29.03.2018
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Energie-Schutzringe um einen Krankenhaus-Neubau, geförderte Wünschelrutengeher, Granderwasser für die Lipizzaner: Österreich ist reich an Beispielen dafür, dass der Esoterik-Trip auch die öffentliche Hand erfasst hat. Ein besonders sensibles Thema in der Welt der  – schwer bis gar nicht erklärbaren – angeblichen Naturphänomene ist die „Energetisierung“ von Leitungswasser. Unbestritten ist nur, dass man dafür eine Menge Geld ausgeben kann. Wie sich nun zeigt, auch jenes der Steuerzahler und argloser Bewohner von Genossenschaftshäusern.

Ein Beispiel dafür ist Helmut E., einst Mieter in einer südlich von Wien gelegenen Wohnanlage der gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft „Austria“, die zur NÖ Wohnbaugruppe gehört. Als er seinerzeit einen Blick auf die Jahresabrechnung für das Jahr 2008 wirft, wundert er sich. In Wasserversorgung und -aufbereitung waren augenscheinlich insgesamt 18.850 Euro investiert worden. Helmut E. geht der Sache nach: Wie sich herausstellt, war ein „Wasseraktivierer“ der Marke „Narasan“ installiert worden.

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Abrechnung der Austria AG (Screenshot)

Der Sohn der Landesrätin

Der Mieter vermutet teure Esoterik und beschwert sich – bis hinauf zum Vorstand. Die NÖ Wohnbaugruppe gilt als ÖVP-nahe. Aufsichtsratschef ist seit kurzem Christoph Herbst, Verfassungsrichter und ein langjähriger Vertrauensanwalt der schwarzen Landesspitze. Im Jahr 2009, als Helmut E. sich wegen der Kosten für den „Wasseraktivierer“ echauffiert, ist einer der Vorstände der „Austria“ der Sohn einer langjährigen ÖVP-Landesrätin.

Von diesem Vorstand erhält der Mieter ein Antwortmail, das mit einer spannenden Einschätzung beginnt: „Bezugnehmend auf Ihr Schreiben vom 17.08.2009 bestätigen wir gerne Ihren berechtigten Einwand und Zweifel, denn von derzeit ca. 200 europäischen Herstellern physikalischen Aufbereitungsgeräten (sic!) haben max. 10 % eine physikalische Wirkung“, heißt es in dem E-Mail vom 27. August 2009, das Addendum vorliegt. Der Vorstand der gemeinnützigen Wohnbaufirma gibt sich aber zuversichtlich, die richtige Wahl getroffen zu haben: Schließlich forsche die Firma „Living Water Systems“ (LWS) „seit über 32 Jahren“, und es seien seit dem Jahr 2000 „rund 10.000 Narasan-Geräte“ international eingebaut worden.

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Narasan „Wasseraktivierer“ in der Wohnhausanlage von Helmut E.

Der Vorstand der Wohnbaufirma verweist in seinem Mail auf angebliche Wirksamkeitsstudien „namhafter Institute“, darunter auch das TGM Wien – eine Technik-Schule samt Versuchsanstalt – und die „HTL Hollabrunn“. Er schreibt: „Dass unsere Entscheidung für diese Geräte nicht falsch war, sieht man auch aufgrund der Tatsache, dass viele namhafte Institutionen bzw. Firmen wie z.B. die Österr. Nationalbank, IG-Immobilien, R. in Wien, A. Krems sowie alle Altenheime der Stadt Wien dieses Produkt verwenden.“

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Zwei Firmen, ähnliche Produkte

R. und A. sind Privatunternehmen. Was sie mit ihrem Geld tun, ist ihre Sache, solange Dritte dadurch nicht zu Schaden kommen. Aber die Oesterreichische Nationalbank (OeNB), die der Nationalbank gehörende IG Immobilien und die Altersheime der Stadt Wien? Addendum hat den spannenden Hinweis in dem E-Mail zum Anlass genommen, einen genaueren Blick auf die Internetseiten der Unternehmen zu werfen, die die „Wasseraktivierer“ herstellen und verkaufen. 

Es handelt sich nicht nur um die erwähnte „Living Water Systems“ (LWS). Es gibt auch noch eine zweite Firma, die augenscheinlich ein ähnliches Produkt anbietet: die „Living W.E.M. Systems-Wassertechnik“. Johannes B., Inhaber der W.E.M., war – eigenen Angaben zufolge – früher Vertriebspartner der LWS. „Nach 2007 gingen LWS Wien und ich getrennte Wege und ich machte meine eigene Wasseraktivierung, Living WEM Water.“ Inwieweit sich das Gerät der W.E.M. vom „Narasan“-Rohr unterscheidet, ist unklar. Johannes B. verweist auf „Produktgeheimnisse“. Es dürfte jedoch eine Menge Gemeinsamkeiten geben. Schließlich werden die jeweiligen Produkte – lediglich mit unterschiedlichen Markennamen – wortgleich auf den jeweiligen Internetseiten beschrieben. 

