Übersicht  

Wie wirkt sich Zuwanderung auf den Sozialstaat aus?

„Zuwanderung ins Sozialsystem“ ist ein Begriff, der in der politischen Debatte eine entscheidende Rolle spielt. Was genau meint man damit? Welche Auswirkungen hat die Flüchtlingswelle der Jahre 2015 und 2016 auf den Sozialstaat? Wir haben eine Studie in Auftrag gegeben, die die vorhandenen Studien zum Thema evaluiert. Klare Antworten gibt auch sie nicht. Aber immerhin interessante Hinweise.

29.11.2017

Das Jahr 2015 brachte Europa einen massiven Zustrom an Migranten aus Krisengebieten. In der Folge wurden verschiedene Stimmen laut: die einen, die meinen, die Zuwanderung in den Sozialstaat müsse gestoppt werden, da dessen Kapazitäten sonst überlastet würden; und die anderen, die meinen, Zuwanderung sei durchwegs positiv zu beurteilen, auch für den Sozialstaat, wenn man sich die demografische Entwicklung Österreichs ansehe und mitbedenke, dass Zuwanderer nicht nur Leistungen erhalten, sondern auch ins Sozialsystem einzahlen würden.

Was stimmt denn nun?

Das haben wir uns auch gefragt. Rund um das Jahr 2015 entstanden in Österreich, in Deutschland und der Schweiz einige Studien, die sich mit der Frage beschäftigten, wie sich Zuwanderung auf den Sozialstaat auswirkt. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf den finanziellen und makroökonomischen Konsequenzen von Zuwanderung sowie auf dem Integrationspotenzial am Arbeitsmarkt. Allerdings: Die Ergebnisse dieser Studien gehen auseinander. Und zwar grundlegend. Oft werden weder positive noch negative Konsequenzen der Zuwanderung festgestellt, stattdessen werden unterschiedliche Annahmen auf verschiedene Szenarien und Prognosen gestützt. Wir haben uns daher dazu entschlossen, eine weitere Studie in Auftrag zu geben: eine, die uns einen Überblick über all die anderen verschafft – mit dem Ziel, die Frage beantworten zu können, ob Zuwanderung in unser Sozialsystem positiv oder negativ zu beurteilen ist. Die Studie erfolgte in Konsultation mit der WU und dem Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital und fokussierte auf Asylwerber, Asylberechtigte und Flüchtlinge.

Es gibt keine klare Antwort

Allerdings wurde uns von den Autorinnen dieser Metastudie bald mitgeteilt, dass es auch auf dieser Metaebene keine eindeutige Antwort gibt. Einerseits seien die relevanten Daten, die benötigt würden, um klare Aussagen zu treffen, teilweise (noch) nicht vorhanden oder nicht zugänglich. Viele der untersuchten Studien unterscheiden in ihrer Analyse nicht klar zwischen den verschiedenen Gruppen von Migranten. Auch die Qualität der Studien variiert: vor allem jene, die von öffentlichen Institutionen, Stiftungen oder Unternehmen in Auftrag gegeben wurden, wurden oft keiner tiefergehenden externen Evaluierung oder Peer-Review unterzogen.

Die Frage, wie sich Zuwanderung auf den Sozialstaat auswirkt – positiv oder negativ – kann daher nicht beantwortet werden, jedenfalls nicht faktenbasiert. Die Antwort hängt von zahlreichen Grundannahmen ab, allen voran den sozioökonomischen Charakteristika der Migranten und Bedingungen im Gastland. Drei wesentliche Ergebnisse der Metastudie können aber jedenfalls hervorgehoben werden:

  • Beinahe alle in der Metastudie untersuchten Studien betonen die Wichtigkeit von Humankapital als Hauptfaktor erfolgreicher Arbeitsmarktintegration; das beinhaltet sowohl Ausbildungsniveau als auch professionelle Qualifikationen. Wie damit umgegangen wird, hängt letztlich immer von politischen Maßnahmen ab.
  • Die Finanzierung und Evaluierung von Studien in diesem Bereich bedürfen einer eingehenderen Betrachtung.
  • Die Ergebnisse der analysierten Studien variieren substanziell hinsichtlich diverser Charakteristika wie Nationalität, rechtlichem Status oder Geschlecht der Migranten.
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Immigration und der soziale Wohlfahrtsstaat in Österreich, Deutschland und der Schweiz: Eine komparative Metastudie

Die Studie erfolgte im Auftrag von Addendum in Konsultation mit der WU und dem Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital und fokussierte auf Asylwerber, Asylberechtigte und Flüchtlinge.

Warum auch Wissenschaftlern eine eindeutige Antwort schwerfällt

Aufgrund unterschiedlichster Grundannahmen und Szenarien ist es nicht möglich, klare Aussagen darüber zu treffen, ob Zuwanderung in den Sozialstaat grundsätzlich positive oder negative Auswirkungen hat. Das wurde beim Erstellen dieser Metastudie, die insgesamt 22 Studien zum Thema analysiert hat, klar. Abseits dieser Feststellung offenbaren sich erhebliche Problematiken für evidenzbasierte Politikgestaltung in diesem Bereich:

  • Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind in Österreich, Deutschland und der Schweiz unterschiedlich und verändern sich stetig. Darauf wurde in manchen Studien nicht explizit Bezug genommen. Einige Studien unterscheiden in der Analyse nicht zwischen Migranten (als allgemeinem Begriff für Menschen, die sich in einem anderen Land niederlassen), Flüchtlingen und Asylwerbern, also Personen ohne Arbeitsmarktzugang. Andere Studien haben auf ganz spezielle Gruppen fokussiert.
  • In den Studien selbst wurde meistens nicht angegeben, welcher Art der Evaluierung und Qualitätssicherung sie unterzogen wurden. Auch Einschränkungen des Untersuchungsgegenstands oder des methodischen Zugangs waren nicht immer klar erkennbar. Es gab generell kaum wissenschaftliche Artikel von Fachmagazinen, bei denen externe Qualitätssicherungsmaßnahmen, wie eine Doppelblindstudie durch andere Mitglieder der Scientific Community, durchgeführt wurden. In Österreich waren alle Studien, die für die Metastudie ausgewählt wurden, reine Working Papers. Dennoch muss hervorgehoben werden, dass die meisten Studien von wissenschaftlichen Instituten beziehungsweise von Universitätspersonal stammen. Es wurde also wissenschaftlich gearbeitet, doch in manchen Fällen fehlt die externe Evaluation.
  • Die Datenlage und der Zugang zu den relevanten Daten sind ebenfalls ein problematischer Faktor. Vor allem in Österreich sind Daten, zum Beispiel des Innenministeriums (BMI), aus Datenschutzgründen oder anderen Schutzbedenken nicht immer frei zugänglich, auch nicht für wissenschaftliche Analysen. Auch längerfristige Datenerhebungen (sogenannte Panel- oder Longitudinalstudien) fehlen, in welchen die individuellen Entwicklungen einer Immigrantengruppe über einen bestimmten Zeitraum verfolgt werden. In Deutschland ist die Lage besser, jedoch gibt es auf der gesamten EU-Ebene Forschungsbedarf, was systematische Datenerhebung und Harmonisierung der Daten betrifft.
  • Es ist daher wichtig, welcher Datensatz einer Studie zugrunde liegt. Notgedrungen basieren Prognosen für die Effekte der Immigration der Jahre 2015 und 2016 auf Daten von 2014 und früher. Das ist in der Kommunikation der Studien an die Öffentlichkeit oft nicht klar erkennbar.
  • Die Methoden der Studien waren teils schwer vergleichbar. Neben Prognosen mit unterschiedlichen Annahmen (teils wurde z.B. eine positive Konjunkturankurbelung im Jahr 2015 und 2016 angenommen, teils wurde einzig auf die staatlichen Sozialleistungen Bezug genommen), gab es auch Studien, deren Annahmen im Text nicht diskutiert wurden.
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Die analysierten Studien im Detail

Legende

Studien, die grün markiert sind, kommen insgesamt auf ein eher positives Ergebnis von Zuwanderung und sehen Immigranten nicht als Belastung für den Sozialstaat.

Studien, die gelb markiert sind, kommen zu uneindeutigen Ergebnissen und betonen den Einfluss verschiedener Faktoren, etwa das Bildungsniveau der untersuchten Immigrantengruppe und den untersuchten Zeitraum.

Studien, die rot markiert sind, sehen Zuwanderung ökonomisch negativ und als Belastung für den Sozialstaat.

  Österreich

Batini and Stepanyan (2016): Austria’s long-run fiscal sustainability in light of current tax and expenditure trends

Forschungsfragen
Sollte die Konsolidierung von öffentlichen Finanzen erreicht werden und falls ja, welche Arten von Ausgaben können beschnitten werden, ohne das Wachstum über den mittel- bis langfristigen Zeitraum einzudämmen?

Ergebnis

  • Junge, gut ausgebildete Immigranten haben merklich positive wirtschaftliche Auswirkungen
  • Eine höhere Zahl an Immigranten kann positive Auswirkungen auf Österreichs mögliche Produktion haben und die Ausgaben für Pension und Krankenversicherung senken

Politische Empfehlung

  • Frühe, intensive und nachhaltige Bemühungen im Bereich von Sprachtraining, individuellen Fähigkeitsbewertungen und Zertifizierungen, Schulzugang, Gesundheit und Arbeitgeberverständnis sind Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration von Flüchtlingen
  • Arbeitsmarkt: Deregulierungen und aktive Arbeitsmarktpolitik erleichtern die Integration in den Arbeitsmarkt
  • die „Falle der Inaktivität“ kann dadurch gekontert werden: durch eine modifizierte Interaktion von Sozialleistungen und Arbeitsbesteuerung in unteren Lohnsektoren (z.B. ein allmählicher Rückzug aus Sozialleistungen im Falle einer bezahlten Arbeit, einer Obergrenze für den Verdienst von Flüchtlingen, bevor ihre Sozialleistungen gekürzt werden)

Förderungsagentur
International Monetary Fund (IMF)

Methoden
gemischt (Statistiken, Simulationsmodel, Literatur)

Daten
OECD (2013, 2015)

Gruppe
Immigranten (Flüchtlinge als thematischer Anker)

Mangel an Qualifikation

  • S. 31 Das Design des Systems der Steuerbevorzugung könnte die Anreize beeinträchtigen, geringqualifizierte Arbeit anzunehmen, eine Kategorie, in der Migranten oft zu finden sind
  • S. 33: Es handelt sich um einen negativen Substitutionseffekt, wenn geringqualifizierte Immigranten Jobs von geringqualifizierten Einheimischen nehmen oder Löhne sinken

Beobachtungszeitraum
Moment, Szenario

 Österreich | Institutionelles Paper

Berger et al. (2016): Ökonomische Analyse der Zuwanderung von Flüchtlingen nach Österreich

Forschungsfrage
Was sind die Fiskalkosten und ökonomischen Effekte über die nächsten Jahre, die für Österreich durch die aktuelle Flüchtlingskrise entstehen?

Ergebnis

  • Die kumulierten zusätzlichen Ausgaben würden 8,1 Mrd. Euro für den Staat zwischen 2015 & 2019 bedeuten
  • Die Ausgaben für Asylsuchende, die während dieser Periode migrierten, beläuft sich kumulativ auf ungefähr 10 Mrd. Euro
  • Die zusätzlichen Einnahmen von rund 160 Mio. Euro in 2015, werden auf 1,4 Mrd. Euro ansteigen
  • Das Schuldenlevel 2019 wird 4,1 Mrd. Euro mehr sein als das Ausgangsszenario
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Politische Empfehlung
Schnittstellen müssen gemanagt werden, um freie Stellen am Arbeitsmarkt mit Flüchtlingen zu besetzen

Förderungsagentur
Wirtschaftskammer Österreich (WKO), Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres (BMEIA)

Methoden
quantitativ (Equilibrium Model PuMA)

Daten
UNHCR (2015), UIS (2014), ILO (2009, 2010,2011, 2012, 2013), European Commission (2015)

Gruppe
Flüchtlinge (Asylsuchende, Konventionsflüchtlinge, Menschen mit subsidiärem Schutz)

Mangel an Qualifikation

  • regionale Unterschiede zwischen Fachkräftemangel, auch die Schaffung von Lebensraum nahe der Arbeitsplätze ist ein Problem (S. 68–69)
  • Negative Substitutionseffekte schmälern das BIP (S. 42–43)

Beobachtungszeitraum
Moment, Szenario (2015–2019)

  Österreich | Institutionelles Paper

Bock-Schappelwein J and Huber P (2016): Zur Arbeitsmarktintegration von Asylsuchenden in Österreich

Forschungsfrage
Wie gut sind Asylsuchende in den österreichischen Arbeitsmarkt integriert?

