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Ist Skiurlaub tatsächlich kaum noch leistbar?

War die Urlaubswoche in Schladming, Saalbach oder Ischgl früher wirklich so viel günstiger? Addendum hat sich die Preisentwicklung angesehen. Berücksichtigt man dabei auch die Inflation, ergibt sich keine eindeutige Antwort mehr auf die Kostenfrage.

14.02.2018
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Man schlüpfte in Skianzüge, die nicht sonderlich wärmten und schon gar nicht wind- oder wasserfest waren. Darunter trug man keine Funktionswäsche, sondern Strumpf- oder lange Unterhosen. Und der Kopf wurde in der Regel nicht von einem Helm, sondern bestenfalls von einer Haube geschützt – derart adjustiert begab man sich in den 1970er und 1980er Jahren auf die Pisten zwischen Semmering und Arlberg. Es war jene Zeit, in der immer mehr Österreicher auf Skiurlaub fuhren und parallel dazu immer mehr Liftstützen in den Himmel ragten.

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Heutzutage steigt die Zahl der Lifte zwar immer noch, die Zahl der Skifahrer nimmt allerdings ab. Der Trend nach unten habe aber schon vor 20 Jahren begonnen, sagt der Freizeit- und Tourismusforscher Peter Zellmann.03 Damals seien etwa 40 Prozent der Österreicher nicht Ski gefahren, heute seien es 62 Prozent.

Warum nimmt die Skifahrbegeisterung ab? Liegt es tatsächlich daran, wie häufig behauptet und berichtet wird, dass alles viel teurer und damit unleistbar geworden ist?

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3.000 bis 5.100 Euro

Dass man tief in die Geldbörse greifen muss, wenn man eine Woche auf zwei Brettern verbringen will, ist unbestritten. Das deutsche Skiportal Snowplaza hat beispielsweise errechnet, dass ein Skiurlaub in den Alpen für eine vierköpfige Familie samt Anreise, Unterkunft, geliehener Ausrüstung, Liftkarten und Skikurs für die Kinder im Februar zwischen 3.000 und 5.100 Euro kostet.

Aber war früher alles in der Tat so viel billiger? Wir haben die Preisentwicklung detailliert betrachtet und dabei nicht nur einen Vergleich mit den heutigen Kosten angestellt, sondern auch die Inflation berücksichtigt. Dabei relativierte sich das Bild.

Fraglos teurer geworden sind Liftkarten. Wir haben exemplarisch die Kostenentwicklung in den Regionen Ischgl, Hochkar, Schladming, Saalbach und St. Anton am Arlberg analysiert und dabei einen stetigen Anstieg festgestellt.

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Auch wenn man die Liftkartenpreise inflationsbereinigt, sieht man, dass sie immer noch um vieles höher als etwa im Jahr 2004 sind, aber der Unterschied ist nicht so drastisch, wie wenn man nur die absoluten Kosten vergleicht (siehe Grafik). Das subjektive Empfinden der Skitouristen, wonach man an der Liftkassa immer mehr zahlen muss, ist jedenfalls objektivierbar. Allerdings: Der Verbraucherpreisindex der Statistik Austria berücksichtigt nicht die größere Zahl an Liften und Pisten oder auch eine höhere Zahl an Beschneiungsanlagen, sprich mehr Quantität und mehr Qualität. Der VPI bemisst nur die Inflation (Geldentwertung).

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Überproportional gestiegen sind auch die Preise für ein durchschnittliches Skiservice (Grafik).

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Vom Verbraucherpreisindex zur Inflationsanpassung

Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein Maßstab für die allgemeine Preisentwicklung bzw. für die Inflation in Österreich. Dabei soll der zu Grunde liegende Warenkorb repräsentativ für das aktuelle Konsumverhalten der privaten Haushalte sein, er wird daher regelmäßig adaptiert. Es verändern sich also sowohl die berücksichtigten Waren, als auch deren Gewichtung. Im Jahr 2018 werden 770 Waren und Dienstleistungen berücksichtigt, im Jahr 1958 waren es 197.

Wir verwenden für unsere Analyse Durchschnittspreise, die uns von der Statistik Austria zur Verfügung gestellt wurden. Diese Durchschnittspreise sind immer nur Momentaufnahmen der Preise der jeweiligen Warengruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt. Wir können mit diesen Informationen nicht darstellen, wie sich die Qualität der Güter geändert hat. Die Preisveränderungen könnten zum Teil auch auf technologische Neuerungen bzw. Änderungen auf den Märkten zurückzuführen sein. Einen langfristigen Trend bei der Preisentwicklung kann man anhand der Daten aber jedenfalls ablesen.