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Installateur und Energetisierer

Die Geschichte von „Narasan“ beginnt mit Gerhard V., Installateur in zweiter Generation in der Wiener Leopoldstadt. In einer Selbstbeschreibung im Internet heißt es: „Zwischen 1990 und 1999 studierte ich Wasserenergetisierung in China, Indien und Bhutan, sowie die Technik der alten Ägypter zur Wasserkeimstabilisierung. Anschließend absolvierte ich in Florida eine Ausbildung im Bereich Environment Biotechnology. 2000 gründete ich die Firma LWS für Wasserreinigung und -energetisierung und betrieb in den folgenden Jahren zahlreiche naturwissenschaftliche Studien über physikalische und physiologische Veränderungen des Trinkwassers ohne Chemie.“

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So stellt die Firma LWS das vermeintliche Energiefeld ihres Produktes dar

Herausgekommen ist das Gerät „Narasan“. Dieses besteht aus einem Nirosta-Stahlrohr, das von einem Gehäuse mit ayurvedischen Ölen umgeben ist. Das Wasser kommt niemals in Berührung mit den Ölen. Diese sollen – so die Firma LWS auf ihrer Internetseite – als „Schwingungs- und Informationsträger“ im vorbeifließenden Wasser „Störinformationen“ löschen. Die „Technologie“ basiere auf „Jahrtausende alte[m] Wissen der Wassermeister alter Kulturen“ und auf „den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen von Viktor Schauberger“ und sei von mehreren „unabhängigen Labors“, und zahlreichen Experten in ihrer Wirkungsweise nachgewiesen. Verwiesen wird auch auf indische Ayurveda-Studien. Die Internetseite www.lws.at wurde übrigens offline genommen, nachdem Addendum eine umfangreiche Anfrage an die Firma gerichtet hatte. Wir haben vorher ein Backup der Seite veranlasst.

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Der Mann hinter dem Nazi-UFO

Was hat es mit Viktor Schauberger auf sich, auf dessen Erkenntnisse sich „Narasan“ stützt? Selbst eine simple Recherche auf Wikipedia ergibt bereits, dass der Förster aus dem Mühlviertel als pseudowissenschaftlicher Forscher für die Nationalsozialisten tätig war und Gefangene aus dem KZ Mauthausen beschäftigte. Ein weiterer Klick zeigt, dass Schauberger angeblich die sogenannte „Reichsflugscheibe“ erfunden haben soll, um die sich einige rechtsextreme Verschwörungstheorien ranken. Mit anderen Worten: Der 1958 verstorbene Oberösterreicher soll im Dritten Reich an einer fliegenden Untertasse geforscht haben.

Das muss natürlich nicht heißen, dass der Erfinder beim Thema Wasser falsch gelegen ist. Schließlich gibt es ja angeblich Studien von TGM und HTL Hollabrunn, die laut dem damaligen Vorstand der niederösterreichischen Wohnungsgesellschaft „Austria“ die Wirksamkeit von „Narasan“ belegen sollen. Addendum hat mit TGM-Direktor Karl Reischer gesprochen. Dieser distanziert sich nachdrücklich von den angeblichen Studien: Ein Professor des TGM habe sich „rein privat“ mit Wasserenergetisierung beschäftigt. Die Verknüpfung dieser „privaten Aktivitäten“ mit dem Schullogo habe er dem Professor bereits vor sieben bis acht Jahren untersagt. „Das TGM hat niemals die Wirksamkeit dieser Geräte überprüft.“

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Schulen distanzieren sich

Auch der frühere Direktor der HTL für Lebensmitteltechnologie Hollabrunn, Manfred Winkler, hat bereits 2009 – in einem E-Mail an den Mieter Helmut E., das Addendum vorliegt – darauf verwiesen, dass es sich lediglich um eine Diplomarbeit gehandelt habe: „Sinn solcher Arbeiten ist es, Schülern (sic!) an anwendungsorientierten Problemstellungen lernen zu lassen. Bei dieser Arbeit handelte es sich um keine Untersuchung bzw. Aussage im Sinne einer Untersuchungsanstalt (…).“ Es sei „völlig unzulässig, dass die Firma mit unseren Untersuchungen wirbt oder unsere Ergebnisse dazu verwendet, dem Produkt Eigenschaften zuzuordnen, die niemals bestätigt oder ermittelt wurden“.

Tatsächlich befand sich die Diplomarbeit mit dem Titel „Einfluss der energetischen Wasserbehandlung auf Prozessparameter bei der Rohsalatproduktion“ zu Beginn der Addendum-Recherchen auf der Internetseite der Firma LWS – noch Jahre nach der Klarstellung des HTL-Direktors. Gleiches gilt für angebliche Studien des TGM.

