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Kein Schiff wird kommen

2018 rief der deutsche TV-Star Klaas Heufer-Umlauf zu Spenden für die Seenotrettung auf. Mit den gesammelten 297.000 Euro sollte ein NGO-Schiff im Mittelmeer finanziert werden. Doch ein solches lief niemals aus.

22.09.2019
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Es war der 7. Juli 2018, als Klaas Heufer-Umlauf meinte, seine Sommerpause unterbrechen zu müssen. Der deutsche Entertainer ist mit Comedyshows wie „Joko und Klaas“ und „Circus HalliGalli“ bekannt geworden. Auf ProSieben moderiert der „Grimme“-Preisträger seit kurzem eine Late-Night-Show. Auf Twitter folgen ihm 1,8 Millionen Menschen. Politisch engagierte er sich immer mal wieder, er unterstützte etwa Martin Schulz als SPD-Kanzlerkandidaten. Nun lud er auf Youtube einen „Zwischenruf“ hoch. Wenige Tage zuvor war auf Malta der deutsche Skipper Claus-Peter Reisch verhaftet und das von ihm gesteuerte NGO-Boot „Lifeline“ beschlagnahmt worden. Um Geld für die Rechtskosten zu sammeln, habe sein Freund Jan Böhmermann bereits einen Aufruf gestartet, erklärte Heufer-Umlauf in seinem Video. Ihm ginge es nun darum, die Rettungsmissionen der NGOs im Mittelmeer fortzusetzen: „Man braucht jetzt Schiffe, um jetzt ein Zeichen zu setzen, um zu sagen, wir machen weiter, und natürlich, um ganz konkret Hilfe leisten zu können.“

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„Persönlich dafür sorgen, dass das Geld ankommt“

In dem sechs Minuten langen Video erklärte der Comedian seine Idee. „Es geht darum, Schiffe zu chartern und einfach auch, völlig egal mal, wie dieser Prozess jetzt gerade verläuft oder wie die Situation gerade ist, weiterzumachen und, inoffiziell von mir aus, wieder rauszufahren und weiterhin Menschen zu retten – weil was soll daran illegal sein?“ Konkret sei der Plan, „ein weiteres oder vielleicht auch mehrere Schiffe für eine gewisse Zeit lang zu chartern, um diese Situation nicht einfach auszusitzen“, sagte Heufer-Umlauf. „Ich persönlich habe auch schon Geld gespendet (…) und ich finde, diesem Beispiel kann, wenn ihr mögt, jeder nachgehen. Es ist völlig egal, ob es zwei Euro sind oder 200.000, je nach Verhältnismäßigkeit kann man sich da engagieren.“ Seinen Appell verband der TV-Star mit einem Versprechen. Er werde „persönlich dafür Sorge tragen, dass das Geld da ankommt, wo es hinmuss“.

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Ein Appell gegen die Ohnmacht

In den Tagen danach erntete Heufer-Umlauf medial viel Anerkennung und Beifall für sein Engagement. Alle großen Zeitungen berichteten darüber, sein Video wurde über soziale Medien abertausende Male geteilt, und viele Menschen dankten ihm dafür, dass er Haltung zeige. Unter dem Motto „Jetzt retten wir! #Civilfleet“ kamen rasch die ersten 100.000 Euro zusammen. Immerhin „kann man hier mal konkret helfen“, wie Heufer-Umlauf am Ende seines Videos betont hatte, „und das ist eine sehr schöne Methode, der Ohnmacht, die man fühlt in dieser Situation, entgegenzuwirken und etwas zu machen“.

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Zehn Tage nach dem Hochladen des Videos endete die Spendenaktion auf dem Internetportal leetchi.com. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: 7.428 Menschen waren Heufer-Umlaufs Aufruf gefolgt und hatten 297.036 Euro bereitgestellt.

