Übersicht  

Wien als Drehscheibe für Terror-Gelder

In den 90er Jahren haben islamistische Kämpfer in Bosnien ihre illegalen Waffenkäufe mit Geld bezahlt, das über Wien geschleust wurde. Heute gelten schärfere Regeln. Aber es ist noch immer sehr schwer, Geldwäsche zu beweisen. Darum drängen Ermittler in solchen Fällen auf eine Umkehrung der Beweislast.

06.10.2017

UNO-City, OPEC-Zentrale, internationale Hilfsorganisationen – all das verleiht Wien internationale Bedeutung. Als Bundeshauptstadt ist die Donaumetropole außerdem Standort für mehr als hundert Botschaften und Konsulate. Davon profitiert nicht nur die Stadt, sondern ganz Österreich – finanziell und imagemäßig. Im Dunstkreis und teils auch unter dem Deckmantel internationaler Vertretungen und Organisationen konnten sich in Wien aber auch Personen etablieren, denen es eher nicht um den Weltfrieden ging, nicht einmal um gute diplomatische Beziehungen. Sie wickelten hier nachweislich schwerkriminelle Geschäfte ab. Ist Wien eine zentrale europäische Geldwäsche-Drehscheibe? Belegbar ist jedenfalls, dass, um ein Beispiel aus der Vergangenheit zu nennen, über Wien große Geldtransfers durchgeführt wurden, um den Bosnien-Krieg mitzufinanzieren.

Mitarbeiter internationaler Vertretungen und Organisationen bekommen teils Diplomatenpässe, damit auch politische Immunität. Sie sind weitgehend vor Strafverfolgung geschützt. Was grundsätzlich internationalen Standards zivilisierter Staaten entspricht, bietet allerdings auch gute Rahmenbedingungen für illegale Machenschaften. Das zeigen die Vorkommnisse rund um eine „Hilfsorganisation“, die in der Nähe von Schloss Belvedere angesiedelt war.

icon-bubble

Top Kommentar

Die Wiener Al-Kaida-Connection und das „bosnische Modell“

Freundliche Bankmitarbeiter, anonyme Konten und eine Polizei, die nicht viele Fragen stellte – Wien galt schon lange als Paradies für Geheimagenten.10

Das dürfte auch der Grund dafür gewesen sein, dass sich in den 1980er Jahren die „Third World Relief Agency“ (TWRA) hier etablierte. Die Agentur dürfte dabei nicht so sehr die Hilfe bedürftiger Menschen im Auge gehabt haben. Laut Nachrichtendiensten hat die TWRA radikal-islamistische Einheiten im Bosnien-Krieg zwischen 1992 und 1995 finanziell und logistisch unterstützt.

icon-bubble

Top Kommentar

Die Agentur wurde 1987 von den sudanesischen Brüdern Elfatih und Sukarno Hassanein gegründet. Der Stammsitz befand sich in der Prinz-Eugen-Straße 36 im 4. Wiener Gemeindebezirk. In Sarajewo, Budapest, Moskau und Istanbul wurden Zweigstellen eingerichtet.

Elfatih Hassanein war, ehe er nach Wien kam, Osteuropa-Beauftragter der national-islamischen Front (NIF) gewesen, der führenden islamischen Partei im Sudan. Zwischen 1991 und 1996 beherbergte das NIF-Regime Al-Kaida-Chef Osama bin Laden, nachdem dieser Saudi-Arabien hatte verlassen müssen.

Hassanein wurde im März 1992 in Österreich als sudanesischer Kulturattaché akkreditiert und mit einem Diplomatenpass ausgestattet, der ihm Schutz vor polizeilicher Ermittlung bot. Im gleichen Jahr stellte der bosnische Außenminister Haris Silajdžić eine Vollmacht für die TWRA aus, die belegen sollte, dass Bosnien die TWRA goutiert. Das erleichterte der „Hilfsorganisation“, bei der GiroCredit (später Erste Bank) am Wiener Graben ein Konto zu eröffnen.

Dass die Agentur mit der Hilfe für Bedürftige wenig zu tun hatte, zeigte schon die Besetzung des Aufsichtsrats. So bekam der bosnische Vize-Verteidigungsminister Hasan Čengić einen Sitz im TWRA-Kontrollgremium. Der radikalislamische Politiker, der auch als Imam fungierte, stand im Verdacht, für den iranischen Geheimdienst zu arbeiten. TWRA-Gründer Elfatih Hassanein erhielt zusätzlich zu seinem sudanesischen auch einen bosnischen Diplomatenpass.