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Jahrelang Geräte eingebaut

Wie ging es bei Helmut E. aus Perchtoldsdorf weiter, nachdem ihm sein Hauseigentümer 2009 erklärt hatte, dass mit „Narasan“ eigentlich alles bestens wäre? Einen Monat später erreichte den Mieter erneut ein E-Mail des Vorstands der Wohnungsgesellschaft „Austria“. Darin hieß es lapidar: „Wir haben zwischenzeitig den Ausbau der Geräte veranlasst und die Gutschrift wird in den nächsten Tagen erfolgen.“

War damit das Thema „Wasseraktivierung“ in der NÖ Wohnbaugruppe insgesamt vom Tisch? Beileibe nicht. Bis zuletzt wurden derartige Geräte gekauft. Geschäftsführer Walter Mayr erklärt auf Anfrage: „Vor mehr als 10 Jahren wurden von der Wohnungseigentümer GmbH und AUSTRIA AG Systeme zur Vorbeugung der Vermeidung (sic!) von Verkalkung von Wasserleitungen getestet. Entsprechend dem technischen und wirtschaftlichen Vergleich wurde von der damaligen Geschäftsführung entschieden, die Geräte der Fa. LWS Living Water Systems, und später von der Firma Living W.E.M. Water einzusetzen. Die damalige Prüfung hatte ergeben, dass die Investitionsinstandhaltungs- und Wartungskosten (sic!) einer Standard-Salzentkalkungsanlage zu einer höheren Kostenbelastung im Vergleich zu den Wassergeräten führen. Die Geräte wurden in Objekten mittels Einzelaufträgen installiert. Ein verpflichtender Generalvertrag zur Abnahme von Geräten hat nicht bestanden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurde eine geringe Anzahl von Geräte in Neubauobjekten installiert.“

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Vorstand war Privatkunde

Wie viele Geräte zu welchen Kosten von der NÖ Wohnbaugruppe insgesamt angeschafft wurden, ließ Geschäftsführer Mayr auf Anfrage von Addendum offen. Früher war auf der Internetseite der W.E.M. jedoch von mehr als 600 bereits installierten Geräten bei den zur NÖ Wohnbaugruppe gehörenden Firmen WET und Austria AG die Rede. Als Direktor war hier der erwähnte Sohn der früheren ÖVP-Landesrätin angegeben. Dieser scheint in einem W.E.M-Folder übrigens als Privatkunde auf. W.E.M-Inhaber Johannes B. erklärt auf Anfrage, der Ex-Chef der Wohnbaufirmen habe für das Gerät bezahlt.

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Eintrag auf der Homepage der W.E.M. im Jahr 2012

Keine Berührungsängste hat man bei der NÖ Wohnbaugruppe damit, dass die W.E.M. ihren Firmensitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat. „Auch wenn der Hersteller seinen Firmensitz im Ausland angemeldet hat, werden die Geräte in Leobersdorf in Niederösterreich hergestellt“, schreibt Geschäftsführer Mayr. Die Geschäftsabwicklung erfolge über einen niederösterreichischen Vertriebspartner, und als Gerichtsstand sei das Bezirksgericht Mödling vereinbart worden.

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Landesdienst befürwortet Feng Shui

Mieter Helmut E. informierte seinerzeit zahlreiche Stellen bis hinauf zum damaligen Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) über die Angelegenheit. E. war auch zu Ohren gekommen, der damalige Landesrat Wolfgang Sobotka würde an einer Verordnung arbeiten, die es gemeinnützigen und mit Landesmitteln geförderten Wohnbaufirmen künftig untersage, Esoterik-Produkte anzuschaffen, für die es keinen Wirkungsnachweis gibt.

Addendum fragte beim Land Niederösterreich nach. Klaus Wagensommerer von der Abteilung Wohnungsförderung teilte daraufhin mit, dass Esoterikprodukte nicht förderwürdig seien. „Es gibt dafür weder Förderungen noch Haftungsübernahmen.“ Es habe niemals eine Diskussion über eine derartige Verordnung gegeben, meint Wagensommerer. Er ist der Meinung, dass es auch in Zukunft eine derartige Verordnung nicht geben werde, da „im Landesdienst sogar Wohlfühlmaßnahmen wie u.a. Feng-Shui befürwortet werden“.

Aufgeschlossenheit in Bezug auf „Wasseraktivierung“ legte man jedoch nicht nur in Niederösterreich an den Tag. Auch in Wien baute man auf das Zauberrohr aus der Leopoldstadt – auf Kosten der Steuerzahler.

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Energiewasser im Prana-Blindtest

Dieser Teil der Geschichte beginnt im Jahr 2003. Die damalige Direktorin eines Seniorenheims, das zum Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser gehört, verfasst einen „Erfahrungsbericht“, mit dem daraufhin Werbung für „Narasan“ betrieben wird. In dem Schreiben, das Addendum vorliegt, heißt es:

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Entscheidungen über einen Kauf von einer derartigen Tragweite treffen wir in unserem Haus nur im Team. Dieses Team war auch hier anwesend. Wir konnten in einem Blindversuch mit normalem Wiener Leitungswasser den Unterschied des Trinkwassers vor und nach der Energetisierung schmecken.

Die in unserem Haus tätige dipl. Ergotherapeutin Karin S. verfügt auch über eine Ausbildung zur Prana-Heilpraktikerin. Mit diesem ganzheitlichen Wissen unterstützt sie täglich das Wohlbefinden unserer BewohnerInnen. Wir holten sie „zu unserer Sicherheit“ zur Beurteilung des „energetisierten Wassers“ hinzu. Sie stellte im Blindproben-Verfahren sofort die Geschmacksverbesserung und den hohen Energiegehalt des Wassers fest. Es folgte anschließend der Einbau eines 3-Zoll-Gerätes. (Juni 2002)

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Unsere Hauskatze trinkt statt Milch nur mehr Wasser.