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Vorboten des Scheiterns

In den Monaten darauf herrschte rege Betriebsamkeit. Ein Verein wurde gegründet, der sich um die Spendengelder kümmern sollte. Als Vorsitzender bot sich Erik Marquardt an, ein deutscher EU-Abgeordneter der Grünen und NGO-Aktivist. Zum Schatzmeister wurde Ruben Neugebauer ernannt, ein Fotojournalist, der schon die NGO Sea Watch mitaufgebaut hatte. Es war ein kleiner Zirkel von Aktivisten, die gemeinsam ein großes Projekt stemmen wollten – und damit scheitern würden.

Addendum versucht nun erstmals nachzuzeichnen, wie diese Promi-Spenden-Aktion verlief, nachdem das Licht der Öffentlichkeit erloschen ist. Dabei zeigt sich eine Kluft zwischen dem Versprechen, möglichst rasch zu helfen, und dem, was davon in der Realität übrig blieb. Warnungen, die die Mission gefährden könnten, wurden erst bagatellisiert und später ignoriert. Der Enthusiasmus derer, die sich für eine gute Sache einzusetzen glaubten, schien größer als deren praktisches Geschick. Das führte letztlich dazu, dass zwar ein Großteil der Spendengelder in das Chartern eines Rettungsschiffes flossen, ein solches aber nie auslaufen sollte. Und bis dato weder die Öffentlichkeit noch die Spender davon erfuhren.

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„Ein Schiff in Aussicht“

Doch der Reihe nach. Anfangs herrschte auf der rasch eingerichteten Internet-Seite der civilfleet.org Euphorie. Noch im August 2018 wurden die Spender dort informiert, dass bereits ein „Schiff in Aussicht“ sei und die Verhandlungen „gut laufen“. Es würde daran gearbeitet, „schnell wieder das zu machen, wofür wir angetreten sind: Menschenleben retten“. Im Oktober folgte das nächste Status-Update, aus dem sich eine erste Warnung hätte ablesen lassen können. Es wurde berichtet, dass dem Schiff einer anderen NGO von Panama gerade die Flagge entzogen worden wäre. „Aber“, hieß es trotzig, „so leicht lassen wir uns nicht aufhalten.“ Ein Schiff sei schon gechartert worden und würde gerade umgebaut, noch im November wolle man damit in See stechen.

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Im nächsten Bulletin Ende November war davon nichts mehr zu lesen. Dafür hagelte es Vorwürfe gegen Europas Politik, die in der Seenotrettung untätig bliebe, verbunden mit einem erneuten Spendenaufruf. Danach herrschte wieder Stille.

„Ready to rescue“

Erst Ende Jänner 2019 wurden Neuigkeiten von der Civilfleet vermeldet. Ein Boot sei gechartert und für den Einsatz in der Seenotrettung umgerüstet worden, erfuhren Spender in einer längeren Nachricht. Auch das sich zuvor abzeichnende Problem des Flaggenstaats Panama wäre gelöst worden und ein „langer, teurer Prozess der Umregistrierung“ hätte erfolgreich mit dem Inselstaat Vanuatu als neuem Flaggenstaat geendet. Man habe nun ein Boot, „das das Prädikät ‚ready to rescue‘ trägt“, wurde stolz vermerkt, „und das bereit ist, die Flotte der zivilen Seenotrettung zu unterstützen“. Civilfleet verlautbarte weiter, mit einer „allseits bekannten NGO kurz vor dem Vertragsabschluss zu stehen“, sodass das Schiff „zeitnah“ auslaufen würde.

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Keine Information an Spender

