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Terror zu Halloween
1. November 2017 Terrorismus Lesezeit 3 min
In New York nutzt ein Mann die Feierlichkeiten zu Halloween, um mit einem Anschlag acht Menschen zu töten. Zielauswahl wie auch das Tatwerkzeug sind Kernelemente des sogenannten neuen Terrorismus. Unser Teammitglied berichtet von seinen Eindrücken aus Manhattan.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Terrorismus und ist Teil 15 einer 16-teiligen Recherche.
Bild: Don Emmert | AP

New York, 31. Oktober 2017. Einer der letzten sonnigen Herbsttage des Jahres, der Himmel ist strahlend blau. Es ist Halloween. Schon am späten Vormittag verwandeln sich die Gehsteige von Manhattan in einen kuriosen Catwalk des Grauens, eine Mischung aus White Walkers und irgendwelchen Clowns. Die Stimmung ist schon jetzt mehr als ausgelassen. Für alle Verweigerer dieses Erheiterungsspektakels gilt es zügig den Rückzug in ruhigere Wohngegenden anzutreten. Also lieber zurück über die Williamsburg Bridge nach Brooklyn. Raus auf den Balkon, die Sonne genießen.

Kurz nach 15 Uhr verwandelt sich der Franklin D. Roosevelt East River Drive in ein Meer aus Sirenengeheul und Blaulichtern. Begleitet von mehreren Polizeibooten und Hubschraubern. Einfach mal aus Gewohnheit Twitter geöffnet und #Manhattan eingegeben, um dann sofort live auf Twitter mitverfolgen zu können, was sich wenige Kilometer Luftlinie entfernt am Ufer der Hudson River abspielt: der schwerste Terroranschlag in New York seit 9/11.

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Ein Mann hat acht Menschen ermordet und mehr als ein Dutzend schwer verletzt, als er mit einem bei Home Depot ausgeliehenen weißen Pickup Truck auf einem Fahrradweg neben dem West Side Highway alles umfuhr, was ihm vor die Motorhaube kam. Von der Houston Street bis zur Chamber Street legte er fast 20 Blocks zurück. Zum Schluss rammte er noch vorsätzlich einen Schulbus. Das Ganze ereignete sich unweit von Ground Zero, dem Ort des letzten terroristischen Anschlags in New York. Am Ende stieg der Täter aus dem LKW aus, schrie „Allahu Akbar“, rannte zwischen gelben Taxis umher und fuchtelte mit einer Paintball-Pistole herum. Offensichtlich wollte er seine Tat nicht lebend beenden, sondern legte es auf die Tötung durch heranrückende Sicherheitskräfte an. Der Plan ging nicht auf. Er wurde durch den Bauchschuss eines Polizisten verwundet und anschließend festgenommen.

Es handelt sich bei dem 29-jährigen Mann um Sayfullo Saipov, der laut New York Times 2010 aus Usbekistan eingereist war. Er besitzt einen unbefristeten Aufenthaltstitel (Green Card), lebte laut Medienberichten mit seiner Familie in Tampa, Florida, und zuletzt in New Jersey. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Uber-Fahrer. Den Sicherheitsbehörden war er nicht als islamistischer Gefährder bekannt. Im Inneren des LKWs wurde ein Notizzettel gefunden, der einen Treueschwur an den „Islamischen Staat“ beinhaltete. Die ersten Indizien sowie das Fehlen einer Stellungnahme durch den IS deuten vorläufig auf die Tat eines „lone wolf“ hin. Sowohl die genaue Motivlage als auch eine mögliche Einbindung in ein größeres terroristisches Netzwerk innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten sind derzeit noch unklar. Als mögliches Netzwerk kommt die Islamische Bewegung Usbekistan (IBU) in Frage.

Terroristische Anschläge durch Dschihadisten mit usbekischer Nationalität haben sich in den letzten Monaten in Istanbul (auf dem Flughafen Atatürk/Nachtklub Reina) und in Stockholm ereignet. Am 7. April 2017 waren in Stockholm bei einem Rammangriff durch einen LKW fünf Menschen ums Leben gekommen.

Die Zielauswahl („soft targets“) wie auch die Auswahl des Tatwerkzeugs (LKW) sind ein Kernelement des sogenannten neuen Terrorismus .

Insbesondere der IS hat es verstanden, in bildreich aufbereiteten Online-Magazinen wie Dabiq oder Rumiyah konkrete Handlungsanleitungen für Einzeltäter zu geben, unter anderem für Terroranschläge mit Klein-LKWs. 

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