Im Bereich der Ausrüstung gab es teils aber gegenläufige Trends. Ein Paar Ski samt Bindung hat in den 1980er Jahren um die 190 Euro gekostet, heute sind es etwa 350 Euro. Berechnet man die Inflation mit ein, wären es geringfügig mehr (rund 360 Euro). Der Preis für einen Damenskianzug lag im Vergleich zur Entwicklung des VPI mal über, mal unter der Inflationsrate, zuletzt aber deutlich darunter (siehe Grafik).

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Für Skischuhe konnte uns die Statistik Austria keine Daten zu den vergangenen 30 Jahren zur Verfügung stellen. Wir haben versucht, dennoch ein Schlaglicht auf diese Produkte zu werfen.

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Skischuhe 1998 und heute

Wir haben bei der Firma Intersport angefragt, um zumindest Ansatzpunkte dafür zu bekommen, wie sich die Preise bei diesen Produkten geändert haben. Der Sportgroßhändler hat uns etwa Preisbeispiele für Nordica-Herrenskischuhe aus dem Jahr 1998 zukommen lassen. Rund 218 Euro (2.999 Schilling) hat damals das Modell „Trend 08“ gekostet, 291 Euro (3.999 Schilling) das Modell „GP Ego S“ und der Rennskischuh „GP Ego R“ war um 363 Euro (4.999 Schilling) zu haben. Passt man diese Preise an die Inflation an, würden diese Skischuhe heute 310 Euro, 413 Euro und 515 Euro kosten.

Im Vergleich dazu haben wir die Preise für Nordica-Skischuhe für die Wintersaison 2017/18 unter anderem bei Intersport herangezogen und fanden Herren-Skischuhmodelle von der Firma Nordica um 279,99, 349,99 und 399,99 Euro. Skischuhe der Marken Atomic, Fischer, Head, Lange und Salomon lagen in etwa auch in diesem Preissegment, teils auch etwas darüber (zwischen 329,99 und 499,99 Euro).

Das lässt zwar keinen allgemeingültigen Schluss zu, deutet aber darauf hin, dass Skischuhe im Verhältnis zu früher teils sogar um weniger Geld zu haben sind oder zumindest nicht mehr kosten als vor 20 Jahren.

Hinzu kommt noch, dass man heutzutage auch Geld für Ausrüstung ausgibt, die es früher in dieser Form entweder nicht gab oder die man nicht für notwendig erachtete: etwa Funktionsunterwäsche, Skihelme samt atmungsaktiver Sturmhaube und Helmkamera, Rückenprotektoren (für Kinder) etc.

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Bleibt noch die Frage, wie viel man für das Übernachten investieren muss. Unterkünfte sind ohne Zweifel teurer geworden. Bei Ferienwohnungen fiel der Anstieg aber eher moderat aus, wenn man die Kosten inflationsbereinigt heranzieht (siehe Grafik).

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Kostenintensiver ist der Skiurlaub aber nicht nur wegen der Preisanstiege geworden, sondern auch deshalb, weil heute wesentlich mehr Menschen in einem Vier- oder Fünf-Sterne-Hotel absteigen statt in einer Privatpension oder einer Zwei-Sterne-Herberge, wie das früher häufig der Fall war. Das lässt sich an Übernachtungsdaten ablesen, die das Land Tirol seit den 1980er Jahren erhoben hat (siehe Faksimile).

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Tourismusforscher Peter Zellmann sagt, die Preissteigerung sei auch auf ein qualitativ besseres Angebot in den Hotels (Spa-, Wellnessbereiche etc.) zurückzuführen. Bei der „Qualitätsspirale nach oben“ sei die Grenze aus seiner Sicht mittlerweile erreicht.

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Zellmann verweist aber auch die Behauptung, dass der Skiurlaub früher leistbarer war, ins Reich der Märchen. „Er war immer schon ein Angebot für den gehobenen Mittelstand, etwa für das obere Drittel.“ Diese Gruppe würde sich „unbeeindruckt“ von den Preissteigerungen zeigen und „nach wie vor am identitätsstiftenden Wintersport“, also dem Skifahren, festhalten. 

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14.02.2018

Das Rechercheteam

Stefanie Braunisch
Team Recherche

Stefanie Braunisch ist neugierig. Während des Journalismusstudiums an der FH Wien hat sie begonnen, im Kulturbereich journalistische Erfahrungen zu sammeln, dann hat die Neugierde doch gewonnen. In Folge hat sie zwei Jahre bei Dossier gearbeitet und versucht, alles mögliche über den Staat, Funktionsweisen und vor allem Steuergeldverschwendung herauszufinden. Jetzt ist sie investigativ für Addendum unterwegs.