Ergebnis
Flüchtlinge, die sich erst seit kurzem in Österreich befinden und weibliche Flüchtlinge sind auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt

Politische Empfehlung

  • Sowohl raschere Asylprozesse als auch besondere Unterstützung werden benötigt, besonders darin, die Sprache zu erlernen
  • Junge Asylsuchende benötigen Ausbildungsplätze

Förderungsagentur
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO)

Methoden
gemischt (Literaturübersicht & Statistiken)

Daten
UNHCR (2014), ILO (2012)

Gruppe
Flüchtlinge (Asylsuchende, Flüchtlingskonvention)

Mangel an Qualifikation

  • Regionale Unterschiede bei Fachkräftemangel, auch die Schaffung von Lebensraum nahe der Arbeitsplätze ist ein Problem (S. 68–69)
  • Negative Substitutionseffekte schmälern das BIP (S. 42–43)

Beobachtungszeitraum
Moment, Szenario (2015–2019)

  Österreich | Institutionelles Paper

Holler and Schuster (2016): Langfristeffekte der Flüchtlingszuwanderung 2015 bis 2019 nach Österreich

Forschungsfrage
Welche Auswirkungen hat Migration auf das österreichische Wirtschaftsbudget?

Ergebnis

  • Von einem demografischen Gesichtspunkt ist Migration auf kurze Sicht gesehen gut
  • Auf lange Sicht gesehen verursacht Migration höhere Schulden

Politische Empfehlung
Eine schnellere Integration in den Arbeitsmarkt und eine Anerkennung der Qualifikationen werden benötigt

Förderungsagentur
Fiskalrat

Methoden
quantitativ (Simulationsmodell)

Daten
Ageing Report 2015 for Austria, Eurostat (EUROPOP 2013)

Gruppe
Flüchtlinge (Asylsuchende, Flüchtlingskonvention)

Mangel an Qualifikation
nicht erwähnt

Beobachtungszeitraum
Moment, Szenario

  Österreich | Institutionelles Paper

Huber (2016): Auswirkungen von Migration auf die Wirtschaft: Was wir wissen, was wir nicht wissen, was wir tun sollten

Forschungsfrage
Welche Auswirkungen hat Migration auf den österreichischen Arbeitsmarkt und die gesamte nationale Wirtschaft?

Ergebnis
Es gibt Potenziale, aber auch Risiken bei der Integration

Politische Empfehlung
Eine bessere Anerkennung der Qualifikationen, Betreuung und ein einfacherer Zugang zum Arbeitsmarkt werden benötigt

Förderungsagentur
Austrian Development Agency (ADA); durchgeführt durch Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE)

Methoden
Metastudie (Literaturübersicht)

Daten
Literatur

Gruppe
Immigranten (Flüchtlinge als thematischer Anker)

Mangel an Qualifikation
Verdrängungsprozess einheimischer Arbeiter S. 31

Beobachtungszeitraum
Moment

  Österreich | Institutionelles Paper

Prettenthaler et al. (2017): Ökonomische Effekte von Asylberechtigten in Österreich

Forschungsfragen
Welche Kosten und Vorzüge hat Immigration? Welche Auswirkungen hat Immigration auf den Arbeitsmarkt?

Ergebnis

  • Es sind Kosten mit der Immigration verbunden (abhängig von den unterschiedlichen Szenarien), aber auf lange Sicht sind die Vorteile (Anstieg der Arbeitskraft, Produktivität usw.) überwältigend, wenn politische Maßnahme ergriffen werden
  • Männer dominieren den österreichischen Arbeitsmarkt

Politische Empfehlung

  • Schnellere Integration in den Arbeitsmarkt ist notwendig (besonders für junge Männer)
  • mehr Beschäftigung von Frauen

Förderungsagentur
Caritas, Rotes Kreuz; durchgeführt von Joanneum Research

Methoden
gemischt (Literaturübersicht, AUSTRIO model)

Daten
AMDB (2015, 2016) and macroeconomic modeling (federal state level)

Gruppe
Flüchtlinge (Asylsuchende, Konventionsflüchtlinge, Menschen mit subsidiärem Schutz)

Mangel an Qualifikation

  • Mangel an hochqualifizierter Arbeit (S. 3)
  • Straubhaar (2016) glaubt, dass Immigranten diese Lücke nicht füllen können (S. 18)

Beobachtungszeitraum
Moment, Szenario

  Schweiz | Institutionelles Paper

Beerli and Peri (2016): The Labor Market Effects of Opening the Border: Evidence from Switzerland

Forschungsfrage
Welche Auswirkungen haben grenzüberschreitende Arbeiter für den Schweizer Arbeitsmarkt?

Ergebnis
Die Öffnung der Grenzen für grenzüberschreitende Arbeitnehmer hatte positive Auswirkungen auf den Schweizer Arbeitsmarkt, beispielsweise höhere Löhne für Einheimische

Politische Empfehlung
nicht erwähnt

Förderungsagentur
KOF Konjunkturforschungsstelle

Methoden
gemischt (Literaturübersicht und Statistik)

Daten
Swiss Earnings Structure Survey (SESS) (1998–2010), BFS (2010)

Gruppe
grenzüberschreitende Arbeiter

Mangel an Qualifikation
Kein Crowding-out-Effekt oder Subsititutionseffekt von CBWs (S. 28)

Beobachtungszeitraum
historisch

  Schweiz | Zeitschriftenaufsatz (Science Advances)

Hainmüller et al. (2016): When lives are put on hold: Lengthy asylum processes decrease employment among refugees

Forschungsfrage
Inwiefern wirkt sich die Wartezeit, die Asylsuchende auf die Entscheidung in ihrem Asylverfahren haben, auf ihre anschließende Integration und deren Erfolg aus?

