Übersicht  

Österreich, kein Spenden­welt­meister

Entgegen einem gern und weit verbreiteten (Selbst-)Bild liegt Österreich weder welt- noch europaweit im Spitzenfeld der spendenfreudigsten Nationen. Und zum ersten Mal seit Jahren ist das Spendenaufkommen heuer im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.

18.12.2017
Artikel zum Anhören

Für die einen ist Weihnachten die Spendezeit schlechthin: Von Licht ins Dunkel abwärts werben zahlreiche Non-Profit-Organisationen in Film und Fernsehen, Rettungs- und Feuerwehrleute ziehen in der Urlaubszeit von Haus zu Haus, um Mitglieder wie Unterstützer für das kommende neue Jahr zu werben, wenig später bildet die Dreikönigsaktion mit den Sternsingern den informellen Abschluss der Spendenjahreszeit.

Für die andere Seite ist es auch die Zeit, Bilanz zu ziehen: Ende November hat der Fundraisingverband, eine Informationsplattform spendensammelnder Organisationen, seinen jährlichen Spendenbericht veröffentlicht – mit einer besonderen Überraschung: Zum ersten Mal seit Jahren ist die erfasste Spendensumme – der Verband wertet dafür hunderte Jahresberichte und Dokumentationen spendensammelnder Organisationen aus – im Vergleich zum Vorjahr gesunken: Hatten gemeinnützige Organisationen 2016 rund 640 Millionen Euro an Spenden gesammelt, dürften es heuer „nur“ noch 630 Millionen Euro werden.

icon-bubble

Top Kommentar

Der Fundraisingverband sieht die Gründe dafür einerseits im – grundsätzlich erfreulichen – Ausbleiben großer Naturkatastrophen oder einschneidender Ereignisse wie der Migrationswelle 2015/16, die in der Regel eine stärkere Spendenbereitschaft nach sich zögen. Andererseits habe der bürokratische Aufwand der neuen Spendenabsetzbarkeitsregeln – Organisationen müssen nun Daten der Spender erfassen – Menschen abgeschreckt, ihre Geldbörsen zu öffnen.

icon-bubble

Top Kommentar

Europas Mittelfeld

Der Fundraising-Bericht räumt auch mit dem (Selbst-)Bild auf, dass die Österreicher quasi „Spendenweltmeister“ seien: Alleine im europäischen Vergleich des Spendenaufkommens pro Kopf liegt Österreich nur im Mittelfeld:

icon-bubble

Top Kommentar

Nimmt man noch die USA zu diesem Vergleich hinzu, verblasst die heimische Spendenbereitschaft überhaupt: Rund 1.080 Euro pro Kopf haben die Amerikaner 2016 gespendet.

Man kann allerdings einwenden, dass dieser Vergleich wenig geeignet für die tatsächliche Spendebereitschaft ist: Großspenden – etwa an Stiftungen – würden diesen Pro-Kopf-Schnitt deutlich verzerren, dazu kommt, dass die völlig unterschiedlich ausgebauten Sozialsysteme dieser Länder auch andere Bedürftigkeitsstrukturen bedingen.

Staat oder Spender

Vereinfacht gesagt: Ein Land mit flächendeckender Kranken- oder Arbeitslosigkeitsvorsorge kostet die Bürger mehr Abgaben, sie sind in der Notlage aber auch weit weniger auf Spenden angewiesen, weil der Staat einspringt.

Deswegen kann man durchaus noch eine weitere Statistik heranziehen, um die Spendenbereitschaft der Österreicher zu bewerten: den „World Giving Index“ der weltweiten Charities Aid Foundation. Dieser Index wertet repräsentative Gallup-Befragungen aus 139 Ländern unter anderem daraufhin aus, wie hoch der Anteil der Menschen in diesem Land ist, die im Befragungsmonat Geld (egal wie viel) für wohltätige Zwecke gespendet haben.

In diesem Vergleich liegt Österreich mit 48 Prozent der Bevölkerung, die spendet, international deutlich besser, auf Platz 24 von 139 Staaten:

icon-bubble

Top Kommentar

Das ganze Paket

Sie wollen unsere Inhalte verbreiten? Wir stellen Ihnen diesen Artikel mit seinen Elementen zur Verfügung.
Paket downloaden
download_icons

Inhaltspaket downloaden

Dieser Artikel und seine Inhalte können übernommen und verbreitet werden. Folgende Bedingungen sind dabei zu beachten:

  • Addendum als Quelle zitieren
  • Backlink zum ursprünglichen Artikel auf addendum.org setzen
  • Inhalte können nicht ohne Absprache mit Addendum verändert werden
  • Wird der gesamte Artikel veröffentlicht, muss ein Zählpixel eingebaut werden, Instruktionen dazu finden Sie in unseren Nutzungsbedingungen
  • Weitere Bilder können auf Anfrage an [email protected] beantragt werden

Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen zur Verwendung unserer Inhalte, welche Sie unter folgendem Link in ihrer aktuellen Form abrufen können: http://add.at/nbd

close

Vielen Dank!

Ihr Download ist nun bereit!