Darauf folgte erneutes Schweigen. Auf der Webseite fand sich über Monate hinweg kein Bericht, kein Foto, kein Update, keine neue Statusmeldung. Die Spender erfuhren nichts darüber, ob das gecharterte Boot, das mit ihrem Geld finanziert worden war, nun schon ins Mittelmeer aufgebrochen war. Umgekehrt wurde auch kein etwaiger Abbruch der Mission kommuniziert. Erst im Juli 2019 wandte sich Civilfleet wieder an die Öffentlichkeit. Und zwar mit einem weiteren Spendenaufruf, den erneut Klaas Heufer-Umlauf, diesmal gemeinsam mit seinem Comedian-Freund Jan Böhmermann, initiierte. In der Zwischenzeit hatte die Verhaftung der deutschen Kapitänin Carola Rackete in Italien für Schlagzeilen gesorgt. So vermeldete Civilfleet nun, dass der neue Aufruf bereits fast eine Million Euro an weiteren Spenden eingebracht habe. Kein Wort fiel jedoch mehr zum gecharterten Schiff, zu dessen etwaigen Ausfahrten und der Zahl der dabei eventuell aus Seenot geretteten Menschen – also all dem, was Menschen ein Jahr zuvor dazu bewogen hatte, fast 300.000 Euro zu spenden.

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Wohin das Spendengeld floss

Was geschah also wirklich, seit die Civilfleet in der Kommunikation ihres Tuns abgetaucht ist? Addendum erhielt erstmals Einblick in eine grobe Kostenaufstellung des Vereins, der bis heute keinen Jahresabschluss ausgefertigt hat. So erschließt sich zumindest im Überblick, wofür das gesammelte Geld tatsächlich ausgegeben wurde:

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Projekte – 62.260 Euro

Für konkrete Projekte wurden demnach 62.260 Euro aufgewendet, was etwa 19,5 Prozent aller Ausgaben ausmacht. Davon flossen 25.000 Euro an die bereits bestehende NGO Sea Eye und weitere 30.000 Euro zur Anschaffung eines kleineren Rettungsbeiboots an die NGO Sea Watch. Bezahlt wurden damit auch nautische Trainings von Crewmitgliedern für den Einsatz auf Rettungsmissionen.

Lohnkosten – 38.000 Euro

Lohnkosten machten mit 38.000 Euro oder etwa 12 Prozent der Gesamtausgaben einen weiteren Posten aus. Damit soll etwa die Koordination der Civilfleet mit anderen NGOs in der Seenotrettung finanziert worden sein. In Kampagnen gegen die Kriminalisierung der Seenotrettung flossen 12.000 Euro. Derselbe Betrag wurde für Löhne zur Entwicklung einer zivilen Seenotrettungsleitstelle samt entsprechender Software investiert. Für technische und nautische Beratung wurden 7.000 Euro aufgewendet.

Sachkosten – 11.451 Euro

An Sachkosten fielen insgesamt 11.451 Euro an, was sich auf etwa 3,6 Prozent der getätigten Ausgaben beläuft. Darin enthalten sind die Gebühren für die Spendenplattform leetchi.com sowie juristische Beratung und Verwaltungskosten.

Das Projekt „Golfo Azzurro“

Die größten finanziellen Aufwendungen flossen jedoch in jenes Projekt, das den eigentlichen Vereinszweck darstellte und mit dem um Spenden geworben worden war: das Schaffen einer zivilen Flotte zur Seenotrettung, also besagte Civilfleet. Die Wahl des Schiffes, das dafür gechartert werden sollte, fiel auf die „Golfo Azzurro“. Dabei handelt es sich um einen 1987 gebauten, vierzig Meter langen Trawler, der zuvor schon einmal von der spanischen NGO „Proactiva Open Arms“ für Rettungsmissionen im Mittelmeer eingesetzt worden war. „Zu diesem Zeitpunkt hatte das Schiff eine Panama-Flagge und verfügte über alle nötigen Papiere“, erklärt der Schatzmeister von Civilfleet, Ruben Neugebauer, gegenüber Addendum. Der Eigentümer soll den Aktivisten versprochen haben, dass das Schiff binnen zehn Tagen einsatzbereit wäre, woraufhin diese die erste Charterrate überwiesen.