Ergebnis

  • Längeres Warten im Schwebezustand in Bezug auf die Asylentscheidung reduziert die Integration am Arbeitsmarkt für Flüchtlinge
  • Dieser Effekt ist relativ gleich durch Subgruppen

Politische Empfehlung
Es bedarf einer politischen Reform: eine schrittweise Abnahme der Dauer von Asylentscheidungen um nur 10 Prozent (66 Tage) würde ungefähr $ 5,6 Mio. in nur einem Jahr einsparen

Förderungsagentur
Unabhängige Studie

Methoden
quantitativ (Econometrics)

Daten
Swiss Federal Statistical Office (2015)

Gruppe
Flüchtlinge (Asylsuchende, Konventionsflüchtlinge)

Mangel an Qualifikation
nicht erwähnt

Beobachtungszeitraum
historisch

  Schweiz | Zeitschriftenaufsatz (Journal of European Social Policy)

Spies and Schmidt-Catran (2016): Migration, migrant integration and support for social spending: The case of Switzerland.

Forschungsfrage
Verursachen Migranten, die sich sowohl ökonomisch als auch kulturell in ihre Gastgeber-Gesellschaft integriert haben, die gleichen Sorgen bei der einheimischen Bevölkerung, wie ökonomisch schlecht integrierte und kulturell abgegrenzte Migranten?

Ergebnis
Objektive Messungen der Migrantenzahlen sowie deren ökonomische und kulturelle Integration sind von geringer Relevanz für Sozialleistungen für Schweizer Einheimische

Politische Empfehlung
nicht erwähnt

Förderungsagentur
Unabhängige Studie

Methoden
gemischt (SEM Model und Kontakttheorie)

Daten
Swiss Foundation for Research in Social Sciences (FORS) (2012) Swiss Electoral Studies (Selects) 2011.

Gruppe
Immigranten (unterteilt nach Stufe der Integration)

Mangel an Qualifikation
nicht erwähnt

Beobachtungszeitraum
kein spezieller zeitlicher Rahmen

  Deutschland | Institutionelles Paper

Bach et al. (2017): Abschätzung von Effekten der Integration von Flüchtlingen

Forschungsfrage
Welche sind die makroökonomischen und fiskalen Effekte der Investitionen in Maßnahmen der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen, die im Jahr 2015 ankamen?

Ergebnis

  • Integrationsbemühungen in Bezug auf den Arbeitsmarkt erzielen hohe fiskale Renditen
  • Investitionen in Sprachkompetenzen und zusätzliche Ausbildungsqualifikationen armortisieren sich rasch und erzielen auf lange Sicht hohe Erträge

Politische Empfehlung

  • Integrationskurse sollten auch für Asylsuchende offenstehen und nicht nur für anerkannte Flüchtlinge
  • Maßnahmen für die Berufs- und Ausbildungsvorbereitungen sollten verstärkt werden

Förderungsagentur
Bundesministerium für Arbeit und Soziales; durchgeführt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Methoden
quantitativ (Makroökonomische Simulationsmodelle bis 2030)

Daten
Socio-economic Panel since 1995 (IAB-SOEP-Migrationsstichprobe)

Gruppe
Flüchtlinge (weite Auffassung)

Mangel an Qualifikation
nicht erwähnt

Beobachtungszeitraum
Szenario (Simulation bis 2030)

  Deutschland | Institutionelles Paper

Bonin (2014): Der Beitrag von Ausländern und künftiger Zuwanderung zum deutschen Staatshaushalt

Forschungsfragen
Erhalten Ausländer, die in Deutschland leben, mehr Sozialleistungen, als sie Steuern zahlen? Ist es die gleiche Situation für ihre Nachkommen? Welche Auswirkungen haben politische Integrationsstrategien? Wie kann Migration das öffentliche Budget stabilisieren?

Ergebnis

  • Ausländer, die bereits in Deutschland leben, tragen deutlich mehr zum Sozialstaat bei, als sie an Sozialleistungen erhalten
  • Qualifizierte zukünftige Immigration entlastet die fiskale Last der lokalen Bevölkerung

Politische Empfehlung
Um die fiskale Bürde von der lokalen Bevölkerung zu nehmen, bedarf es:

  • Strategien, die das Level an Bildung und Qualifikation der Flüchtlinge erhöhen, müssen implementiert werden
  • Qualifizierte Immigration muss gefördert werden, um auch Spezialisten anzulocken

Förderungsagentur
Bertelsmann Stiftung; durchgeführt von Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)

Methoden
quantitativ (Cash-flow Accounting, generationsübergreifendes Accounting, Nachhaltigkeits-Accounting)

Daten
Federal Statistical Office Census 2011, Socio-economic Panel 2014 (IAB-SOEP-Migrationsstichprobe)

Gruppe
Immigranten (undifferenziert)

Mangel an Qualifikation
Aufgrund des Arbeitskräftemangels und der demografischen Struktur muss Deutschland sich auf Immigranten verlassen

Beobachtungszeitraum
Moment (2012), Szenario

  Deutschland | Institutionelles Paper

Bonin (2016): Gewinne der Integration. Berufliche Qualifikation und Integrationstempo entscheiden über die langfristigen fiskalischen Kosten der Aufnahme Geflüchteter.

Forschungsfragen
Was sind die Konsequenzen der humanitären Integration auf die Nachhaltigkeit des deutschen Staatshaushalts? Wie viel der derzeitigen humanitären Immigration könnte die Nachhaltigkeit des deutschen Staatshaushalts verändern und dadurch die fiskale Belastung des demographischen Wandels der Bevölkerung erhöhen oder reduzieren?

