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Das Problem mit dem Pendlerpauschale

Das Pendlerpauschale fördert Besserverdiener stärker und wird systematisch zur Steuerhinterziehung missbraucht. Berechtigung hat es aber trotzdem.

19.11.2019

Der Staat Österreich lässt sich die Förderung der Pendler einiges kosten. Mit dem Pendlerpauschale werden rund 1,3 Millionen Österreicher finanziell unterstützt. Die jährlichen Gesamtkosten dafür belaufen sich auf 1,3 Milliarden Euro. Während eine Förderung von Pendlern durchaus sinnvoll sein kann, ist die aktuelle Ausgestaltung problematisch. „4 Minuten“ erklärt, warum etwa Besserverdiener stärker profitieren und das Pauschale systematisch zur Steuerhinterziehung missbraucht wird.

Die Pendlerpauschale, oder das Pendlerpauschale, wie es im österreichischen Beamtendeutsch korrekt heißt, wurde vor mehr als 40 Jahren unter Bruno Kreisky eingeführt, um auch finanziell schlechter gestellte Arbeitnehmer zu entlasten. Heute profitieren aber auch Besserverdiener stark davon. Für die Förderung können nämlich nicht die tatsächlichen Fahrtkosten geltend gemacht werden, sondern die Lohnsteuer wird verringert. Wer mehr Lohnsteuer zahlt, also mehr verdient, bekommt mehr erlassen.

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Steuerhinterziehung durch Pendlerpauschale?

Einer Studie zufolge wird das Pendlerpauschale systematisch zur Steuerhinterziehung missbraucht. So hat zwischen 1995 und 2005 rund ein Drittel der Pendler bei der Angabe des Fahrwegs zum eigenen Vorteil geschummelt – also einen zu hohen Wert angegeben und somit Steuern hinterzogen.

Außerdem schafft das Pendlerpauschale falsche Anreize. Für Städter wird es so attraktiver, ins nahe gelegene billigere Umland zu ziehen. In den letzten 20 Jahren gab es von Wien in den Speckgürtel mehr Hin- als Wegzüge – nämlich rund 86.000. Hinzu kommt: Eine Förderung für die Umwelt ist das Pendlerpauschale nicht, denn: Welches Verkehrsmittel man benützt, spielt keine Rolle. Überspitzt formuliert: Wer mit einer Luxuskarosse in die Arbeit fährt, bekommt genauso viel wie jemand, der Bus, Bahn oder Roller benützt.

Zusammengefasst hat eine Förderung der Pendler Berechtigung – vor allem für Menschen, deren Wohnort nicht gut an den öffentlichen Verkehr angebunden ist. Im Waldviertel ist es zum Beispiel kaum möglich, mit Bus oder Bahn ins nächstgelegene größere Zentrum zu gelangen02. Um zu verhindern, dass die Dörfer dort aussterben, kann eine finanzielle Unterstützung durchaus sinnvoll sein. Ob das Pendlerpauschale in seiner aktuellen Form dafür der richtige Weg ist, darf aber stark bezweifelt werden. 

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19.11.2019

Das Rechercheteam

Michael Mayrhofer

Michael Mayrhofer hat an der Universität Wien Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studiert. Während verschiedener Praktika im Journalismus bei Puls4 und ORF entdeckte er seine Liebe zum Social-Media-Journalismus. Die Menschen mit Information zu verführen – das ist sein Motto. Nebenbei war er auch Teil des Interview-Podcasts „Was soll das?“. Zuletzt war er freier Mitarbeiter im Social-Media-Team der Zeit im Bild.

Marlies Faulend

Marlies Faulend, geboren 1984 in Wien, hat „Digitales Fernsehen“ an der FH Salzburg studiert und 2009 abgeschlossen. Mehr als 10 Jahre hat sie als freie Gestalterin und Cutterin von Magazinbeiträgen, Reportagen und Dokumentationen für zum Beispiel ServusTV, ORF, 3sat oder das ZDF gearbeitet. Des Weiteren war sie Regieassistentin bei Kino-Dokumentationen und beim Spielfilm. Für Addendum gestaltet sie Web-TV-Content.

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Folgende Artikel gehören zum Projekt 101 Pendler

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Land der Pendlerströme

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Kein Anschluss in dieser Gemeinde

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Problem Pendlerpauschale

mit Video
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Wie lange Menschen wie Sie pendeln

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