Unser technischen (sic!) Hausbetreuer tat dies vorerst als Hokuspokus ab. Bei der nach dem Einbau durchgeführten Abnahme stellten sich dem Techniker in der Nähe des eingebauten Gerätes die Arm- und Nackenhaare auf und unsere Prana Heilpraktikerin Karin S. war von der hohen, positiv abstrahlenden Energie des Gerätes begeistert. Da diese Beobachtungen als subjektiv zu betrachten waren, warteten wir nun die zugesagten praktischen und physikalischen Effekte ab.

(…)

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Auszug aus dem Erfahrungsbericht der Seniorenheim-Chefin

Die Stadträtin schob den Riegel vor …

Weniger überzeugt war wohl die frühere Stadträtin für Gesundheit und Soziales, Sonja Wehsely (SPÖ). In der Beantwortung einer Anfrage an die damalige Grüne Gemeinderätin Sigrid Pilz im Juli 2008 zur Firma LWS erklärte sie:

Es war weder dem Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser (KWP) noch mir bekannt, dass die Firma L.W.S. Living Water Systems Wassertechnik GmbH mit einer Untersuchung der Magistratsabteilung 15 (MA 15) für ihr Produkt wirbt. Von der mittlerweile pensionierten Direktorin des Hauses Trazerberg, Frau Elisabeth W., wurde ein Schreiben – sie nannte es „Erfahrungsbericht“ – an die Firma L.W.S. Living Water Systems Wassertechnik GmbH verfasst. Dieser Brief ist dem KWP bekannt, in weiterer Folge wurde offenbar der Brief von der Firma L.W.S. Wassertechnik GmbH ohne Wissen und Zustimmung des KWP für Werbezwecke genützt. Frau W. wurde damals von der Geschäftsführung aufgefordert, das Versenden derartiger Schreiben zu unterlassen.

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… später machte man trotzdem weiter

Das klingt nach einer scharfen Zurechtweisung. Doch ein paar Jahre später sind die Wasseraktivierer erneut in Wiener Pensionistenheimen unterwegs. Auf der Internetseite der W.E.M. findet sich eine PDF-Datei mit dem Namen: „Referenz KWP, Stadt Wien“. Dabei handelt es sich um einen mit dem Logo der „Häuser zum Leben – Stadt Wien“ versehenen „Testbericht“. Darin heißt es:

Die Firma W.E.M. (Living Water) machte dem KWP das Angebot, einen Test zur Veränderung der Oberflächenspannung des Wassers in einem ihrer Häuser durchzuführen. Das Gerät der Firma W.E.M. bewirkt nicht eine Reduktion der Härtegrade, der Kalk wird nicht entfernt, sondern von Kalzit in Aragonit umgewandelt und daraus ergibt sich ein geringerer Chemieverbrauch bei den Spülmaschinen bei gleichwertiger Reinigungsleistung. Wie auch bei den Kaffeemaschinen ein geringerer Kaffeeverbrauch bei gleichbleibender Qualität ersichtlich ist.

Hr. S. informiert Hrn. Direktor M. bei einem persönlichen Gespräch am 09. Dezember 2014 im Haus Tamariske über den Einbau am 10. Februar 2015 an der Bandspülmaschine in der Küche und an der Kaffeemaschine in der Teeküche im Haus Tamariske.

WLAN irritiert Geschirrspüler

Offenbar wird bei diesem mehrmonatigen Test alles penibel dokumentiert. Wie sensibel das Nirosta-Rohr samt Ayurvedaöl-Edelmetall-Kapsel auf äußere Einflüsse und Strahlungen reagiert, zeigt sich auf dramatische Weise am 20. März 2015:

Am 20.03.2015 wurde ein Abfall der Leistung an der Bandspüle festgestellt. Nach kurzfristiger Einberufung und Kontrolle der Bandspüle konnte dieses Problem lokalisiert und behoben werden. Die Fehlerquelle war der Neu-Einbau eines W-Lan Routers im Küchenbereich. Die Fa. W.E.M. machte sofort eine zusätzliche Abschirmung der Wasserleitung und somit war die vorherige Waschleistung wieder gegeben.

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„Test wertlos“

Addendum hat den Mathematiker und Professor für Volkswirtschaft der WU Wien, Ulrich Berger, um eine Stellungnahme zum Pensionistenheim-Test gebeten. Berger ist nicht nur mit den Anforderungen wissenschaftlichen Arbeitens bestens vertraut. Er ist auch Gründungsmitglied der „Gesellschaft für kritisches Denken“, die sich damit beschäftigt, Pseudowissenschaft als solche zu enttarnen. Berger schreibt:

Es wird behauptet, die Firma WEM habe dem KWP das Angebot gemacht, einen „Test zur Veränderung der Oberflächenspannung des Wassers“ durchzuführen. Davon kann keine Rede sein. Im Rahmen der durchgeführten Tests wurde die Oberflächenspannung gar nicht gemessen, weder direkt noch indirekt.

