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Land der Berge: Eine Skination auf Talfahrt?

Im Skisport ist Österreich immer noch eine Weltmacht, das wird das rot-weiß-rote Aufgebot auch bei den eben begonnenen olympischen Winterspielen in Südkorea wieder mehr oder weniger eindrucksvoll unter Beweis stellen. Kritiker weisen seit jeher darauf hin, dass dieser Weltmachtstatus doch auch ein bisschen relativ und es also ein bisschen so sei, als wäre man als Fiaker in Wien weltberühmt.

Wahr ist an der Kritik, dass der alpine Skisport alles andere als ein Weltphänomen ist. Wahr ist auch, dass die professionelle Spitze des alpinen Skisports immer weniger von einer gesellschaftlichen Breite versorgt wird. Die Zahl der österreichischen Skifahrer nimmt kontinuierlich ab. Der Freizeitforscher Peter Zellmann berichtet03 von Daten, die besagen, dass die Zahl der „Nichtskifahrer“ innerhalb von zwei Jahrzehnten von 40 auf über 60 Prozent gestiegen ist – eine Zunahme von mehr als 50 Prozent Skiverweigerern innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums.

Häufig hört man, dass die gefühlt rasante Verteuerung des Skisports für diesen Rückgang verantwortlich sei, Skifahren könnten sich angesichts der gestiegenen Preise für Unterbringung und Lifttickets nur noch „die Reichen“ leisten, heißt es. Das stimmt nur zum Teil.04

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Erstens war der einwöchige Hotel-Skiurlaub für die ganze Familie immer schon etwas, was sich nur die obere Mittelschicht und die Oberschicht leisten konnten.

Zweitens ist auch der Verteuerungs-Befund nicht eindeutig: Zwar sind die Preise für Liftkarten und Unterbringung stärker gestiegen als der Verbraucherpreis – im einen Fall, um die Investitionen in künstliche Beschneiung zurückzuverdienen, im anderen Fall, um das Geld für ausgebaute Spa-Bereiche zurückzuverdienen –, gleichzeitig sind aber die Preise für die Ausrüstung eher gesunken als gestiegen.

Die Zukunft des Skisports entscheidet sich allerdings weniger an der Kasse des Sportgeschäfts und auch nicht unbedingt daran, wie erfolgreich Schulskikurse die Wintertouristen von morgen heranziehen07, sondern eher in der Entwicklung des globalen Klimas. Ein Teil des Rückgangs im Breiten-Wintersport ist schon jetzt klimabedingt: Skigebiete in tieferen Lagen rund um und unter 1.000 Meter Seehöhe bekommen einfach nicht mehr genug Schnee, das betrifft vor allem jene Gebiete in Ostösterreich, in denen noch vor 20 Jahren das Skifahren auch jenseits des exklusiven Urlaubs in den Bergen des Westens eine Selbstverständlichkeit war.

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Dass der Skisport dem Klimawandel zur Gänze zum Opfer fällt02, glaubt kaum jemand. Wohl aber zeichnet sich ab, dass die Schere wie in vielen anderen Bereichen auch auseinandergeht: Immer weniger Menschen werden in immer größeren, attraktiveren und teureren Skigebieten ihrer Leidenschaft frönen, während die kleineren, niedriger gelegenen, weniger attraktiven Skigebiete eines um das andere schließen werden. Fest steht auch: Es ist vom Klimawandel unabhängig keine besonders gute Idee, wenn man sich als Skigebiet in prekärer Schneelage mit Leuten einlässt, denen der Skisport, der regionale Tourismus und auch sonst alles außer ihrem persönlichen Vorteil und ihren undurchsichtigen Finanzabfahrten08 egal ist.

Aber was weiß man schon. Prognosen, sagte Mark Twain zu Recht, sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.  

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Team

Stefanie Braunisch
Team Recherche

Stefanie Braunisch ist neugierig. Während des Journalismusstudiums an der FH Wien hat sie begonnen, im Kulturbereich journalistische Erfahrungen zu sammeln, dann hat die Neugierde doch gewonnen. In Folge hat sie zwei Jahre bei Dossier gearbeitet und versucht, alles mögliche über den Staat, Funktionsweisen und vor allem Steuergeldverschwendung herauszufinden. Jetzt ist sie investigativ für Addendum unterwegs.

Mathias Dechant
Team Experten

Mathias Dechant hat Rechtswissenschaften an der Universität Wien studiert. Danach Ausbildung zum Rechtsanwalt; Schwerpunkte in den Bereichen Zivilrecht, Corporate und M&A sowie IP. Er war seit den Anfängen des Studiums bis zuletzt in Wiener und Salzburger Wirtschaftskanzleien tätig.