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Laut Darstellung von Civilfleet verloren genau in jenem Zeitraum, in dem das Schiff für den Rettungseinsatz rasch umgerüstet werden sollte, zwei andere NGO Boote „auf politischen Druck aus Italien hin“ die Flagge Panamas. Daher kam ein Auslaufen der „Golfo Azzurro“ unter dieser Flagge fortan nicht mehr in Frage. Laut eines in der Sache kundigen Insiders hätte dies auch der logische Zeitpunkt für Civilfleet sein müssen, um aus dem Projekt noch vergleichsweise unbeschadet auszusteigen und hohe Folgekosten zu vermeiden. Denn den Flaggenstaat zu wechseln, bedeutet immer auch, das Schiff komplett neu registrieren zu müssen, was entsprechend teuer ist. Doch die Verantwortlichen hielten Kurs und setzten damit in den folgenden Monaten einen wahren Ausgabemarathon in Gang.

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Das Projekt Civilfleet entgleitet

Aufseiten der Civilfleet stellt man sich diesem Zugang nur zögerlich. Die Anfragebeantwortung gegenüber Addendum verlief schleppend. Zuständigkeiten und Grundlagen für spätere Entscheidungen sind so bis heute schwer nachvollziehbar und verbleiben im Vagen. Unklar ist somit auch, bis zu welchem Grad der Grün-Politiker Erik Marquardt als Vereinsvorsitzender und Klaas Heufer-Umlauf als Initiator der Mission eingebunden waren und Verantwortung tragen.

Schatzmeister Ruben Neugebauer erklärt jedenfalls, dass der Schiffseigner den Aktivisten erneut Versprechungen machte. Er wäre kein Problem, die „Golfo Azzurro“ in kurzer Zeit umzuflaggen. Der Verein stellte ihm daher 30.000 Euro für den beabsichtigten Flaggenwechsel und die dafür notwendigen Vorbereitungen zur Verfügung. „Zahlreiche Arbeiten wurden in der Verantwortung des Schiffseigners auch durchgeführt und bezahlt“, sagt Neugebauer, „jedoch konnte er seine Zusage nicht einhalten.“ Weiteres Geld wurde demnach fällig. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätten die Alarmsirenen schrillen können, denn eine neue Flagge erfordert auch eine neue Registrierung des Schiffes. Kenner bestätigen, dass der Aufwand für einen solchen Prozess weit über einen bloßen Formalakt hinausreicht und mit umfangreichen Ausgaben verbunden ist.

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Ruben Neugebauer, Schatzmeister der Civilfleet

„Um das Schiff zeitnah in Einsatz zu bringen, wurden dem Schiffseigner deshalb ein Darlehen gewährt, um weitere Rechnungen bezahlen zu können“, sagt Neugebauer. Insgesamt kam es so zu Aufwendungen von nochmals 70.000 Euro für Versicherungen, das Bunkern von 42.000 Litern Diesel, die für einen Stabilitätstest nötig waren, welcher wiederum ein Erfordernis für den Flaggenwechsel darstellte. Um die „Golfo Azzurro“ bis zum erwarteten Zeitpunkt des Auslaufens zu blockieren, fielen zusätzlich 34.000 Euro an Charterkosten während der Umbauzeit an.

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Schiffseigner aus der Offshore-Oase

Das Projekt schien allmählich vollends zu entgleiten. Noch war an ein Auslaufen nicht zu denken, kein einziger Mensch gerettet worden, und die Kassen leerten sich weiter. Eine Addendum-Anfrage an den Vereinsvorsitzenden und Grün-Politiker Erik Marquardt mit der Bitte um Stellungnahme blieb unbeantwortet. Auch Schatzmeister Neugebauer machte insbesondere zur Person des Schiffseigners, der, wie er betont, Zusagen nicht eingehalten habe, keine weiteren Angaben.

Addendum-Recherchen zeigen nun, dass es sich dabei um eine Firma namens „Deep Water Foundation“ handelt. Diese wurde am 23. Februar 2010 in Panama City als Gesellschaft registriert. Als Adresse dient das „edificio Ibiza“, ein Apartmentkomplex im Zentrum der Hauptstadt von Panama am Pazifik. Deren im Firmenbuch verzeichnete Gründer sind im Offshore-Paradies in Zentralamerika keine Unbekannten. Ihre Namen tauchen in den Registrierungspapieren von hunderten sogenannten „sociedad anonima“ auf, was nichts anderes sind als Briefkastenfirmen.

