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Bild: Helmut Fohringer | Apa
Wie strukturschwache Regionen gewählt haben
29. Januar 2018 Niederösterreich Lesezeit 3 min
Keine absolute Mehrheit für die ÖVP, neun Prozentpunkte mehr für die SPÖ: Maßgeblichen Einfluss auf das Wahlergebnis hat die Gemeindestruktur.

Weit entfernt von der sonst fast selbstverständlichen absoluten Mehrheit liegt die ÖVP in den strukturschwächsten Gemeinden. Mit 42,6 Prozent erreicht sie dort etwa sieben Prozentpunkte weniger als im gesamten Land.

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Die ÖVP verliert hauptsächlich in strukturell benachteiligten Gemeinden die Wählergunst: Sowohl die SPÖ (+9 Prozentpunkte) als auch die FPÖ (+2 Prozentpunkte) erreichen in dieser Kategorie ihre besten Werte. Die Grünen haben in den strukturstarken Gemeinden ihre Höchstwerte (+4 Prozentpunkte), auch Ergebnisse der NEOS sind dort um etwa drei Prozentpunkt besser.

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Im historischen Vergleich ist dieses Ergebnis für die ÖVP kein schlechtes: Seit der Landtagswahl 2008 ist sie auch in strukturschwachen Gemeinden die stärkste Kraft, nachdem sie dort die SPÖ verdrängt hatte. Der Abstand zwischen FPÖ und Grünen ist mit 12,6 Prozentpunkten in den strukturell benachteiligten Gemeinden fast wieder auf dem Stand von 1998 (13,3 Prozentpunkte) angelangt.

Die Kategorisierung

Das ergibt eine Analyse der Landtagswahlergebnisse für die 57 strukturstärksten und strukturschwächsten Gemeinden des Landes auf Basis von regionalen Daten in den Bereichen Einkommen & Wohnen, Arbeitsmarkt, Bildung und Abwanderung, die ein Gesamtbild auf strukturelle Benachteiligungen von Gemeinden erlauben.

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Methodik

Addendum hat für die Analyse der Ergebnisse der Landtagswahl einen Index aufgesetzt, der versucht, die Stärken oder Schwächen einer Gemeinde in Zahlen auszudrücken. Ziel ist, herauszufinden, ob sich das Wahlverhalten der Bevölkerung nach wirtschaftlichen und demografischen Potenzialen unterscheidet. Vorbild für diesen Index war eine Studie der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die Wissenschaftler haben in ihrer Studie einen multiplen Benachteiligungsindex für den Pinzgau in Salzburg errechnet. Dieser Index besteht in der Originalstudie aus 26 Indikatoren in sechs Bereichen. Addendum hat drei Bereiche (Einkommen & Wohnen, Beschäftigung, Bildung) daraus genau gleich gewählt und einen zusätzlichen Bereich (Abwanderung) hinzugefügt. Diese insgesamt vier Bereiche sollen ein Bild von der Situation in der Gemeinde liefern.

Die für die einzelnen Bereiche errechneten Werte werden bei gleicher Gewichtung in einem Index zusammengefasst. Dabei kann es dazukommen, dass sich Teilbereiche gegenseitig ausgleichen. Beispielsweise würde ein gutes Abschneiden im Bereich Bildung ein schlechtes Abschneiden im Bereich Beschäftigung aufheben.

Gemeinden mit weniger als 150 Einwohnern wurden aus der Analyse ausgenommen. Die Werte für die einzelnen Bereiche gestalten sich folgendermaßen:

Die jeweils zehn Prozent der Gemeinden, die die niedrigsten und höchsten Gesamtwerte aufweisen, flossen in die Analyse ein. Für das Jahr 2018 entfallen auf die strukturschwächsten zehn Prozent der Gemeinden etwa 74.000 Stimmen, auf die strukturstärksten etwa 132.000.

Die Unterbereiche können auch einzeln betrachtet werden: Das Ergebnis der ÖVP auf Gemeindeebene hängt am stärksten mit positiven Werten im Bereich Arbeitsmarkt zusammen, etwa gleich stark ist der Einfluss von Benachteiligungen im Bereich Einkommen & Wohnen. Negative Arbeitsmarkt- und Bildungswerte haben die stärkste Wechselbeziehung zu guten Ergebnissen der SPÖ, auch die FPÖ-Ergebnisse hängen mit diesen Werten zusammen. Positive Werte im Bereich Einkommen & Wohnen hängen auch mit besseren Ergebnissen für Grüne und NEOS zusammen. 

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Korrektur: In einer früheren Version des Artikels wurden aufgrund eines Datenverarbeitungsfehlers leicht andere Wahlergebnisse dargestellt. Besonders die Unterschiede der Ergebnisse der Grünen und NEOS in strukturstarken Gemeinden wurden mit +2 (richtig: +4) beziehungsweise +0,5 (richtig: +3) Prozentpunkten falsch ausgewiesen. Wir bedauern den Fehler.

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