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Die Gemeinde liegt innerhalb des Bezirk . Im Jahr 2018 arbeiteten in den Polizeiinspektionen in diesem Bezirk Polizisten. 2010 waren es .

Im Jahr 2018 gab es Anzeigen wegen Gewaltdelikten – das ist im bundesweiten Vergleich . Prozent werden aufgeklärt. Das ist im Vergleich eine Aufklärungsrate.

Bei Eigentumsdelikten ist der Bezirk betroffen: 2018 gab es Anzeigen, davon wurden Prozent aufgeklärt.

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In Wahlkämpfen und darüber hinaus ist die Forderung nach mehr Polizisten auf den Straßen populär, die Schließung von Polizeiinspektionen ist es weit weniger.

Mehr Polizei, mehr Sicherheit?

Es gibt keinen Politiker, der sich für einen Abbau von Polizisten einsetzt. Besonders nicht in Wahlkampfzeiten. Dabei ist unklar, ob zusätzliche Polizeipräsenz zur Senkung der Kriminalität beiträgt oder ob dadurch das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung gestärkt wird. Studien legen nahe, dass zu viel Polizei tatsächlich das Unsicherheitsgefühl erhöht. Trotzdem wehren sich Bürgermeister mit Händen und Füßen, wenn ihre Polizeiinspektion einer Strukturreform zum Opfer fallen soll.

Doch wie hat sich in den vergangenen Jahren die Verteilung der Bundespolizei übers Land verändert? Addendum hat dazu Datenmaterial des Innenministeriums ausgewertet. Ausgehend von den Polizeiinspektionen (PI), den früheren Wachzimmern und Posten, die jeweils ein bestimmtes geographisches Gebiet abdecken, lässt sich erstmals die Polizeidichte im gesamten Bundesgebiet darstellen.

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In Städten mit eigenem Statut, in denen die Landespolizeidirektion Sicherheitsbehörde erster Instanz ist, wird die Sicherheitsverwaltung von Stadtpolizeikommanden im Auftrag der LPD bzw. der ihr untergeordneten Polizeikommissariate als Sicherheitsbehörden besorgt. Das betrifft solche Städte, für deren Sicherheit bereits vor der Zusammenlegung mit der Gendarmerie die Bundespolizei sorgte.

Die Polizeiinspektionen sind oft für mehrere Gemeinden zuständig. Sie nehmen Anzeigen von Bürgern entgegen und sind für die Streifendienste verantwortlich. Den PI sind Bezirkspolizeikommanden (BPK), in einigen größeren Städten, Stadtpolizeikommanden, übergeordnet. Auf Landesebene besteht jeweils eine Landespolizeidirektion (LPD), die wiederum dem Innenministerium untergeordnet ist.

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Methodik

Für eine Darstellung der Polizeidichte in Österreich sind die Polizeiinspektionen daher der logische Ausgangspunkt. Die Bundespolizei ist aber nicht überall gleich organisiert. Das ist ein Erbe der früheren Aufteilung in Polizei und Gendarmerie. In den meisten Statutarstädten gibt statt der Bezirkspolizeikommanden daher Stadtpolizeikommanden. Zu diesen zählen neben den Polizeiinspektionen auch Polizeianhaltezentren oder Grenzpolizeieinheiten. Da die Zuordnung auf den geographischen Einheiten basiert, werden die übergeordneten Beamten, die zu einem übergeordneten Stadtpolizeikommando gehören, in dieser Auswertung nicht hinzugezählt. In Österreichs größeren Städten gibt es deshalb je nach Stadt zwischen 20 und hundert Beamte mehr, als angeführt. Nicht korrekt dargestellt ist deshalb der Personalstand der Gemeinde Schwechat, deren Stadtpolizeikommanden einen eigenen Polizeibezirk abdeckt. Zu diesem zählen die Polizisten des Flughafengebietes, also der Gemeinden Fischamend, Klein-Neusiedl und Schwadorf und die Grenzpolizisten am Flughafen Schwechat, aufgrund der abweichenden Organisationsform können diese nicht vergleichbar mit anderen Gemeinden auf die Bevölkerung hochgerechnet werden.