Erst Jahre später wurde über Geheimdienstberichte bekannt, wem die Agentur tatsächlich „half“: Über die TWRA flossen – wider das UNO-Waffenembargo gegen Jugoslawien – zwischen 1992 und 1995 große Geldmittel nach Bosnien, mit denen große Teile der Waffen für den Krieg am Balkan finanziert wurden.

icon-bubble

Top Kommentar

50 Millionen Dollar Bargeld

Wie liefen die Transaktionen konkret ab? Im Jahr 1994 landete beispielsweise eine Bargeld-Lieferung von 50 Millionen US-Dollar (mehr als 90 Kilogramm Banknoten) auf dem Flughafen Wien-Schwechat. Die Mittel stammten offenbar aus einer Ramadan-Spendensammlung für Bosnien aus dem Mittleren Osten. Das „Hilfsgeld“ wurde auf das Wiener TWRA-Konto bei der GiroCredit eingezahlt.

Wöchentlich wurden zwischen drei und fünf Millionen US-Dollar – als „Diplomaten-Gepäck“ getarnt und damit unkontrolliert – per Auto von Wien nach Sarajewo gebracht.

Zumindest die Hälfte des nach Bosnien transferierten Geldes soll für den Kauf und Schmuggel von Waffen eingesetzt worden sein. Ein Beispiel: Im September wurden 120 Tonnen an Sturmgewehren, Werfern, Minen und Munition aus ehemaligen sowjetischen Beständen per Frachtflugzeug aus Khartum (Sudan) ins slowenische Maribor transportiert. Die als „humanitäre Hilfe“ deklarierte Ware wurde von dort nach Bosnien gebracht. Finanziert wurde das Kriegsmaterial mit Mitteln aus dem Nahen und Mittleren Osten.

Die TWRA in Wien pflegte auch enge Beziehungen zur „Saudi High Commission for Relief of Bosnia and Herzegovina“ (SHC), welche zwischen 1992 und 2001 alleine 600 Millionen US-Dollar – offiziell für Hilfsleistungen und religiöse Zwecke – bereitstellte. Es gab auch Kontakte zum kürzlich verstorbenen ägyptischen Scheich Abdel Rahman, der in den USA wegen des ersten Anschlags auf das World Trade Center im Jahr 1993 in Haft saß.

Bosnische Mudschaheddin

Die Connection verwundert nicht. Einige tausend Freiwillige aus arabischen Staaten und dem Iran kämpften im Bosnien-Krieg an der Seite der muslimisch-nationalistischen Regierung von Präsident Alija Izetbegović. Auch Osama bin Ladens Al-Kaida stellte Kämpfer. Spätere Attentäter wie Khalid Sheikh Mohammed – Mastermind der Terroranschläge vom 11. September 2001 – sammelten Kampferfahrung in Bosnien.

Was in der Prinz-Eugen-Straße 36 in Wien ablief, blieb den Behörden in Österreich zwar nicht völlig verborgen, mit der nötigen Vehemenz scheinen sie in der Sache aber nicht vorgegangen zu sein. Diesen Eindruck vermitteln allein die zeitlichen Abläufe. Zwar musste Hassanein 1994 Österreich „wegen Missbrauchs der österreichischen Gastfreundschaft“ – so die offizielle Lesart – verlassen (er soll seine Geschäfte aus Istanbul weiter betreiben), und 1995 wurde bei der TWRA auch eine Razzia durchgeführt. Es ging um den Verdacht des Waffenhandels und der Schlepperei. Aber erst sechs Jahre später, im Jahr 2001, ließ die damals für Terrorismusbekämpfung zuständige Sondereinheit EDOK das Agentur-Konto sperren und beschlagnahmte alle sich darauf befindlichen Daten. Geld war, wenig überraschend, keines mehr zu finden, das Konto war leer.

2,5-Milliarden-Dollar-Waschmaschine

Ein Bericht der bosnischen Regierung, der einige Jahre nach Kriegsende – in Zusammenarbeit mit westlichen Geheimdiensten – erstellt wurde, offenbart, dass in den Kriegsjahren über die TWRA 2,5 Milliarden US-Dollar gewaschen wurden. Die Agentur, so wird beschrieben, habe engste Kontakte zu Politikern, „heiligen Kriegern“ und zum Terrornetzwerk bin Ladens gepflegt.

Auch eine Bankverbindung zwischen dem Sudan bzw. der Al Shamal Islamic Bank und Österreich (GiroCredit in Wien) wurde damals publik. Der US-Geheimdienst CIA rechnete die sudanesische Bank bin Laden zu.

