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Über Forderungen, Förderungen und Überforderungen

Vor allem kleine Skigebiete, die keine Schneesicherheit haben, sind oft auf die öffentliche Hand angewiesen. Große wiederum erhalten Zuschüsse aus Fördertöpfen der EU. Einen Gesamtüberblick gibt es nicht. Nur höchst unterschiedliche Strategien, die Bund, Länder und Gemeinden mit ihrer Subventionspolitik verfolgen.

15.02.2018
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Die Konkurrenz unter Österreichs Skiliftbetreibern ist groß. Die Ansprüche der Gäste steigen, sie erwarten beheizte Lifte, zügige Bergfahrten und perfekten Schnee. Das hat natürlich einen Preis. Alleine im Winter 2017/18 hat die österreichische Seilbahnbranche insgesamt 582 Millionen Euro in Anlagen investiert. Dieser Investitionsdruck bevorzugt laut dem Seilbahnfachverband in der Wirtschaftskammer die größeren Player. Sie können sich Neuerungen leichter leisten. Kleinere Liftbetreiber oder Seilbahnbesitzer sind indes auch auf Förderungen oder das öffentliche Interesse an ihrem Erhalt angewiesen.

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Förderung ist nicht gleich Förderung

Das Land Oberösterreich gewährt Investitionszuschüsse oder Beiträge zum laufenden Betrieb, in Salzburg werden Förderungen zur Lehrlingsweiterbildung an Seilbahngesellschaften ausbezahlt. Auch in Niederösterreich fließen Regionalförderungen an Liftbetreiber und an die landeseigene Niederösterreichische Bergbahnen Beteiligungsgesellschaft. In Tirol wiederum können Kleinst- und Kleinskigebiete Förderungen für Investitionen beantragen.

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Je nach Bundesland gibt es unterschiedlichste Auszahlungsmodelle, einzig Vorarlberg hat mit 100.000 Euro pro Jahr eine Obergrenze für Förderungen festgelegt. Ausgeschüttet wird nur an Klein- und Kleinstskigebiete. Die Argumentation dahinter: Kleine Skigebiete übernehmen eine Nahversorgerfunktion; dort lernen Kinder in ländlichen Gebieten Ski fahren, werden für den Skisport begeistert und somit zu Skitouristen der Zukunft gemacht.

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Gefördert werden Verbesserungsmaßnahmen für Skigebiete mit einer Förderkapazität von maximal 10.000 Personen pro Stunde – nach Umsetzung der Maßnahmen. Das Land liefert einen Einmalzuschuss von höchstens 50 Prozent beziehungsweise bis zu einer Million Euro der förderbaren Kosten. Erneuerungs- und Ersatzinvestitionen werden nur in Kleinstskigebieten gefördert. Ziel des Förderprojekts ist, das Angebot und die Wirtschaftlichkeit für sogenannte Nahversorger-Skigebiete zu verbessern.

Das Land Vorarlberg fördert Infrastruktur in Klein- und Kleinstskigebieten mit maximal 10.000 Personen Förderkapazität pro Stunde. Liftgesellschaften erhalten je nach Höhe der Investition bis zu 50 Prozent der Kosten oder 10.000 Euro Zuschuss, bei Investitionen ab 50.000 Euro bis zu 40.000 Euro Zuschuss.

Der Steuerzahler als Teilhaber

Einige Bundesländer besitzen – ebenso wie die Republik Österreich – Anteile an Skiliftgesellschaften oder treten selbst als Liftbetreiber in Erscheinung. Manche Liftgesellschaften befinden sich zur Gänze im Eigentum von Gemeinden. Wir haben uns unterschiedliche Formen der Quersubventionierung durch die öffentliche Hand näher angesehen.