Die Daten zu den Personalzahlen (gezählte Köpfe) für die Jahre 2010 und 2018 wurden mit den Vollzeitäquivalenten aus dem Jahr 2018 abgeglichen, die verschiedenen Polizeistationen anschließend auf der Basis der Geodaten den einzelnen Polizeibezirken zugeordnet. Viele Tätigkeiten werden allerdings auf überregionaler Ebene in den Bezirkspolizeiabteilungen durchgeführt, dort sind auch die Polizeihundeabteilungen, die Autobahnpolizei oder Grenzpolizeiinspektionen angesiedelt. Da die Auswertung sich allerdings auf den täglichen Dienst und nicht auf spezialisierte Tätigkeiten konzentriert, wurden diese Sondereinheiten außen vorgelassen und nur die Mitarbeiter der Bezirkspolizeikommandos hineingerechnet. Da Grenzpolizeieinheiten zu einer erhöhten Anzahl von Polizisten in Grenzregionen führen würde, wird die Dichte so etwas korrigiert. Dennoch auffällig sind die Polizisten, die den Polizeiinspektionen zu Ausgleichsmaßnahmen entsandt sind, da diese nur im regulären Personalstand der Inspektionen erfasst sind. Gleichzeitig führen die verschiedenen Bezeichnungen der Stationen – wie über Ausgleichsmaßnahmen – dazu, dass rund 500 Vollzeitäquivalente (etwa drei Prozent der Polizisten) nicht eindeutig Inspektionen zugeordnet werden konnten, deren geographische Zuständigkeit bekannt ist.  Ebenso konnten bei vier von 760 Polizeibezirken  keine Vollzeitäquivalente zugeordnet werden.

Die gesperrten Polizeistationen wurden durch einen Vergleich ermittelt, welche Stationen 2018 kein Personal mehr hatten. In städtischen Gebieten konnten beispielsweise Umzüge einer Station nicht garantiert nachgewiesen oder ausgeschlossen werden konnten, diese sind daher nicht inkludiert. Alle weiteren Stationen wurden mit bekannten Informationen zu Polizeireformen gegengeprüft, ein Großteil der angeführten Schließungen fand im Zuge der Reform 2013 statt und konnten eindeutig nachgewiesen werden, weitere wurden durch Medienberichte verifiziert.

Immer weniger Polizeistationen am Land

Das Innenministerium entscheidet, welches Bundesland wie viele Planstellen für Polizisten erhält. Über die weitere Aufteilung die Landespolizeidirektion. Damit soll auf regionale Bedürfnisse eingegangen werden. Deren Zahl wurde bereits in den 1990er-Jahren mehrfach durch Zusammenlegungen verkleinert. Mit der Reform 2004 wurden Gendarmerie und Polizei schließlich zusammengelegt. Um Ressourcen zu bündeln, wurden viele Einheiten zentralisiert zusammengefasst. Zwischen 2010 und 2018 konnten so bis zu 150 weitere Polizeistationen geschlossen werden. Ein Großteil dieser Schließungen fand im Zuge der letzten Polizeireform 2013 statt, mehr als hundert der betroffenen Inspektionen hatten weniger als zehn Mitarbeiter.

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Die Polizeidichte steigt

Obwohl es weniger Polizeiinspektionen gibt, ist die Polizei oft präsenter als vorher. Die Zahl der Polizisten ist zwischen 2010 und 2018 um rund 2.500 Beamte angestiegen.

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Selbst wenn man die zusätzlichen Polizisten auf die Bevölkerungsentwicklung umlegt, bleibt österreichweit eine Steigerung von 1,5 auf 1,8 Polizisten in Polizeiinspektionen je 1.000 Einwohner. Allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Durch diese sogenannte differenzierte Polizeidichte kann der Polizeiapparat auf die Entwicklungen der Gewalt- und Eigentumsdelikte, aber auch auf mögliche Flüchtlingsströme oder Schleppertätigkeiten reagieren.

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Ausnahmefall Grenzbezirk

Nach dem prinzipiellen Ende der Grenzkontrollen im Schengenraum wurden die Kontrollen im Hinterland durch sogenannte Ausgleichsmaßnahmen (AGM) intensiviert. Diese erklären die hohe Polizeidichte in den politischen Bezirken Hermagor, Güssing und Jennersdorf. In diesen drei Grenzbezirken kommen mehr als drei Polizisten auf 1.000 Einwohner, obwohl die Anzeigenrate von Gewalt- und Eigentumsdelikten im Bundesvergleich unter dem Durchschnitt liegt.