Ergebnis
Immigration von Personen mit Bedarf an Schutz kann die Last an öffentlichen Finanzen auf lange Sicht mildern, vorausgesetzt die Integration in den Arbeitsmarkt ist erfolgreich

Politische Empfehlung
Öffentliche Investitionen für effektive Maßnahmen für Berufsausbildungen und raschere wirtschaftliche Integration von Flüchtlingen führt mittel- und langfristig zu Renditen in der Form von zusätzlichen Steuereinnahmen und geringeren Ausgaben

Förderungsagentur
Heinrich Böll Stiftung

Methoden
quantitativ (generationsübergreifendes Accounting)

Daten
Centre for European Economic Research (ZEW)

Gruppe
Flüchtlinge (weite Auffassung)

Mangel an Qualifikation
nicht erwähnt

Beobachtungszeitraum
Szenario

  Deutschland | Institutionelles Paper

Brücker (2013): Auswirkungen der Einwanderung auf Arbeitsmarkt und Sozialstaat: Neue Erkenntnisse und Schlussfolgerungen für die Einwanderungspolitik

Forschungsfragen
Welche sind die Auswirkungen der Immigration auf den Arbeitsmarkt und den Sozialstaat? Welche Auswirkungen hat die höhere Qualifikation der Immigranten seit 2000?

Ergebnis

  • Für den Arbeitsmarkt können auf lange Sicht neutrale oder positive Effekte erwartet werden
  • Speziell qualifizierte Immigration wirkt sich wirtschaftlich gesehen positiv aus. Mit der erhöhten Qualifikation der neu ankommenden Immigranten und der erwarteten besseren Integration in den Arbeitsmarkt wird der Beitrag zum Sozialstaat weiter steigen. Das ist besonders auf die vorteilhafte Altersverteilung zurückzuführen.

Politische Empfehlung
Qualifizierte Arbeitsimmigranten und Immigranten mit Berufsausbildung, die in Deutschland gebraucht werden, müssen angelockt werden. Nicht nur aus EU-Mitgliedstaaten, sondern auch aus Drittstaaten. Das kann nur durch rechtliche Konditionen und Rekrutierungsstrategien erreicht werden

Förderungsagentur
Bertelsmann Stiftung

Methoden
Simulation (basierend auf dem Schätzverfahren)

Daten
Micro census to new immigrants in the years 2008/2009

Gruppe
Immigranten (Aufteilung nach Qualifikation)

Mangel an Qualifikation
Brücker (2013) meint, dass qualifizierte Immigration eine Schlüssellösung für die alternde Gesellschaft und wichtige wirtschaftliche Probleme ist

Beobachtungszeitraum
Szenario

  Deutschland | Zeitschriftenaufsatz (Wirtschaftsdienst)

Brühl (2016): Die Kosten der Flüchtlingskrise in Deutschland – eine Investition in die Zukunft?

Forschungsfragen
Wie hoch sind die Kosten der Flüchtlingskrise in Deutschland? Wann werden diese Kosten fiskal entschädigt sein?

Ergebnis

  • Im Jahr 2031 kann der „fiskale Break-Even-Punkt“ erreicht werden
  • Der „wirtschaftliche Break-Even-Punkt“ kann 2025 erreicht werden

Politische Empfehlung
Um den fiskalen und wirtschaftlichen Break-Even-Punkt zu erreichen, ist es essenziell, hohe Investitionen in die Qualifikation und den flexiblen Gebrauch von Arbeitsmarktpolitik durchzuführen

Förderungsagentur
Unabhängige Studie

Methoden
Finanzökonomisches Einschätzungsverfahren

Daten
Federal Office for Migration and Refugees

Gruppe
Flüchtlinge (weite Auffassung)

Mangel an Qualifikation
Flüchtlinge müssen Zugang zu Qualifikationsmaßnahmen haben. Dann erst können sie dem Fachkräftemangel entgegenwirken und somit ein Überangebot im Niedriglohnsektor vermeiden helfen.

Beobachtungszeitraum
Szenario (optimistisches Szenario, das die Amortisierung der Fiskalkosten bis 2031 kalkuliert und makroökonomische Kosten bis 2025)

  Deutschland | Institutionelles Paper

Fratzscher and Junker (2015): Integration von Flüchtlingen – eine langfristig lohnende Investition

Forschungsfrage
Was sind die ökonomischen Langzeiteffekte einer erfolgreichen Integration von Flüchtlingen?

Ergebnis
Der wirtschaftliche Beitrag von Flüchtlingen übersteigt die öffentlichen Kosten nach fünf bis zehn Jahren, vorausgesetzt die Integration ist erfolgreich

Politische Empfehlung

  • Die Debatte bezüglich der Ankunft der Flüchtlinge muss verlagert werden
  • anstatt sich auf die kurzfristigen Kosten zu konzentrieren, sollten die wirtschaftlichen Potenziale einer erfolgreichen Integration im Vordergrund stehen

Förderungsagentur
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)

Methoden
quantitativ (Simulationsmodel)

Daten
Federal Ministry of the Interior, Federal Statistical Office, Socio-economic Panel (IAB-SOEP-Migrationsstichprobe)

Gruppe
Flüchtlinge (weite Auffassung)

Mangel an Qualifikation
nicht erwähnt

Beobachtungszeitraum
Szenario (für 2015-2035)

  Deutschland | Institutionelles Paper

Jobelius and Stoiciu (2014): Die Mär vom „Sozialtourismus“. Zuwanderung rumänischer Staatsbürger nach Deutschland und in andere EU-Mitgliedsländer.

Forschungsfrage
Wie ist die faktische Lage über den Empfang von Sozialleistungen an rumänische Bürger, die vor 2014 nach Deutschland kamen (als Akademiker, Fachkraft, freischaffende Personen, Auszubildende und Saisonarbeiter)?