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Vorarlberg, Kärnten, Salzburg, Oberösterreich und Niederösterreich

1. Von der Gemeinde für die Gemeinde

Ein Beispiel, das die wirtschaftliche Abhängigkeit eines kleinen Skigebiets vom Steuerzahler illustriert, ist die Simonhöhe in St. Urban. Das Skigebiet ist hauptsächlich auf Kinder spezialisiert, Erik Schinegger betreibt hier seit über 40 Jahren eine Skischule. Mit nur sechs Schleppliften, die sich auf einer Seehöhe zwischen 990 und 1.340 Meter befinden, stellt sich fast zwangsläufig die Zukunftsfrage. Schenkt man einer Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft, Forschung und Wissenschaft aus dem Jahr 2012 Glauben, werden Skigebiete in Kärnten im Jahr 2030 in der Regel erst ab einer Seehöhe von 1.535 Meter schneesicher sein.

Konkurs trotz Förderung

Die Simonhöhe wurde vor einem halben Jahrhundert vom damaligen Bürgermeister Johann Scheiber erschlossen, in weiterer Folge stiegen Privatpersonen, die Kärntner Tourismusholding und Privatfirmen ein. Seit 2008 hält die Gemeinde 93,9 Prozent. Zwischen 2000 und 2004 wurden 5,6 Millionen Euro in den Ausbau des Skigebiets investiert, etwas mehr als eine Million kam aus Förderungen. Kernstück der Investitionen: ein Sessellift, der von den Gästen allerdings kaum genutzt wurde und die Liftgesellschaft in Schieflage brachte. Einige warme, schneearme Winter schadeten dem Skigebiet weiter, 2010 musste die St. Urbaner Schiliftgesellschaft Konkurs anmelden – obwohl das Land regelmäßig Förderungen zuschoss, um das Überleben des Skigebiets zu sichern.

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Das Skigebiet Simonhöhe
Das Skigebiet Simonhöhe
Das Skigebiet Simonhöhe
Das Skigebiet Simonhöhe
Das Skigebiet Simonhöhe

Sanierung auf öffentliche Kosten

Es folgte ein Zwangsausgleich. Und wieder musste die öffentliche Hand aushelfen: Land Kärnten und die Gemeinde St. Oswald schossen zu, der Sessellift wurde abgebaut, die Betriebskosten reduziert. Damit nicht genug: Für 2018 kündigte der zuständige VP-Landesrat Christian Benger erneut Förderungen für eine neue Beschneiungsanlage und Kühltürme an.

Zumindest St. Urban ist zufrieden mit den Ergebnissen und hegt Hoffnung auf zukünftige Gewinne. Seit Februar 2018 steckt in der St. Urbaner Schiliftgesellschaft kein Fremdkapital mehr. Doch bei näherer Betrachtung bleibt die Frage nach der Perspektive: Auf der Simonhöhe gibt es kaum Übernachtungsmöglichkeiten und nur eine Skihütte. Zu wenig, um Touristen für ganze Ferienwochen anzulocken. Darüber hinaus besteht eine Altlast: Der Gründer und Ex-Bürgermeister besitzt nach wie vor Grundstücke. Vor einem halben Jahrhundert hatte er die Pachtverträge mit sich selbst abgeschlossen, auch heute zahlt ihm die Gemeinde noch die hohe, alte Pachtsumme – und alleine knapp 30.000 Euro jährlich für das Wasser der Beschneiungsanlage.

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2. Gegen den Plan

Auch das Land Niederösterreich will mit Förderungen und Zuschüssen Arbeitsplätze in den Wintersportgebieten erhalten. Im Jahr 2011 wurde in einer ausführlichen Analyse das Tourismuspotenzial regionaler Skigebiete erhoben, um sich an zukunftsträchtigen Skigebieten zu beteiligen oder diese zu übernehmen. Mit dieser Strategie sollte sichergestellt werden, dass Tourismusregionen erhalten und Arbeitsplätze in Skischulen, Bergbahnen, Gastronomiebetrieben und Hotels gesichert werden.

Die Gemeindealpe in Mitterbach hatte allerdings nicht genügend Potenzial, um in das Portfolio der neu gegründeten Niederösterreichischen Bergbahnen Beteiligungsgesellschaft (NÖBB) aufgenommen zu werden. Trotzdem gehört die Gemeindealpe mittlerweile zu den Landesbeteiligungen, allerdings über die Niederösterreichische Verkehrsorganisation GmbH (NÖVOG). Was wie eine Fehlplanung wirkt, erklärt man beim Land so: Durch die Beteiligung an der Mariazellerbahn, die von St. Pölten nach Mariazell führt, ist die NÖVOG in der Region involviert, man wollte also die Wertschöpfung durch das Skigebiet nicht einfach verfallen lassen. Außerdem sei die Entscheidung ohnehin in Absprache mit anderen Landesressorts getroffen worden.

