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Kulturkampf im Klassenzimmer?
Eine sozialdemokratische Personalvertreterin, die seit zehn Jahren in einer Neuen Mittelschule in Wien-Favoriten unterrichtet, hat mit uns gesprochen. Fast noch mehr als die Probleme mit den Kindern und Jugendlichen macht Frau Wiesinger und ihren Kollegen die Tatsache zu schaffen, dass sie von den eigenen Strukturen im Stich gelassen werden. Es wäre schon viel getan, sagt die Personalvertreterin, wenn die Behörden die Probleme zumindest einmal anerkennen und bisherige Versäumnisse eingestehen könnten. Wie es um den islamischen Religionsunterricht in den Wiener Pflichtschulen bestellt ist, war eine der Fragen, die unser Rechercheteam vielen Gesprächspartnern gestellt hat.

Während unserer Recherchen zum Thema „Islamkindergärten“ war die Kommunikation mit den Behörden der Stadt Wien von einem Grundmuster dominiert: Wenn es Probleme gibt, sind das Einzelfälle, die Stadt ist dran und tut, was sie kann, wer anderes sagt, hat wahrscheinlich parteipolitische Motive und will vor allem der FPÖ in die Hände spielen.

Wie unsere weiterführenden Recherchen im Schulbereich zeigen, kommuniziert die Stadt Wien nicht nur nach außen entlang dieser Leitlinien, sondern auch nach innen: Lehrerinnen und Direktoren, die bereit sind, mit Medien über die tatsächlichen Zustände zu sprechen, werden entweder als parteipolitisch motivierte Aktivisten denunziert oder mehr oder weniger sanft unter Druck gesetzt, sich nicht öffentlich zu äußern. Weil siehe oben.

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Eine sozialdemokratische Personalvertreterin, die seit zehn Jahren in einer Neuen Mittelschule in Wien-Favoriten unterrichtet, hat dennoch mit uns gesprochen. Ihre Einschätzung der Situation ist ziemlich ernüchternd. Fast noch mehr als die Probleme mit den Kindern und Jugendlichen macht Frau Wiesinger und ihren Kollegen die Tatsache zu schaffen, dass sie von den eigenen Strukturen im Stich gelassen werden. Es wäre schon viel getan, sagt die Personalvertreterin, wenn die Behörden die Probleme zumindest einmal anerkennen und bisherige Versäumnisse eingestehen könnten.

Unser Rechercheteam hat auch einen irakischen Vater getroffen, der für seine Tochter eine andere Schule sucht, weil er, wie er sagt, im islamischen Religionsunterricht in einer öffentlichen Schule in Wien mit dem konfrontiert wurde, wovor er eigentlich nach Wien geflohen ist: Indoktrinierung mit einer konservativen Lesart des muslimischen Glaubens. Wie es um den islamischen Religionsunterricht in den Wiener Pflichtschulen bestellt ist, war eine der Fragen, die unser Rechercheteam vielen Gesprächspartnern gestellt hat.

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Antworten sind nicht leicht zu bekommen, weil die Wiener Schulbehörden auf den islamischen Religionsunterricht de facto keinen Zugriff haben. Sowohl die Erstellung des Lehrplans als auch die Auswahl des Lehrpersonals liegt bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ), die in dieser Frage als anerkannte Religionsgemeinschaft der katholischen Kirche gleichgestellt ist und somit indirekt vom gelegentlich kritisierten Konkordat profitiert.

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Ebenfalls nicht leicht zu beantworten ist die Frage, wer sich wann und wo um die Probleme in den Wiener Schulen kümmert, die nicht direkt mit dem Unterricht zu tun haben – und das sind, wie viele Lehrer berichten, die wesentlichen Probleme. Wie viele Sozialarbeiter und Psychologen die Lehrer in Wien unterstützen sollen, tatsächlich unterstützen oder eigentlich unterstützen sollten, ist nicht eindeutig festzustellen. Das Bildungsministerium, die Wiener Landesregierung und der Wiener Stadtschulrat verfügen offensichtlich nicht über dasselbe Zahlenmaterial.

Aber das ist vermutlich auch nur ein Einzelfall. 

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