Ergebnis

  • Der Glaube an einen Missbrauch von Sozialleistungen ist falsch
  • Rumänen sind vergleichsweise gut qualifizierte und integrierte Einwanderer

Politische Empfehlung

  • In manchen Regionen und Sektoren können Probleme mit rumänischen Arbeitern in prekären Arbeitsverhältnissen identifiziert werden
  • Unterstützung von betroffenen Gemeinden und Maßnahmen gegen Arbeitsbedingungen unter dem Standard für Immigranten warten nur auf politische Reaktionen

Förderungsagentur
Friedrich-Ebert-Stiftung

Methoden
Literaturübersicht

Daten
Literature; numbers from i.e. Federal Statistical Office, Federal Ministry for Labour and Social Affairs

Gruppe
Rumänische Immigranten

Mangel an Qualifikation
nicht erwähnt

Beobachtungszeitraum
historisch

  Deutschland | Institutionelles Paper

Raffelhüschen and Moog (2016): Zur fiskalischen Dividende der Flüchtlingskrise. Eine Generationenbilanz.

Forschungsfrage
Was sind die Fiskalkosten der Immigration von 2015?

Ergebnis

  • Unkontrollierte Immigration kann das demografische Problem nicht lösen und hat negative fiskale Effekte
  • Je weniger qualifiziert Immigranten sind und je mehr ankommen, desto höher ist die fiskale Nachhaltigkeitslücke
  • Qualifizierte Immigration mit hoher Arbeitsmarktpartizipation und geringerer Integrationszeit hat positive fiskale Effekte auf das nationale Budget

Politische Empfehlung

  • Kontrollierte Immigration soll garantieren, dass der Durchschnitt der Immigranten relativ qualifiziert ist
  • Das kann durch gemeinsame EU-Politik, wie zum Beispiel restriktive Schengen-Grenzkontrollen, Einwanderungsquoten und geringe Sozialleistungsbereitstellungen im Falle von Arbeitslosigkeit und Bedürfnissen erreicht werden

Förderungsagentur
Stiftung Marktwirtschaft; veröffentlicht als Studie in „Kosten und Chancen der Migration“ (2016), ifo Schnelldienst

Methoden
quantitativ (generationsübergreifendes Accounting)

Daten
Data from 2013: Socio-economic Panel (IAB-SOEP-Migrationsstichprobe), Deutsche Rentenversicherung, Federal Statistical Office, Federal Office of Administration

Gruppe
Flüchtlinge (weite Auffassung)

Mangel an Qualifikation
nicht erwähnt (aber: klare Stellungnahme, dass qualifizierte Immigration positiven Einfluss auf die fiskale Nachhaltigkeit haben, indem sie das BIP erhöht)

Beobachtungszeitraum
Szenario

  Deutschland | Institutionelles Paper

Stähler (2017): A Model-Based Analysis of the Macroeconomic Impact of the Refugee Migration to Germany

Forschungsfrage
Was sind die möglichen ökonomischen Konsequenzen und Einreisebestimmungen in Bezug auf die Flüchtlingsmigration?

Ergebnis

  • Maßnahmen, die die Qualifikationsprofile der Migranten jenen der einheimischen Bevölkerung angleichen, führen langfristig nicht zu BIP- und Konsumverlusten
  • ein teilweises oder totales Versäumnis, die Kluft zwischen den Fähigkeiten zu schließen, kann sehr wohl negative Konsequenzen in Bezug auf Löhne und Konsumverlust haben und zu höherer Arbeitslosigkeit führen
  • Insgesamt legt das das Modell nahe dass die makroökonomischen Auswirkungen der Flüchtlingsmigration gering sind.

Politische Empfehlung
Nur implizit: erklärt, dass „Integrationsmaßnahmen, um die Qualifikationsstruktur in Deutschland zu verbessern“ zu positiven fiskalen Ergebnissen führen

Förderungsagentur
Deutsche Bundesbank

Methoden
quantitativ (makroökonomisches Simulationsmodel (New Keynesian DSGE model GEAR))

Daten
German Federal Statistical Office

Gruppe
Flüchtlinge (Asylsuchende, Flüchtlingskonvention)

Mangel an Qualifikation
Stähler (2017) beinhaltet Substitutionseffekte in seinem Model. Es nimmt an, dass Flüchtlinge am Anfang nicht mit Einheimischen konkurrieren, aber langfristig, nachdem sie sich Sprache und Ausbildung angeeignet haben, stehen sie in Konkurrenz. Makroökonomisch hingegen evaluiert Steller (2017) diese Konkurrenz positiv.

Beobachtungszeitraum
Szenario

  Deutschland | Institutionelles Paper

Weber and Weigand (2016): Identifying macroeconomic effects of refugee migration to Germany

Forschungsfrage
Was sind die Auswirkungen der Migration auf die deutsche Wirtschaft, mit expliziter Unterscheidung zwischen Flüchtlingsmigration und Nicht-Flüchtlingsmigration?

Ergebnis

  • Immigration von Nicht-Flüchtlingen hat auf mittellange Sicht mehr positive Effekte auf das BIP und den Arbeitsmarkt
  • Ein Schock an Flüchtlingsimmigration verursacht zuerst positive (Nachfrage-Seite) Reaktionen, aber später verringert es sowohl das Pro-Kopf-BIP als auch den Einkommensanteil und erhöht die Arbeitslosenquote
  • nichtsdestotrotz schwinden diese Effekte über die Zeit

Politische Empfehlung
Es bedarf anfänglich erheblicher Investitionen in den Feldern der Integration, Sprachfähigkeiten, Qualifikationen, des Gebrauchs von informellen Kompetenzen und eines Zugangs zum Arbeitsmarkt

Förderungsagentur
Institut für für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Methoden
quantitativ (makroökonomische Modellierungsansätze ergänzt durch instrumentelle Variablentechniken)

Daten
yearly data for the period 1970–2014 from Federal Office for Migration and Refugees, German Federal Statistical Office

Gruppe
Immigranten (Unterscheidung zwischen Flüchtlingen und Nicht-Flüchtlingen)

Mangel an Qualifikation

  • Kurzfristig nur Effekte auf der Nachfrageseite, keine Arbeitsmarktintegration
  • Mittelfristig: negative Effekte, besonders auf die Arbeitslosenrate, das Pro-Kopf BIP und Löhne. Das ist wahrscheinlich durch die geringe Qualifikation, die geringe Übertragbarkeit von menschlichem Kapital und einer eher geringen Eignung von Flüchtlingen für die Bedürfnisse des deutschen Arbeitsmarkts zu erklären. Es würde einem Angebotsschock von Arbeit gleichkommen, vor allem im Bereich der Geringverdiener und zu eher geringen Risiken in der Arbeitslosigkeit (cf.Brückeretal. 2014). (S. 9)
  • Langfristig „könnte die Arbeitslosenrate erhöht bleiben, durch die Veränderung der Zusammensetzung der Arbeitskräfte“ (S.9)

Beobachtungszeitraum
historisch (1970-2014)

  Deutschland | Institutionelles Paper

Worbs, S., Bund, E. and Böhm, A. (2016): Asyl – und dann? Die Lebenssituation von Asylberechtigten und anerkannten Flüchtlingen in Deutschland.