Die Firma WEM behauptet, durch ihr Gerät werde Calcit in Aragonit umgewandelt. Es gibt keinen Nachweis dieser Behauptung, und eine solche Umwandlung ist aus physikalisch-chemischer Sicht auch gar nicht möglich. (…) Die Stiftung Warentest hat einschlägige Geräte bereits mehrmals getestet und konnte keine Wirkung feststellen.

(…)

Aus wissenschaftlicher Sicht ist eine solche Art von Test aber ohnehin wertlos, es fehlt nämlich eine Negativkontrolle. Wenn das Geschirr auch mit weniger Reinigungsmittel sauber wird, dann liegt das einfach daran, dass das Reinigungsmittel überdosiert war. (…)

Der Test an der Kaffeemaschine ist einigermaßen absurd. Laut WEM wurde das Gerät eingebaut und gleichzeitig die Kaffeemenge um 15% reduziert. Dabei ergibt sich natürlich eine Kosteneinsparung, die allerdings durch „dünneren“ Kaffee erkauft wird. (…)

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Auszug aus dem Testbericht im Haus Tamariske

1.000 bis 2.600 Euro pro Gerät

Aus dem „Testbericht“ ergibt sich allerdings auch, wie rasch der Glaube an die geringere Oberflächenspannung ins Geld gehen kann. Zwar sind die Preisangaben in der veröffentlichten Datei geschwärzt. Offenbar aus einem technischen Fehler heraus lassen sich diese jedoch ganz einfach auslesen. Somit wird klar, dass W.E.M. für 0,5-Zoll-Zuleitungen bei Einzelanschaffung pro Spül- und Kaffeemaschine 1.089 Euro veranschlagt. Für 0,75-Zoll-Leitungen sind es 2.640 Euro. Dazu kommen Wartungskosten („erstmalig nach 6 Jahren“) von 450 Euro sowie Montagekosten von 75 Euro pro Gerät.

Am Ende des „Testberichts“ steht folgende Empfehlung:

Nach der 6-monatigen Laufzeit des Projektes würde der Einbau der Geräte bei der (sic!) Spülmaschinen und Kaffeemaschinen aus gastronomischer Seite sinnvoll erscheinen.

Auch wäre in den Waschküchen durch den Einbau ein Einsparungspotenzial (Reduktion der Waschmittel, Weichspüler) zu erzielen, als auch im Sinne des Umweltschutzes dieses Projekt zu befürworten.

Hierzu wäre aus der Geschäftsführung ein Test-Haus zu bestimmen, wo diese Geräte in der Waschküche eingebaut werden sollen. Sinnvoll wäre die Empfehlung eines Hauses mit möglichst hohem Kalkanteil (21. oder 22. Bezirk) im Wasser.

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Wiener Seniorenheime: „Wollten Neues ausprobieren“

Man kann wohl davon ausgehen, dass das Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser  ebenfalls mehrere Meinungen eingeholt hat, um den Test im Haus Tamariske richtig einschätzen zu können. Es scheint schwer vorstellbar, dass auf dieser Basis die Geräte zur „Wasseraktivierung“ tatsächlich zum breiteren Einsatz angeschafft worden wären. Doch die Überraschung ist groß. Auf Anfrage von Addendum im Büro der nunmehrigen KWP-Präsidentin und Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) teilt die KWP-Geschäftsführung mit: 

Im Sinne des Unternehmensschwerpunkts „sorgfältiger Umgang mit Ressourcen“, „regionale Wertschöpfung“ & „Nachhaltigkeit“ hat sich der KWP in der Zeit zwischen Februar 2015 und März 2017 dazu entschlossen Neues auszuprobieren. In diesem Zusammenhang ist der Ankauf von 3 Stück Wasseraktivator ½“ und 16 Stück Wasseraktivator ¾“ der Firma DHCC Health Care Consulting GmbH Österreich erfolgt.

Bei DHCC handelt es sich laut Eigendarstellung um den wichtigsten Vertriebspartner von W.E.M. DHCC rühmt sich aktuell im Internet, 54 Hotels und Restaurants, 49.995 Privathaushalte und 838 Wohnhausanlagen zu den Kunden zu zählen. Stimmt das auch nur einigermaßen, ist klar, dass es um ein Millionenbusiness geht.

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Pensionistenheime zahlten 33.600 Euro

Wie viel haben nun die Wiener Pensionistenhäuser für das oberflächenentspannte Wasser bezahlt? Laut KWP-Geschäftsführung waren es für die 2015 bis 2017 angeschafften Geräte stolze 33.613,30 Euro. Beim KWP verteidigt man die Entscheidung zunächst:

Der Ankauf wurde einer eingehenden Evaluierung aus kaufmännischer wie auch ökologischer Sicht unterzogen und es stellten sich – zumindest aus ökologischer Sicht – positive Aspekte z.B. im Waschmittelverbrauch oder in Hinblick auf Kalkablagerungen heraus. Die Testberichte des Reinigungsmittel- bzw. des Kaffeemaschinenherstellers waren positiv. Es wurden weniger Kalkablagerungen, weniger Waschmittelverbrauch und gleichbleibende Qualität – gemessen an Abklatschtests – festgestellt. Der Ordnung halber ist festzustellen, dass es vor dem Einsatz dieser Geräte nicht zu einer Überdosierung von Reinigungsmittel gekommen ist, auch der Kaffee wurde nicht verdünnt. Die Zufriedenheit der BewohnerInnen war hier zudem ein guter Qualitätsindikator dafür, dass sich diese Effekte bei gleichbleibender Qualität eingestellt haben.