Das Land ist zufrieden

Heute zeigt sich das Land mit den Ergebnissen zufrieden. Weil Niederösterreich im Österreich-Vergleich besonders wenig Schneesicherheit aufweist, wird sowohl bei den Skigebieten der NÖBB als auch auf der Gemeindealpe in Beschneiung investiert. 2013 erhielt Mitterbach eine neue Anlage, 2018 feierte das Gebiet den „stärksten Saisonauftakt seit Übernahme“.

Im Sommer 2017 hatte die Gemeindealpe 51.300 Gäste, 15.000 mehr als in der vorhergehenden Wintersaison. Die Entscheidung für die Gemeindealpe dürfte für die NÖVOG richtig gewesen sein. Jobs wurden erhalten, ein neues Hotel eröffnet und auch in der Gastronomie wurden Privatinvestoren tätig. Dennoch wurden 2016 11.794.153,95 Euro an Investitionszuschüssen an die Bergbahnen Mitterbach GmbH ausgezahlt. Zuschüsse, die schlussendlich aus der öffentlichen Hand kommen – und denen ein Umsatz von 1.104.860 Euro gegenübersteht.

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3. Viel Förderung, viel Intransparenz

Unterstützung für Liftbetriebe bedeutet aber nicht immer, dass die Politik Arbeitsplätze sichern möchte. Manche Liftgesellschaften qualifizieren sich sogar für Agrarförderungen. So erhielt beispielsweise die Ing. Bildstein GmbH, bilanzmäßig größter Liftbetreiber im Gebiet Ski Arlberg, im Jahr 2016 auch eine EU-Förderung für Agrar- und Klimamaßnahmen, in Höhe von ein paar tausend Euro. Zusätzlich kam die Seilbahngesellschaft in den Genuss von Förderungen für nachhaltige Landbewirtschaftungsmethoden und Tierschutz. Interessanter als der Umstand, dass ein Betreiber in einem profitablen Skigebiet Agrarförderungen in Höhe von knapp 20.000 Euro erhält, ist freilich der Umstand, dass der größte Posten davon unter dem Titel „naturbedingt benachteiligte Gebiete“ fließt. Wohl auch deshalb, weil der Ausbau der Liftanlagen am Arlberg regelmäßig für jahrelange Diskussionen und Verfahren über Naturschutzauflagen sorgt.

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Liftanlage der Skilifte Bildstein

Warum auch immer sich Skigebiete und Liftbetreiber für Förderungen qualifizieren – eine Gesamtaufstellung über Zahl und Höhe der österreichweiten Förderungen gibt es auch in diesem Bereich nicht, weil zu viele unterschiedlichen Stellen zu viele unterschiedliche Förderungen ausbezahlen. 

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15.02.2018

Das Rechercheteam

Stefanie Braunisch
Team Recherche

Stefanie Braunisch ist neugierig. Während des Journalismusstudiums an der FH Wien hat sie begonnen, im Kulturbereich journalistische Erfahrungen zu sammeln, dann hat die Neugierde doch gewonnen. In Folge hat sie zwei Jahre bei Dossier gearbeitet und versucht, alles mögliche über den Staat, Funktionsweisen und vor allem Steuergeldverschwendung herauszufinden. Jetzt ist sie investigativ für Addendum unterwegs.

Mathias Dechant
Team Experten

Mathias Dechant hat Rechtswissenschaften an der Universität Wien studiert. Danach Ausbildung zum Rechtsanwalt; Schwerpunkte in den Bereichen Zivilrecht, Corporate und M&A sowie IP. Er war seit den Anfängen des Studiums bis zuletzt in Wiener und Salzburger Wirtschaftskanzleien tätig.

