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„Allgemeiner Schwimmunterricht findet an meiner Schule nicht statt“
14. Mai 2018 Brennpunkt Schule 3 min
Eine Sportlehrerin erzählt: von Eltern, die Schwimmunterricht und Projektwochen nicht erlauben, von Schülern, die im Ramadan nicht am Unterricht teilnehmen.

„Allgemeiner Schwimmunterricht findet an meiner Schule nicht statt“

Seit Addendum den Hilferuf einer sozialdemokratischen Lehrervertreterin veröffentlicht hat , die über den wachsenden Einfluss des fundamentalistischen Islam unter ihren Schülern klagt, haben uns mehrere Erfahrungsberichte von Lehrerinnen und Lehrern zu demselben Thema erreicht. Hier dokumentieren wir einen davon in Wort und Bild.

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Ich unterrichte schon mehr als 30 Jahre an einer NMS: Deutsch und Sport, und es hat sich in dieser Zeit sehr viel verändert. Wir haben wahnsinnig viele verschiedene Kulturen in den Klassen – verschiedene Sozialisationen, verschiedene Sprachniveaus.

Es ist sehr anstrengend. Wir sind manchmal wirklich an unseren Grenzen. Der Islam spielt insofern eine Rolle, als er oftmals zu Konflikten führt.

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„Wir haben uns untergeordnet, oder vielleicht: angepasst“

Ich glaube, dass wir ein bisschen in die Falle gegangen sind und uns da unheimlich … untergeordnet – oder, vielleicht sag ich besser: angepasst haben. Das ist z.B. in dem Bereich so, dass wir die Speisepläne an unseren Schulen ausschließlich nach muslimischen Essensgewohnheiten und Regeln auslegen.

Projektwochen können ganz schwer stattfinden, weil sich ganz viele ausländische Kinder dafür nicht mehr anmelden, weil Eltern Ängste haben, dass ihre Kinder fremd übernachten, und weil das auch nicht ins Konzept ihrer Weltanschauung passt.

Allgemeiner Schwimmunterricht findet in meiner Schule nicht statt, weil wir da mit vehementen Widerständen der Eltern zu rechnen haben: von wegen sie werden krank, die Haare werden nicht trocken – und wahrscheinlich spielen da auch die religiösen Ängste eine Rolle, dass man da keine geeigneten Garderoben hat, oder dass es vielleicht einen männlichen Schwimmlehrer gibt für die Mädchen.

Die Ramadan-Zeit ist auch insofern problematisch, als beim Sportunterricht ganz viele muslimische Kinder dann am Turnen nicht teilnehmen, weil sie nichts trinken dürfen, nichts essen dürfen, schwach sind. Die Eltern schreiben für diese Zeit Entschuldigungen, und ich muss das einfach akzeptieren als Entschuldigung, dass die Kinder nicht am Unterricht teilnehmen.

Wir bieten an den Volkshochschulen zusätzliche Sprachförderungen an. Alles ist gratis. Wir passen uns an, und viele Kinder, habe ich den Eindruck, und auch deren Eltern, lehnen sich einfach zurück und nehmen es nicht an.

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„Wir müssen schon in Deutsch Vokabelhefte führen“

Es gibt wahnsinnig viele, die total allein gelassen sind, und das macht einen traurig, weil man kann sich bemühen, wie man will, man findet kein Gehör. Es ist einfach Desinteresse da, an allem.

Die Sprachlosigkeit nimmt extrem zu. Die Kinder haben einen immer geringeren Wortschatz, sodass wir also auch schon in Deutsch Vokabelhefte führen müssen, weil sie oft schon die einfachsten Wörter nicht verstehen.

Vielleicht macht es das wirklich aus: dass die Leute unter sich bleiben, dass sie so viele sind, dass es eben nicht notwendig ist, sich zu integrieren, weil sie haben ihren Frisör, sie haben ihre Geschäfte, sie sprechen zu Hause nur ihre Sprache, ihre Muttersprache. Sie schauen auch kein österreichisches Fernsehen. Die einzigen Menschen, mit denen sie Deutsch reden müssen, bei vielen, sind wirklich wir Lehrer und Lehrerinnen. 

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Wiener Lehrervertreter haben sich mit ähnlichen Problemen 2016 an den Stadtschulrat gewandt. Das Schreiben und die Reaktion darauf finden Sie hier .

Falls auch Sie vertraulich mit unseren Redakteuren in Kontakt treten wollen, folgen Sie bitte diesem Link.

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