Addendum_013_02_Spenden.zip
3 MB

Inhaltspaket anfordern

Mit seinem Spendenrückgang liegt Österreich international übrigens im Trend: Der Anteil der Menschen, die im aktuellen World Giving Index angegeben hatten, Geld zu spenden, ist der niedrigste seit drei Jahren. 

icon-bubble

Top Kommentar

18.12.2017

Das Rechercheteam

Mathias Dechant
Team Experten

Mathias Dechant hat Rechtswissenschaften an der Universität Wien studiert. Danach Ausbildung zum Rechtsanwalt; Schwerpunkte in den Bereichen Zivilrecht, Corporate und M&A sowie IP. Er war seit den Anfängen des Studiums bis zuletzt in Wiener und Salzburger Wirtschaftskanzleien tätig.

Christine Grabner
Team Investigative Recherche

Christine Grabner war die letzten 12 Jahre als Redakteurin für das ORF Reportage-Format „Am Schauplatz“ tätig. Ihr Schwerpunkt sind gesellschaftspolitische und investigative Themen. Davor war sie viele Jahre freiberuflich unter anderem für den ORF „Report“, ATV, Spiegel-TV oder die Berliner Zeitung tätig. Die gebürtige Kärntnerin hat an der Berliner „Freien Universität“ ein Magister-Studium der Publizistik/ Philosophie und Neueren Geschichte abgeschlossen.

Markus „Fin“ Hametner
Team Daten

Markus Hametner hat Informatik studiert, baut seit 2011 Brücken zwischen Technologie und Journalismus und beschäftigt sich seit 2014 als Datenjournalist mit internationalen Datenrecherchen und interaktiven Visualisierungsformen. In seiner Freizeit betreibt er als Mitgründer des Forum Informationsfreiheit die Plattform FragDenStaat.at und trägt erfolgreich Rechtsstreite mit Behörden aus, die Auskünfte verweigern.

Christoph Hanslik
Team Investigative Recherche

Christoph Hanslik war in den vergangenen 17 Jahren als Unternehmer am internationalen Finanzmarkt tätig. Seine Erfahrungen stellte er drei Jahre im Parlament als Fachreferent für die Bereiche Budgetausschuss, Finanzausschuss, ESM-Ausschuss sowie als Teamleiter des HYPO-Untersuchungsausschuss zur Verfügung. Jetzt berät er das investigative Rechercheteam von Addendum.

Johannes Kaiser
Team Experten

Johannes Kaiser studiert Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Neben dem Studium war er in einer Wiener Bankenrechtskanzlei tätig, bevor er ins Parlament wechselte. Dort arbeitete er als Analyst im HYPO-Untersuchungsausschuss und später im Finanz- und Budgetbereich. Addendum ist seine erste Station in der Medienbranche.

Georg Renner
Projektleitung

Georg Renner hat Rechtswissenschaften studiert, weil er wissen wollte, wie Dinge (Staaten, Städte, die Gesellschaft …) funktionieren, was sie zusammenhält. Nachdem ihm dort kein Erfolg beschieden war, geht er dieser Frage nun journalistisch nach; zuvor bei „NZZ.at“ und „Die Presse“.

Stefan Schett
Team Social Media
stefanschett

Stefan Schett hat in Wien Politikwissenschaft studiert und arbeitet nebenbei an seinem Zweitstudium Publizistik. Er war lange Zeit als freier Journalist und Social Media Manager tätig, journalistische Erfahrung sammelte er unter anderem beim Kurier und bei Puls 4. Für Addendum kümmert er sich um die Konzeption und Erstellung von Social Media-Content.

Andreas Wetz
Team Investigative Recherche

Andreas Wetz mag Recherchen mit überraschenden Ergebnissen. Bei der Veröffentlichung halfen bisher „Kleine Zeitung“, „Kurier“ und „Die Presse“.

x

Folgende Artikel gehören zum Projekt 013 Spenden

013_01 Gelesen

Mitleid als Geschäft

013_02 Gelesen

Österreich, kein Spenden­welt­meister

013_03 Gelesen

Spendengütesiegel: Interessen, Konflikte und mangelnde Kontrolle

013_04 Gelesen

Die spendable öffentliche Hand

013_05 Gelesen

Der Fall Aiderbichl: Das Märchen vom Tierparadies

013_06 Gelesen

Warum kaum jemand sagt, was mit Spendengeld passiert

013_07 Gelesen

Die Spende – eine Weihnachts­geschichte

013_08 Gelesen

„Licht ins Dunkel“, beleuchtet

Daten
013_09 Gelesen

Aiderbichl: Dubiose „Tierabsicherung“

close


Sie haben uns etwas zu sagen?

Nutzen Sie die Kommentierleiste rechts, um einen Absatz zu kommentieren und mit der Redaktion zu diskutieren.

Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Addendum ist nicht werbefinanziert und nutzt Cookies, um mehr über das Nutzerverhalten zu erfahren und so das Angebot zu verbessern.
Hier erfahren Sie mehr über Cookies und Datenschutz bei Addendum.

QVV Siegel

Zum Newsletter anmelden

Jede Woche informieren wir Sie über unser aktuelles Projekt mit tiefgründigen Recherchen.

Zum Newsletter angemeldet

Bitte bestätigen Sie die Newsletter-Anmeldung in Ihrer Mailbox.