Dann scheint es jedoch zu einem gewissen Umdenken gekommen zu sein – vor allem, was die Wirtschaftlichkeit betrifft:

Im März 2017 hat sich das KWP dazu entschlossen, keine weiteren Geräte dieser Art anzukaufen da das Produkt aus kaufmännischer Sicht und gemessen an der Kostenreduktion von Reinigungsmitteln keine günstige Amortisationsdauer aufweist. Die Anschaffungskosten für die Geräte in der Höhe von EURO 33.613,30 mögen zwar im Verhältnis zu 8 Mio. Belagstagen im dreistelligen Nachkommabereich liegen – trotzdem hat der KWP in jedem Fall als „ordentlicher Kaufmann“ zu handeln.
Ein Unternehmen wie das KWP ist angehalten, alle Möglichkeiten des wirtschaftlichen und gleichzeitigen ökologischen Handelns auszuschöpfen. Im Rahmen der Möglichkeiten wurde hier mit dem Ankauf derartiger Geräte etwas ausprobiert, getestet, überprüft und in letzter Konsequenz wieder verworfen.

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Was sagt die Wissenschaft?

Bevor man etwas Kostspieliges ausprobiert, kann man sich natürlich auch in alle Richtungen informieren. Was das Thema „Wasseraktivierung“ allgemein betrifft, bat Addendum drei Wissenschaftler um Stellungnahmen.

Martin Beyer, Institutsvorstand für Ionenphysik und Angewandte Physik an der Uni Innsbruck, meint:

Wasser ist flüssig, weil sich die schwachen Bindungen zwischen den Molekülen, die Wasserstoffbrücken, innerhalb einer Sekunde viele Millionen Mal neu anordnen. Eine dauerhafte Strukturänderung durch äußere Einflüsse, wie sie unter den Stichworten „Aktivierung“, „Energetisierung“ oder „Gedächtnis des Wassers“ oft behauptet wird, ist deshalb unmöglich. Aus demselben Grund kann man in flüssigem Wasser keine Information speichern. 

Der Quantenphysiker und Wissenschaftsjournalist Florian Aigner von der TU Wien spricht direkt von „Esoterik“:

Aus physikalischer Sicht ist die Sache klar: Flüssiges Wasser kann keine Informationen speichern. Es gibt keinen physikalischen Mechanismus, der eine Veränderung des Wassers durch esoterische „Belebung“ auch nur ansatzweise plausibel erscheinen ließe. Wie auch? Ein Wassermolekül ist ein Wassermolekül – Moleküle sind alle gleich, sie haben keine Individualität und lassen sich durch esoterische „Energetisierung“ auch nicht verändern.

Gerne wird behauptet, es gebe ein sogenanntes „Wassergedächtnis“. Die Idee dahinter ist, dass zwischen den Wassermolekülen Bindungen entstehen und die Moleküle sich zu sogenannten „Clustern“ zusammenfügen. Auf diese Weise soll angeblich Information abgespeichert werden. Tatsächlich gibt es Bindungen zwischen Wassermolekülen, allerdings sind sie so kurzlebig, dass sie zum Speichern von Information absolut ungeeignet sind. Selbst wenn man diese Bindungen gezielt herstellen könnte (was mit esoterischen Methoden unmöglich ist), wären sie nutzlos. Es bleibt also dabei: H2O ist H2O – mehr wird es nach den Gesetzen der Physik einfach nicht.

Darüber hinaus hat Addendum den Grand Seigneur zum Thema „Wasseraktivierung“ um eine Einschätzung gebeten. Der Hydrobiologe Erich Eder von der Universität Wien wurde einst von einer Granderwasser-Vertriebsfirma geklagt. 2006 siegte er weitgehend vor Gericht. Laut damaliger Presseaussendung wurde unter anderem das Begehren der Firma abgewiesen, Eder müsse die Verbreitung der Behauptung unterlassen, dass „es sich bei der Grander-Technologie bzw. dem Grander-Wasser um einen aus dem Esoterik-Milieu stammenden, parawissenschaftlichen Unfug handelt“.

Erich Eder, Hydrobiologe von der Uni-Wien, teilt auf Addendum-Anfrage mit:

Esoteriker behaupten üblicherweise, dass ihre Produkte deshalb funktionieren, weil Wasser Cluster bildet und das Wasser ein Informationsträger ist.