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Ausnahmefall Stadtzentrum

Nur in den Wiener Bezirken Innere Stadt, Neubau und Josefstadt gibt es eine noch höhere Polizeidichte. Der mit besonders vielen Polizisten ausgestattete erste Bezirk bildet eine Ausnahme: Obwohl er eine für Wiener Verhältnisse geringe Wohnbevölkerung aufweist, werden dort verhältnismäßig viele Delikte verübt – was sich hauptsächlich auf den Tourismus zurückführen lässt. Die erhöhte Polizeipräsenz ist hier eindeutig eine Folge der überdurchschnittlichen Kriminalitätsrate.

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Mehr Polizei, weniger Delikte?

Die Landespolizeidirektionen versuchen über die Polizeipräsenz und unter Beachtung der Deliktraten die Kriminalität zu senken. Dieses Konzept basiert auf der Annahme, dass eine höhere Polizeidichte auch in einer verstärkten Streifentätigkeit mündet – ein Argument, das bei der Zusammenlegung von Dienststellen öfter ins Spiel gebracht wird. Eine erhöhte Polizeipräsenz soll etwa abschreckend auf Einbrecher wirken und so die Anzahl der Eigentumsdelikte senken. Einige Bezirke und Bundesländer in Österreich und auch deutsche Behörden erklären einen Rückgang der Eigentumsdelikte oft als Folge erhöhter Polizeipräsenz (wie etwa hier und hier).

Für zwei Bezirke könnte dieser Zusammenhang zutreffen. Im Bezirk Hermagor gibt es die niedrigste Anzeigenrate von Gewaltdelikten. Der Bezirk Güssing hat die niedrigste Anzeigenrate von Eigentumsdelikten. In beiden Bezirken finden sich verhältnismäßig viele Polizisten. Dem österreichweiten Trend entspricht es nicht: Im Schnitt haben Bezirke mit einer höheren Polizeidichte eine höhere Anzeigenrate und zwar sowohl bei Gewalt-, als auch bei Eigentumsdelikten. Die Vermutung liegt nahe, dass hier, wie im ersten Wiener Gemeindebezirk, mit verstärkter Polizeipräsenz auf eine erhöhte Kriminalitätsrate reagiert wurde.

Da die Kriminalitätsraten in Städten grundsätzlich höher sind, als in ländlichen Gebieten10, gibt es in Städten im Vergleich zur Bevölkerung sehr viele Polizisten. Das führt in der Debatte über die Verteilung der Polizei oftmals zu einem Konflikt. Denn in ländlichen Gebieten decken Polizeiinspektionen oftmals größere Gebiete ab, und sind vor allem in kleineren Ortschaften damit optisch weniger präsent. Aufgrund der niedrigeren Bevölkerungsdichte ist die Rate der Polizisten pro 1.000 Einwohner dort statistisch gesehen deutlich niedriger. Das sieht man gut am Beispiel Oberösterreichs: Dort gibt es viele dünn besiedelte Bezirke, in denen es weniger als 1,5 Polizisten pro 1.000 Einwohner gibt. Allerdings liegen auch die Raten für Gewalt- und Eigentumsdelikte in Oberösterreich unter dem bundesweiten Durchschnitt. Gleiches gilt eigentlich auch für das nördliche Niederösterreich. Allerdings gibt es dort deutlich mehr Polizeiinspektionen.  

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18.09.2019

Das Rechercheteam

Danijel Beljan
Stefanie Braunisch

Stefanie Braunisch ist neugierig. Während des Journalismusstudiums an der FH Wien hat sie begonnen, im Kulturbereich journalistische Erfahrungen zu sammeln, dann hat die Neugierde doch gewonnen. In Folge hat sie zwei Jahre bei Dossier gearbeitet und versucht, alles mögliche über den Staat, Funktionsweisen und vor allem Steuergeldverschwendung herauszufinden. Jetzt ist sie investigativ für Addendum unterwegs.

Gerald Gartner

Gerald Gartner kuratiert, analysiert und visualisiert große Datenmengen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen. Er lehrt an der Fachhochschule Wien. Davor war er für derStandard.at und NZZ.at in Wien tätig.

Markus „Fin“ Hametner

Markus Hametner hat Informatik studiert, baut seit 2011 Brücken zwischen Technologie und Journalismus und beschäftigt sich seit 2014 als Datenjournalist mit internationalen Datenrecherchen und interaktiven Visualisierungsformen. In seiner Freizeit betreibt er als Mitgründer des Forum Informationsfreiheit die Plattform FragDenStaat.at und trägt erfolgreich Rechtsstreite mit Behörden aus, die Auskünfte verweigern.

Moritz Moser
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