Forschungsfrage
Wie ist die Lebenslage von anerkannten Flüchtlingen in Deutschland?

Ergebnis
In Bezug auf Sozialleistungen, aus einem Minimum von 60,8 Prozent der befragten Haushalte, würde zumindest eine Transferleistung zum Haushaltseinkommen beitragen. Dies sind oft grundlegende Sozialleistungen gemäß SGB II oder SGB XII. Die Mehrzahl der Haushalte erhält ein monatliches Einkommen unter 1.500 Euro. Dadurch haben arbeitende Menschen und Menschen, die bereits länger in Deutschland wohnen, auf lange Sicht höhere Einkommen.

Politische Empfehlung

  • Eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt in typischen Immigranten-Segmenten, wie zum Beispiel Lebensmitteln und Verpackungen, ist langfristig nicht nachhaltig, da gering- bis mittel-qualifizierte Jobs in Zukunft selten werden und in diesen Sektoren Karrierechancen nicht gegeben sind. Stattdessen rentiert sich eine anfängliche Investition in Sprach- und Qualifikationskurse
  • Das Potenzial von Frauen und höherqualifizierten Flüchtlingen muss mit gezielten Maßnahmen gefördert werden

Förderungsagentur
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)

Methoden
quantitativ (Umfrage)

Daten
self-collected data by means of a standardized quantitative survey in writing

Gruppe
Flüchtlinge (Menschen berechtigt zu Asyl, Flüchtlingskonvention)

Mangel an Qualifikation
nicht erwähnt

Beobachtungszeitraum
Moment (2014)

  Österreich, Deutschland | Zeitschriftenaufsatz (Economica)

Boeri (2010): Immigration to the Land of Redistribution

Forschungsfrage
Wie beeinflusst Migration die fiskale Netto-Position von Einheimischen?

Ergebnis

  • Legale Migranten, merkbar unqualifizierte Migranten sind Netto-Empfänger von Transferleistungen vom Staat
  • Immigranten erhalten mehr beitragsfreie Transferleistungen als Einheimische
  • „Verbleibende Abhängigkeit“, beitragsfreie Transfers und eine Selbstauswahl von unqualifizierten Migranten in Ländern mit den großartigsten Sozialstaaten kann beobachtet werden
  • Erkenntnisse über Österreich und Deutschland zeigen, dass Einheimische weniger wahrscheinlich zu fiskalen Beitragszahlern werden als Migranten

Politische Empfehlung
Migration von Sozialpolitik zu entkoppeln, ist sehr schwierig – der Staat muss sich um schnelle Beschäftigung und gleichzeitig auch um Arbeitslose kümmern

Förderungsagentur
Unabhängige Studie

Methoden
quantitativ

Daten
EU-SILC 2004–2007 for 15 EU-countries

Gruppe
Immigranten (undifferenziert)

Mangel an Qualifikation
nicht erwähnt

Beobachtungszeitraum
historisch (2004–2007)

  Österreich, Deutschland | Zeitschriftenaufsatz (Emerald publication)

Barrett and Maître (2013): Immigrant welfare receipt across Europe

Forschungsfrage
Ist es für Immigranten wahrscheinlicher, Sozialleistungen zu erhalten, als für einheimische Bürger quer durch europäische Länder?

Ergebnis

  • Immigranten sind keine exzessiven Nutzer des Sozialstaats im Vergleich zu Einheimischen. Jedoch erhalten in vielen Ländern Flüchtlinge wahrscheinlicher arbeitslosen- oder familienbezogene Transferleistungen
  • Es gibt Beweise für höhere Armutsraten unter Flüchtlingen
  • Unterschiede zwischen den verschiedenen Sozialstaatssystemen machen einen Vergleich schwierig

Politische Empfehlung
Politische Bedenken sollten sich lieber auf Armutsraten unter Flüchtlingsgruppen konzentrieren, anstatt auf Empfänger von Sozialleistungen. Es gibt beträchtliche Hürden für Immigranten, an Sozialleistungen zu kommen, was in Armut resultiert

Förderungsagentur
Unabhängige Studie

Methoden
quantitativ (deskriptive Statsitik und daraus resultierende Proberegressionen)

Daten
EU-SILC 2007

Gruppe
Immigranten (Ausnahme: Deutschland, EU und Nicht-EU-Migration)

Mangel an Qualifikation
nicht erwähnt

Beobachtungszeitraum
Moment (2007)

  Österreich, Deutschland | Zeitschriftenaufsatz (Journal of Ethnic and Migration studies)

Goodman and Wright (2015): Does Mandatory Integration Matter? Effects of Civic Requirements on Immigrant Socio-economic and Political Outcomes

Forschungsfrage
Spielen verpflichtende Bedingungen für die Integration eine Rolle?

Ergebnis
Es gibt wenig Hinweise dafür, dass diese Voraussetzungen greifbare und langfristige Integrationswandel mit sich bringen – jedoch spielen diese Voraussetzungen eine wichtige Rolle, während sie gleichzeitig den Staat näher an das Leben der Immigranten rücken lässt

Politische Empfehlung
nicht erwähnt

Förderungsagentur
Unabhängige Studie

Methoden
gemischt (Literatur und CIVIX index)

Daten
European Social Survey (2002–2012)

Gruppe
Immigranten (undifferenziert)

Mangel an Qualifikation
nicht erwähnt

Beobachtungszeitraum
Moment

  Österreich, Deutschland | Institutionelles Paper

Martin et al. (2016): From Refugees to Workers: Mapping Labour-Market Integration Support Measures for Asylum Seekers and Refugees in EU Member States

Forschungsfragen
In welchem Ausmaß unterscheidet sich die durchschnittliche Leistung von Immigranten von der von Einheimischen? Können diese Unterschiede durch strukturelle Auswirkungen erklärt werden und wie hat sich Integration über das letzte Jahrzehnt entwickelt?