Beide Behauptungen sind inzwischen durch die Physik widerlegt worden. Im Jahr 2004 konnte ein Team um den Stanford-Physiker Philippe Wernet mit ultrakurzen Röntgenblitzen zeigen, dass die Cluster im flüssigen Wasser gerade mal drei bis vier Moleküle groß sind. Mit derartig kleinen Strukturen kann nicht viel Information gespeichert werden. Diese Strukturen sind außerdem extrem kurzlebig. Im Jahr 2005 konnte ein Team von Wissenschaftlern nachweisen, dass diese Cluster im flüssigen Wasser nur 50 Femtosekunden bestehen bleiben. Eine Femtosekunde ist das Millionstel einer Milliardstelsekunde. Die Strukturen sind im flüssigen Wasser also viel zu klein und bestehen viel zu kurz, um irgendeine Information aufzunehmen. Wasser ist deshalb nachweislich kein Informationsträger. Diese Informationen werden allerdings üblicherweise gerne von den Esoterikern ignoriert.

Auch Sportstars an Bord

Addendum hat mit Narasan-Entwickler Gerhard V. von der Firma LWS gesprochen. Er sagt, seit 2006 nur noch vereinzelt Restbestände zu verkaufen. Ein ehemaliger Vertriebspartner – gemeint ist wohl W.E.M. bzw. deren Vorgängerfirma – habe das Geschäft mit den Wasseraktivierern an sich gezogen. Der 74-jährige Gerhard V. bleibt dabei: „Wasser kann Energie und Information speichern, auch wenn die Wissenschaft sagt ,Wasser ist Wasser‘.“ V. betont: „Wir haben wahnsinnig tolle Erfolge dokumentiert.“ Er wünscht sich einen „Paradigmenwechsel“ und mehr Verständnis „von Energie und Schwingungsfrequenzen“.

W.E.M.-Chef Johannes B. erklärt in Bezug auf das von seiner Firma hergestellte Gerät: „In Österreich werden meine Produkte von verschiedenen einheimischen Vertriebspartnern angeboten, und diese haben alle die Anweisungen, dass Geräte immer kostenfrei zum Testen vor dem Kauf angeboten werden müssen, jedenfalls im gewerblichen Bereich und falls es Privatkunden gibt, wird stattdessen eine 12-Monate-Geld-retour-Garantie gewährt. (…) Jegliche Kunden haben kostenfreie Geräte erhalten, um diese zu testen.“

In Bezug auf die zur NÖ Wohnbaugruppe gehörende Firma WET teilt B. mit: „Die WET verlässt sich nicht auf Aussagen oder Behauptungen, sondern kontrolliert gezielt und regelmäßig die Wirksamkeit und vertraut auf deren eigene Sichtung und Beurteilung.“ Seine Geräte würden der „Entkalkungsprävention“ dienen – gemeint ist wohl der Schutz vor Verkalkung.

Die W.E.M. wirbt auf ihrer Internetseite übrigens auch mit prominenten Sportlern als Referenzkunden. Darunter finden sich Fußballstar Christian Fuchs, mit seinem Club Leicester City im Jahr 2016 Englischer Meister, Ex-Team-Torhüter Robert Almer, Ski-Weltmeisterin Michaela Dorfmeister und Ex-Fußball-Nationalspieler Andreas Ivanschitz.

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Screenshots: Prominente Testimonials auf der W.E.M-Website
Screenshots: Prominente Testimonials auf der W.E.M-Website

Haupt-Forscher distanziert sich

Nun stehen also Aussagen von Herstellern und prominenten Testimonials Aussagen skeptischer Naturwissenschaftler entgegen. Um nicht im trüben Wasser zu fischen, hat Addendum jedoch mit noch jemandem Kontakt aufgenommen: mit Ernst H. – einem mittlerweile pensionierten TGM-Lehrer.

H. wurde sowohl von LWS als auch von W.E.M. als Experte für die Wirksamkeit der Wasseraktivierung herangezogen. Von W.E.M. wurde sogar ein Erklärvideo mit ihm produziert und ins Internet gestellt. Laut dem Vorstandsmail an Mieter Helmut E. aus dem Jahr 2009 soll H. auch Tests bei Wohnhausanlagen der NÖ Wohnbaugruppe durchgeführt haben. H. gilt quasi als das wissenschaftliche Aushängeschild der Wasseraktivierungsbranche in Österreich.

Was H. auf Addendum-Anfrage mitteilt, überrascht. Zur Wissenschaftlichkeit seiner Tests befragt, sagt H. wörtlich: „Ich kann immer nur eine Einzelanalyse machen, mit einer Doppelprobe Wasser. Das ist von wissenschaftlich weit entfernt.“ Das gelte auch für eine Testreihe bei der NÖ Wohnbaugruppe: H. bestätigt, dass diesbezüglich von wissenschaftlichen Berichten keine Rede sein könne. Das seien Einzelversuche mit zwei Geräten in zwei Stiegen gewesen. Es seien auch keinerlei statistische Tests mit den Messergebnissen durchgeführt worden, um Zufallsergebnisse auszuschließen. Den Test würde auch H. nicht als wissenschaftlichen Versuch bezeichnen. Es gebe lediglich einen „Hinweis“ auf die Wirksamkeit.

Wenn nicht einmal H. glaubt, bewiesen zu haben, dass Wasseraktivierung wirkt, gerät wohl die gesamte Argumentation der Wasserenergetisierer ins Wanken.