Judith Denkmayr
Team Recherche

Judith Denkmayr studierte Publizistik, Germanistik und Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien und startete ihre berufliche Laufbahn als freie Journalistin. Nach mehreren Jahren in Redaktionen wechselte sie auf die Vermarktungsseite, Schwerpunkt Onlinemarketing und Social Media. Für ATV entwickelte sie 2009 die erfolgreiche Digital-Relations-Strategie der Politik-Sendung „Am Punkt“. Anfang 2010 begründete sie die Agentur Digital Affairs. 2014 verkaufte sie die Agentur an VICE CEE und war bis Anfang 2017 im Agenturarm VIRTUE tätig. Seit April 2017 ist sie für die Leitung der Digitalagenden bei der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH zuständig.

Rainer Fleckl
Projektleitung

Rainer Fleckl will den Dingen auf den Grund gehen. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und startete seine ersten investigativen Recherchen im Sportressort des „Kurier“, dessen Leitung er 2008 übernahm. 2010 wurde er mit dem Aufbau einer Rechercheabteilung betraut. Vor seinem Engagement bei Quo Vadis Veritas war Fleckl als Bereichsleiter bei ServusTV und in der Chefredaktion von „News“ tätig.

Claudia Grünwald
Team TV
Markus „Fin“ Hametner
Team Daten

Markus Hametner hat Informatik studiert, baut seit 2011 Brücken zwischen Technologie und Journalismus und beschäftigt sich seit 2014 als Datenjournalist mit internationalen Datenrecherchen und interaktiven Visualisierungsformen. In seiner Freizeit betreibt er als Mitgründer des Forum Informationsfreiheit die Plattform FragDenStaat.at und trägt erfolgreich Rechtsstreite mit Behörden aus, die Auskünfte verweigern.

Christoph Hanslik
Team Recherche

Christoph Hanslik war in den vergangenen 17 Jahren als Unternehmer am internationalen Finanzmarkt tätig. Seine Erfahrungen stellte er drei Jahre im Parlament als Fachreferent für die Bereiche Budgetausschuss, Finanzausschuss, ESM-Ausschuss sowie als Teamleiter des HYPO-Untersuchungsausschuss zur Verfügung. Jetzt berät er das investigative Rechercheteam von Addendum.

Gabriel Hellmann
Team Experten

Gabriel Hellmann hat Rechtswissenschaften und die öffentliche Finanzkontrolle studiert. Er diente den Medien, den Kommunen, dem Staat und nun den Bürgern. Transparenz und Gerechtigkeit sind ihm große Anliegen, denen er sich akribisch verpflichtet fühlt.

Maria Kern
Team Recherche

Maria Kern war in den vergangenen zehn Jahren Innenpolitik-Redakteurin des „Kurier“. Zuvor war sie im EU-Ressort und in der Chronik-Redaktion der Tageszeitung tätig. Die Publizistik- und Politikwissenschaftsabsolventin der Uni Wien sieht es als ihre Aufgabe an, Bürgern komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge zu erklären und auch aufzuzeigen, was im Land schiefläuft.

Michael Mayrhofer
Team Social Media

Michael Mayrhofer hat an der Universität Wien Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studiert. Während verschiedener Praktika im Journalismus bei Puls4 und ORF entdeckte er seine Liebe zum Social-Media-Journalismus. Die Menschen mit Information zu verführen – das ist sein Motto. Nebenbei war er auch Teil des Interview-Podcasts „Was soll das?“. Zuletzt war er freier Mitarbeiter im Social-Media-Team der Zeit im Bild.

Alexander Millecker
Team TV
Sebastian Reinhart
Team Recherche

Sebastian Reinhart hat Politikwissenschaft und Wirtschaftsrecht an der Universität Innsbruck studiert. Danach war er im Nationalrat als Referent für die Fachbereiche Finanzen, Budget, ESM und Europa verantwortlich. Seit dem Hypo-Untersuchungsausschuss sieht er Österreich mit anderen Augen.

Georg Renner
Team Recherche

Georg Renner hat Rechtswissenschaften studiert, weil er wissen wollte, wie Dinge (Staaten, Städte, die Gesellschaft …) funktionieren, was sie zusammenhält. Nachdem ihm dort kein Erfolg beschieden war, geht er dieser Frage nun journalistisch nach; zuvor bei „NZZ.at“ und „Die Presse“.

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