Judith Denkmayr
Team Recherche

Judith Denkmayr studierte Publizistik, Germanistik und Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien und startete ihre berufliche Laufbahn als freie Journalistin. Nach mehreren Jahren in Redaktionen wechselte sie auf die Vermarktungsseite, Schwerpunkt Onlinemarketing und Social Media. Für ATV entwickelte sie 2009 die erfolgreiche Digital-Relations-Strategie der Politik-Sendung „Am Punkt“. Anfang 2010 begründete sie die Agentur Digital Affairs. 2014 verkaufte sie die Agentur an VICE CEE und war bis Anfang 2017 im Agenturarm VIRTUE tätig. Seit April 2017 ist sie für die Leitung der Digitalagenden bei der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH zuständig.

Rainer Fleckl
Projektleitung

Rainer Fleckl will den Dingen auf den Grund gehen. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und startete seine ersten investigativen Recherchen im Sportressort des „Kurier“, dessen Leitung er 2008 übernahm. 2010 wurde er mit dem Aufbau einer Rechercheabteilung betraut. Vor seinem Engagement bei Quo Vadis Veritas war Fleckl als Bereichsleiter bei ServusTV und in der Chefredaktion von „News“ tätig.

Claudia Grünwald
Team TV
Markus „Fin“ Hametner
Team Daten

Markus Hametner hat Informatik studiert, baut seit 2011 Brücken zwischen Technologie und Journalismus und beschäftigt sich seit 2014 als Datenjournalist mit internationalen Datenrecherchen und interaktiven Visualisierungsformen. In seiner Freizeit betreibt er als Mitgründer des Forum Informationsfreiheit die Plattform FragDenStaat.at und trägt erfolgreich Rechtsstreite mit Behörden aus, die Auskünfte verweigern.

Christoph Hanslik
Team Recherche

Christoph Hanslik war in den vergangenen 17 Jahren als Unternehmer am internationalen Finanzmarkt tätig. Seine Erfahrungen stellte er drei Jahre im Parlament als Fachreferent für die Bereiche Budgetausschuss, Finanzausschuss, ESM-Ausschuss sowie als Teamleiter des HYPO-Untersuchungsausschuss zur Verfügung. Jetzt berät er das investigative Rechercheteam von Addendum.

Gabriel Hellmann
Team Experten

Gabriel Hellmann hat Rechtswissenschaften und die öffentliche Finanzkontrolle studiert. Er diente den Medien, den Kommunen, dem Staat und nun den Bürgern. Transparenz und Gerechtigkeit sind ihm große Anliegen, denen er sich akribisch verpflichtet fühlt.

Maria Kern
Team Recherche

Maria Kern war in den vergangenen zehn Jahren Innenpolitik-Redakteurin des „Kurier“. Zuvor war sie im EU-Ressort und in der Chronik-Redaktion der Tageszeitung tätig. Die Publizistik- und Politikwissenschaftsabsolventin der Uni Wien sieht es als ihre Aufgabe an, Bürgern komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge zu erklären und auch aufzuzeigen, was im Land schiefläuft.

Michael Mayrhofer
Team Social Media

Michael Mayrhofer hat an der Universität Wien Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studiert. Während verschiedener Praktika im Journalismus bei Puls4 und ORF entdeckte er seine Liebe zum Social-Media-Journalismus. Die Menschen mit Information zu verführen – das ist sein Motto. Nebenbei war er auch Teil des Interview-Podcasts „Was soll das?“. Zuletzt war er freier Mitarbeiter im Social-Media-Team der Zeit im Bild.

Alexander Millecker
Team TV
Sebastian Reinhart
Team Recherche

Sebastian Reinhart hat Politikwissenschaft und Wirtschaftsrecht an der Universität Innsbruck studiert. Danach war er im Nationalrat als Referent für die Fachbereiche Finanzen, Budget, ESM und Europa verantwortlich. Seit dem Hypo-Untersuchungsausschuss sieht er Österreich mit anderen Augen.

Georg Renner
Team Recherche

Georg Renner hat Rechtswissenschaften studiert, weil er wissen wollte, wie Dinge (Staaten, Städte, die Gesellschaft …) funktionieren, was sie zusammenhält. Nachdem ihm dort kein Erfolg beschieden war, geht er dieser Frage nun journalistisch nach; zuvor bei „NZZ.at“ und „Die Presse“.

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