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Völlig legal ist so dort die Anonymisierung von Vermögen ebenso möglich wie Steuerflucht, bei der weltweit Milliardenbeträge außer Landes geschafft werden. Die Briefkastenfirmen dienen auch gern zur Verschleierung von Vermögensverhältnissen, zur Steuerhinterziehung und Geldwäsche. Welchen konkreten Geschäftszweck die „Deep Water Foundation“ erfüllt, lässt sich daher nicht sagen. Es überrascht jedoch kaum, dass die Namen der beiden Eigentümer jener Firma, von der die NGO-Aktivisten ihr Rettungsschiff charterten, auch in den Offshore-Leaks-Dokumenten auftauchen. Dabei handelte es sich um ein Datenleak, welches journalistisch verwertet erstmals die dunkle Seite der globalen Finanzströme in Steuerparadiese veranschaulichte und im Jahr 2013 ein Beben auslöste.

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Schiffseigner ist die in Panama registrierte „Deep Water Foundation“.
Im Firmenbuch von Panama sind die Gründer der „Deep Water Foundation“ aufgelistet.
Diese verfügen über hunderte Briefkastenfirmen.
Die Namen der Gründer tauchen auch in der „Offshore Leaks“-Datenbasis auf.

Das Scheitern und das Schweigen

Ob die Aktivisten von Civilfleet all das ahnten oder wussten, lässt sich nicht sagen. Ruben Neugebauer, der Schatzmeister des Vereins, erteilte dazu keinerlei Auskunft. Was er sagen kann, ist, wie es mit der „Golfo Azzurro“ weiterging. Noch immer hatten die Aktivisten ja die Hoffnung, einen neuen Flaggenstaat zu finden und den Prozess der notwendigen Registrierung zu Ende zu bringen. So flossen weitere 70.000 Euro an Spendengeldern in die Ausrüstung des Schiffes. Eine Krankenstation wurde an Bord ebenso eingerichtet wie Sanitär- und Versorgungsstationen, um auf eine größere Zahl an Geretteten vorbereitet zu sein. Freiwillige halfen, wo es ging und investierten viele Stunden an ehrenamtlicher Arbeit.

Doch letztlich war alle Mühe umsonst. Schatzmeister Neugebauer erklärt die Gründe des Scheiterns gegenüber Addendum so: „Weil der Schiffseigner dennoch seine Zusagen nicht einhalten konnte, wie angekündigt eine neue Flagge für das Schiff zu bekommen und auch dort aufgrund der politischen Lage auf dem Mittelmeer Probleme mit dem Flaggenstaat auftraten, sahen wir uns gezwungen, das Projekt abzubrechen.“ Die Endabrechnung des letztlich gescheiterten Projekts „Golfo Azzurro“ hat es demnach in sich: Die Gesamtkosten beliefen sich auf 206.675 Euro. Das sind 64,91 Prozent aller getätigten Investitionen beziehungsweise 69,6 Prozent der Spendensumme.

„Der Abbruch des Projektes ist natürlich äußerst schmerzlich“, sagt Neugebauer heute, „er war jedoch zu Beginn, als auch andere Rettungsschiffe noch unter Panama-Flagge operierten, in der Form nicht absehbar.“ Civilfleet versuchte sich an Schadensbegrenzung und ließ die „teils sehr wertvollen Installationen und Eigenentwicklungen sowie das Equipment“ vom Schiff abbauen, damit es zumindest auf anderen Rettungsschiffen zum Einsatz kommen kann. Die Rückzahlung von Vorschüssen und Darlehen sei nun erst einmal Gegenstand juristischer Klärung, heißt es weiter.