Ergebnis

  • Stakeholder glauben, dass die Beherrschung der deutschen Sprache von höchster Bedeutung für die weitere Qualifikation ist, was sich in allen Programmen der Regierung widerspiegelt
  • Erfolgreiche Arbeitsmarkqualifikation wird davon abhängen, wie gewillt Unternehmen sind, Flüchtlinge einzustellen

Politische Empfehlung

  • Ein effektiverer Zugang für Asylsuchende in Österreich durch die Entfernung von aktuellen Beschränkungen
  • Einen Zugang zu allen wirtschaftlichen Sektoren gewähren und die Wartezeit auf den Arbeitsmarkt verkürzen

Förderungsagentur
durchgeführt von Migration Policy Center

Methoden
Literaturübersicht und Fallbeispiele

Daten
Fallstudien

Gruppe
Flüchtlinge (Asylsuchende, Flüchtlingskonvention)

Mangel an Qualifikation
nicht erwähnt

Beobachtungszeitraum
Moment

  Andere | Institutionelles Paper

Aiyar et al. (2016): The Refugee Surge in Europe. Economic Challenges

Forschungsfrage
Welche Möglichkeiten hat die EU, Neuankömmlinge in die Wirtschaft und Gesellschaft einzugliedern?

Ergebnis

  • Der Zustrom an Asylsuchenden wird die europäische Wirtschaft ankurbeln, nachdem Staatsausgaben getätigt wurden, allerdings mit geringen Effekten
  • Eine zügige Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt hat wichtige wirtschaftliche und fiskale Vorteile
  • Verlagerungseffekte für einheimische Arbeiter werden gering ausfallen

Politische Empfehlung

  • Asylprozesse in der EU harmonisieren
  • Unterstützung für Länder, die an Konfliktregionen angrenzen
  • Die Anforderungen für den Arbeitsmarkt senken
  • Langfristig: Zugang zu leistbarem Wohnen; Kinder von Flüchtlingen sollten einen Zugang zum Schulsystem erhalten, kostenlose Transportmöglichkeiten sollten gewährt werden und leichterer Zugang zu finanziellen Dienstleistungen (z.B. Bankkonto)

Förderungsagentur
International Monetary Fund (IMF)

Methoden
gemischt (Statistiken und Literaturübersicht)

Daten
Eurostat (2015), UNHCR (2015), OECD (2015)

Gruppe
Flüchtlinge (Asylsuchende, Flüchtlingskonvention)

Mangel an Qualifikation
Auf dem Arbeitsmarkt findet nur ein kurzzeitiger Verdrängungseffekt, dann eine Umkehr statt: Die Löhne und die Beschäftigungsrate steigen

Beobachtungszeitraum
Moment

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Gabriel Hellmann
Projektleitung

Gabriel Hellmann hat Rechtswissenschaften und die öffentliche Finanzkontrolle studiert. Er diente den Medien, den Kommunen, dem Staat und nun den Bürgern. Transparenz und Gerechtigkeit sind ihm große Anliegen, denen er sich akribisch verpflichtet fühlt.

Maria Kern
Team Investigative Recherche

Maria Kern war in den vergangenen zehn Jahren Innenpolitik-Redakteurin des „Kurier“. Zuvor war sie im EU-Ressort und in der Chronik-Redaktion der Tageszeitung tätig. Die Publizistik- und Politikwissenschaftsabsolventin der Uni Wien sieht es als ihre Aufgabe an, Bürgern komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge zu erklären und auch aufzuzeigen, was im Land schiefläuft.

Dennis Meyer
Team TV

Dennis Meyer glaubt an die Macht der Bilder und des Wortes. Der Kulturwissenschaftler wurde also Fernsehjournalist. Nach Stationen beim ZDF und bei Spiegel TV zog der Hamburger nach Salzburg. Zunächst arbeitete er als freier Autor und Gestalter, dann in der Redaktion von „Talk im Hangar-7“. Jetzt widmet er sich Reportagen und Dokumentationen über Themen, die bewegen.

Moritz Moser
Team Experten
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Team Social Media

Claudia Riegler hat Kommunikationswissenschaft studiert und beschäftigt sich seit 2007 mit der Kommunikation in und rund um Onlinemedien. Sie hat sich auf die „Übersetzung“ von komplexen Inhalten in Geschichten für Onlinemedien spezialisiert.

Lukas Schmoigl
Team Experten

Lukas Schmoigl hat Volkswirtschaft und Statistik an der Wirtschaftsuniversität und an der Universität Wien studiert. Seine Expertise liegt auf dem Gebiet der quantitativen empirischen Forschung und Datenanalyse. Neben dem Studium war er in den vergangenen Jahren in der Abteilung IT-SERVICES an der WU tätig.

Anna Schneider
Team Experten

Anna Schneider hat Rechtswissenschaften und Kunstgeschichte studiert. Nach einer Zeit als Universitätsassistentin am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht wechselte sie Anfang 2014 als Referentin für Verfassung, Menschenrechte und Weltraum ins Parlament; nun leitet sie als Gründungsmitglied von Quo Vadis Veritas das Expertenteam von Addendum.

Jan Thies
Team TV
Max Thomasberger
Team Daten

Max Thomasberger hat spät berufen Volkswirtschaftslehre studiert. Im früheren Leben war er Statistiker, Musiker, Tontechniker, IT-Spezialist und Erwachsenenbildner. Jetzt sammelt, analysiert und visualisiert er Daten für den allgemeinen Erkenntnisgewinn bei Addendum.

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Team Investigative Recherche

Andreas Wetz mag Recherchen mit überraschenden Ergebnissen. Bei der Veröffentlichung halfen bisher „Kleine Zeitung“, „Kurier“ und „Die Presse“.

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