Mathias Dechant
Team Experten

Mathias Dechant hat Rechtswissenschaften an der Universität Wien studiert. Danach Ausbildung zum Rechtsanwalt; Schwerpunkte in den Bereichen Zivilrecht, Corporate und M&A sowie IP. Er war seit den Anfängen des Studiums bis zuletzt in Wiener und Salzburger Wirtschaftskanzleien tätig.

Judith Denkmayr
Team Recherche

Judith Denkmayr studierte Publizistik, Germanistik und Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien und startete ihre berufliche Laufbahn als freie Journalistin. Nach mehreren Jahren in Redaktionen wechselte sie auf die Vermarktungsseite, Schwerpunkt Onlinemarketing und Social Media. Für ATV entwickelte sie 2009 die erfolgreiche Digital-Relations-Strategie der Politik-Sendung „Am Punkt“. Anfang 2010 begründete sie die Agentur Digital Affairs. 2014 verkaufte sie die Agentur an VICE CEE und war bis Anfang 2017 im Agenturarm VIRTUE tätig. Seit April 2017 ist sie für die Leitung der Digitalagenden bei der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH zuständig.

Rainer Fleckl
Projektleitung

Rainer Fleckl will den Dingen auf den Grund gehen. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und startete seine ersten investigativen Recherchen im Sportressort des „Kurier“, dessen Leitung er 2008 übernahm. 2010 wurde er mit dem Aufbau einer Rechercheabteilung betraut. Vor seinem Engagement bei Quo Vadis Veritas war Fleckl als Bereichsleiter bei ServusTV und in der Chefredaktion von „News“ tätig.

Claudia Grünwald
Team TV
Markus „Fin“ Hametner
Team Daten

Markus Hametner hat Informatik studiert, baut seit 2011 Brücken zwischen Technologie und Journalismus und beschäftigt sich seit 2014 als Datenjournalist mit internationalen Datenrecherchen und interaktiven Visualisierungsformen. In seiner Freizeit betreibt er als Mitgründer des Forum Informationsfreiheit die Plattform FragDenStaat.at und trägt erfolgreich Rechtsstreite mit Behörden aus, die Auskünfte verweigern.

Christoph Hanslik
Team Recherche

Christoph Hanslik war in den vergangenen 17 Jahren als Unternehmer am internationalen Finanzmarkt tätig. Seine Erfahrungen stellte er drei Jahre im Parlament als Fachreferent für die Bereiche Budgetausschuss, Finanzausschuss, ESM-Ausschuss sowie als Teamleiter des HYPO-Untersuchungsausschuss zur Verfügung. Jetzt berät er das investigative Rechercheteam von Addendum.

Gabriel Hellmann
Team Experten

Gabriel Hellmann hat Rechtswissenschaften und die öffentliche Finanzkontrolle studiert. Er diente den Medien, den Kommunen, dem Staat und nun den Bürgern. Transparenz und Gerechtigkeit sind ihm große Anliegen, denen er sich akribisch verpflichtet fühlt.

Maria Kern
Team Recherche

Maria Kern war in den vergangenen zehn Jahren Innenpolitik-Redakteurin des „Kurier“. Zuvor war sie im EU-Ressort und in der Chronik-Redaktion der Tageszeitung tätig. Die Publizistik- und Politikwissenschaftsabsolventin der Uni Wien sieht es als ihre Aufgabe an, Bürgern komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge zu erklären und auch aufzuzeigen, was im Land schiefläuft.

Michael Mayrhofer
Team Social Media

Michael Mayrhofer hat an der Universität Wien Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studiert. Während verschiedener Praktika im Journalismus bei Puls4 und ORF entdeckte er seine Liebe zum Social-Media-Journalismus. Die Menschen mit Information zu verführen – das ist sein Motto. Nebenbei war er auch Teil des Interview-Podcasts „Was soll das?“. Zuletzt war er freier Mitarbeiter im Social-Media-Team der Zeit im Bild.

Alexander Millecker
Team TV
Sebastian Reinhart
Team Recherche

Sebastian Reinhart hat Politikwissenschaft und Wirtschaftsrecht an der Universität Innsbruck studiert. Danach war er im Nationalrat als Referent für die Fachbereiche Finanzen, Budget, ESM und Europa verantwortlich. Seit dem Hypo-Untersuchungsausschuss sieht er Österreich mit anderen Augen.

Georg Renner
Team Recherche

Georg Renner hat Rechtswissenschaften studiert, weil er wissen wollte, wie Dinge (Staaten, Städte, die Gesellschaft …) funktionieren, was sie zusammenhält. Nachdem ihm dort kein Erfolg beschieden war, geht er dieser Frage nun journalistisch nach; zuvor bei „NZZ.at“ und „Die Presse“.

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