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„Ich werde persönlich dafür sorgen, dass das Geld da ankommt, wo es hinmuss.“

Und Klaas Heufer-Umlauf, der Comedian, der seinen Spendern versprochen hatte, „persönlich dafür zu sorgen, dass das Geld da ankommt, wo es hinmuss“? Sein Management erklärte gegenüber Addendum, dass ihr Klient für die Beantwortung von Fragen nicht zur Verfügung stünde. Zitat: „Wir bekommen hier unzählige Anfragen zu dem Thema und müssen hier allein aus zeitlichen Gründen für Klaas Heufer-Umlauf absagen.“ 

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Anmerkung:

Einige Fragen blieben in der Recherche offen. Daher richtete Addendum am 12.9.2019 eine weitere Anfrage an den Schatzmeister der Civilfleet Ruben Neugebauer, die er jedoch bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet ließ. Die Fragen lauteten:

  • Wie viele Menschen spendeten insgesamt in Folge des #Civilfleet-Aufrufes?
  • Die „Golfo Azzuro“ stand/steht im Eigentum der „Deep Water Foundation“, gemeldet in Panama. Wer war bei den Entscheidungen im Zuge des Umbaus Ihr direkter Ansprechpartner seitens dieses Unternehmens?
  • In welchem Hafen wurden die von Ihnen angesprochenen Umbauarbeiten ausgeführt?
  • Sie schrieben im Januar dieses Jahres, dass mit Vanuatu ein Flaggenstaat gefunden wurde und die Registrierung abgeschlossen sei. Weshalb lief die „Golfo Azzuro“ dennoch nicht aus?
  • Sie erwähnten damals auch den Ankauf eines größeren, hochseetauglichen Schnellboots. Ich kann diese Position aber in der von Ihnen zugesandten Aufstellung nicht finden. Unter welcher Position sind die Kosten dafür vermerkt, wie hoch waren sie und was geschah mit diesem Boot?
  • Die NGO „Mission Lifeline“ hat mit der „Eleonore“ Deutschland als Flaggenstaat gehabt. Weshalb versuchten Sie nicht auch, Deutschland oder ein anderes Land als Flaggenstaat für die „Golfo Azzuro“ zu gewinnen?
  • Werden Sie nun versuchen, bedingt durch die politischen Veränderungen in Italien und dem absehbaren Ende der „Salvini-Blockade“ der Häfen,  die „Golfo Azzuro“ oder ein anderes Boot zur SAR auf See zu bringen?
  • In welcher Phase befindet sich der Rechtsstreit um die Rückzahlung des Darlehens durch den Schiffseigner, wo findet dieses Verfahren statt und wann rechnen Sie mit einem Urteil in diesem Fall?
  • Von welchen NGOs bzw. auf welchen SAR-Schiffen werden Teile der von Ihnen angesprochenen Sachwerte bereits verwendet? Worum handelt es sich dabei konkret und auf welchen Wert belaufen sich diese?
  • In welcher Weise und Intensität waren Klaas Heufer-Umlauf und Erik Marquardt in die Entscheidungsfindungen während der unterschiedlichen Phasen des Projekts „Golfo Azzurro“ involviert?
  • Worin sehen Sie rückblickend betrachtet den größten Fehler, den Ihr Verein im Laufe des „Golfo Azzuro“-Projektes machte?
  • Über wie viele angestellte und ehrenamtliche Mitarbeiter verfügt Ihr Verein aktuell?

Hinweis, 23.9.2019:

Nach Veröffentlichung des Artikels meldete sich Erik Marquardt, der Vereinsvorsitzende von Civilfleet, mit dieser Stellungnahme.

In Bezug auf den nicht mitgeteilten Redaktionsschluss hält Addendum fest, dass bei der zuletzt gestellten Anfrage an Schatzmeister Ruben Neugebauer um eine zeitnahe Antwort gebeten wurde, nachdem zuvor mitunter Wochen vergingen, bevor Antworten eintrafen. Nachdem auch eine weitere Nachfrage diesbezüglich unbeantwortet geblieben war, veröffentlichte Addendum neun Tage nach dieser letzten Anfrage die Recherchen.

22.09.2019

Der Autor

Christoph Lehermayr
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