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Nationalbank: „Es wirkt.“

Die gesamte Argumentation? Nicht, wenn man bei der Oesterreichischen Nationalbank nachfragt. Deren Tochterfirma IG Immobilien hat einst zwei „Narasan“-Geräte für zwei ihrer Wohnhäuser angeschafft. Und die Hüter der Geldpolitik zeigen sich von der Wirkung überzeugt: „Die Geräte sind bis jetzt immer noch im Einsatz und funktionieren immer noch“, erklärt OeNB-Sprecher Christian Gutlederer auf Anfrage. Zuvor habe es Beschwerden über ein bräunliche Färbung des Wassers gegeben. Diese sei dann weg gewesen. Gutlederer: „Für uns war das kein esoterisches Produkt, sondern eine neue Methode, um das Kalkproblem zu lösen.“

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Auszug aus den Referenzen der Narasan-Geräte

Zum Thema Kalk lässt sich aus der erwähnten HTL-Diplomarbeit zu „Narasan“ folgendes herauslesen: „Das Wasser selbst wurde auf die Gesamthärte mittels Schnelltestsystem untersucht. Hier wurden keine markanten Unterschiede festgestellt. Es verändert sich nicht die Gesamthärte, sondern die Adhäsion des Kalziumkarbonats. Kalziumumwandlung in Aragonit.“ Zu dieser angeblichen Umwandlung – die offenbar die Verkalkung verhindern soll – erklärt Wissenschaftler Ulrich Berger: „Eine solche Umwandlung ist aus physikalisch-chemischer Sicht auch gar nicht möglich. Da Calcit stabil ist, widerspricht eine Umwandlung von Calcit in Aragonit ohne Energiezufuhr den Hauptsätzen der Thermodynamik.“ 

Das stört die Nationalbank nicht. Laut dem Sprecher hat die IG Immobilien jeweils unter 5.000 Euro pro Narasan-Gerät für die Wohnhäuser ausgegeben. Die Nationalbank selbst habe keine Wasseraktivierer angeschafft. Allerdings stattete die IG Immobilien 2005 auch das Kühlsystem der OeNB-Banknotendruckerei OeBS „zur Entkalkung“ mit einem Gerät der Narasan-Vertriebsfirma EuroAqua aus. Dort war es nicht ganz so günstig: Die Kosten betrugen laut Gutlederer 9.100 Euro netto. 2009 sei dieses Gerät „im Zuge des Einbaus einer separaten Enthärtungsanlage für die Kühlturmwasseraufbereitung außer Betrieb genommen und demontiert“ worden.

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Auszug aus dem Referenzschreiben der IG-Immobilien für Narasan

Wiener Spitäler: Beim KAV prüft Innenrevision

Wie das Amen im Gebet der aktuellen Esoterik-Debatte finden sich auch mehrere Spitäler des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) auf der Referenzliste der LWS. Aus dem Büro der nunmehrigen Sozial- und Gesundheitsstadträtin Frauenberger heißt es dazu: „Zum Einsatz von Produkten wie Geo-Waves oder auch Wasseraktivierung läuft gerade eine KAV-weite Prüfung durch die Innere Revision, daher kann ich dazu zum momentanen Zeitpunkt keine Stellungnahme abgeben.“

Was gemeinnützige Bauträger betrifft, stechen auf den diversen Referenzlisten nicht nur Firmen der NÖ Wohnbaugruppe ins Auge. Auf einer der Listen ist unter anderem auch die große Wohnungsgenossenschaft „Wien Süd“ angeführt. Diese teilte auf Anfrage mit, dass man dabei sei, Erhebungen zum Thema „Wasseraktivierung“ im Unternehmen anzustellen. Einer der wichtigsten Ansprechpartner sei jedoch derzeit krank.

Kommerzialrat und Ehrung vom Scheich

Installateur und Narasan-Entwickler Gerhard V. wurde jedenfalls eine Ehre zuteil, von der die „Wassermeister“ der Antike nur träumen können: Am 12. April 2007 wurde ihm vom damaligen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) der Titel „Kommerzialrat“ verliehen. Laut Selbstbeschreibung im Internet konnte er sich aber noch über eine weitere Ehrung freuen, die der erstgenannten nicht um allzu viel nachstehen dürfte: „Anerkennung des Scheichs Ras-Al-Kaimah für die positive Behandlung durch unsere Techniken bei der Wasseraufbereitung für seine Reitpferde.“ 

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29.03.2018

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Max Thomasberger hat spät berufen Volkswirtschaftslehre studiert. Im früheren Leben war er Statistiker, Musiker, Tontechniker, IT-Spezialist und Erwachsenenbildner. Jetzt sammelt, analysiert und visualisiert er Daten für den allgemeinen Erkenntnisgewinn bei Addendum.

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Rainer Fleckl will den Dingen auf den Grund gehen. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und startete seine ersten investigativen Recherchen im Sportressort des „Kurier“, dessen Leitung er 2008 übernahm. 2010 wurde er mit dem Aufbau einer Rechercheabteilung betraut. Vor seinem Engagement bei Quo Vadis Veritas war Fleckl als Bereichsleiter bei ServusTV und in der Chefredaktion von „News“ tätig.

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