Österreich reagierte auf all diese Hinweise mit der Bildung einer Taskforce, bestehend aus Mitgliedern der EDOK, der Oesterreichischen Nationalbank und des Finanzministeriums – und mit einer weiteren Kontosperre. Das Nachrichtenmagazin Profil schrieb im Oktober 2001, die Kontoverbindung in den Sudan lege nahe, dass bin Ladens Al-Kaida Geld nach oder über Österreich transferiert haben dürfte. Die EDOK fand dafür aber keine ausreichenden Verdachtsmomente.

icon-bubble

Top Kommentar

Die Quellen der Terrorismusfinanzierung

Es gibt heute mehr terroristische Organisationen mit guter Kapitalausstattung als je zuvor. Allein der „Islamische Staat“ soll über ein Jahresbudget von drei Milliarden US-Dollar verfügen.

Terrorismusexperten wie etwa Peter Neumann und Loretta Napoleoni nennen vier Hauptquellen der Terrorismusfinanzierung:

Freiwillige Spenden

Ein und dieselbe Person kann von den einen als Terrorist und von anderen als Freiheitskämpfer gesehen01 werden. Das erklärt, warum Terrororganisationen auch zu Geld kommen, das aus freiwilligen Spenden und regierungsnahen Quellen stammt.

  • Beispiel 9/11: Laut Angaben des US-Senators Bob Graham (Vorsitzender der Untersuchungskommission von Senat und Repräsentantenhaus sowie Leiter des Geheimdienstausschusses) sollen die saudische Regierung, saudische Wohltätigkeitsorganisationen sowie Diplomaten (vom saudischen Konsulat in Los Angeles und von der Botschaft in Washington) und andere saudische Staatsbürger in die Finanzierung der Attentate vom 11. September 2001 verstrickt gewesen sein. Die 9/11-Kommission des US-Kongresses urteilte in ihrem Abschlussbericht 2004, Saudi-Arabien sei nicht aktiv am Anschlag beteiligt gewesen, habe aber „weggeschaut“, als saudische Wohlfahrtsorganisationen Geld für die Terroristen spendeten.
  • Beispiel Syrien: Das saudische Königshaus finanzierte den Stellvertreterkrieg gegen das Assad-Regime in Syrien, was wiederum die Entwicklung des IS förderte.
  • Beispiel Nordirland: Die IRA wurde in den 1970er Jahren unter anderem von Libyens Diktator Muammar Gaddafi sowie von irischen Staatsbürgern unterstützt, die in den USA lebten. Ideologische und materielle Unterstützung gab es aus der Republik Irland, aber auch aus Moskau und aus dem Baskenland (von der ETA).

Kriminelle Aktivitäten

Terrorismus wird über weite Strecken – wenig überraschend – auch mit kriminellen Mitteln finanziert, etwa mit Lösegeld aus Entführungen. Erlöse aus dem Menschenhandel, dem Zigarettenschmuggel, der Produktpiraterie oder dem Diamantenhandel (vor allem aus Westafrika) fließen ebenfalls in Terrornetzwerke. Zusätzlich im Finanzierungsrepertoire: Schutzgeldzahlungen. Solche forderte beispielsweise der IS im Irak. Die Zusammenarbeit von Terroristen mit Drogenhändlern (wie zum Beispiel für die Herstellung von Heroin für den europäischen Markt) geht bereits auf die 1970er Jahre in Afghanistan zurück. Man nimmt an, dass die Taliban in den vergangenen Jahren mehr als 200 Millionen US-Dollar pro Jahr durch den Opiumhandel erzielt haben.

Einnahmen aus der Kontrolle von Territorien

Der IS erzielt in den von ihm kontrollierten Gebieten Einnahmen aus Steuern, er beschlagnahmt Privatbesitz, handelt mit Bodenschätzen aus den Regionen und besteuert Hilfslieferungen.

So soll der IS im Jahr 2015 einen Gesamterlös von zwei Milliarden US-Dollar erwirtschaftet haben, wovon alleine die Hälfte aus dem Verkauf von Öl stammte. Weitere 350 Millionen Dollar sollen aus Steuereinnahmen lukriert worden sein, 100 Millionen aus dem Verkauf von archäologischen Gegenständen auf dem Schwarzmarkt und 45 Millionen Dollar aus Lösegeld-Forderungen.

Legale Geschäftstätigkeiten

Terrororganisationen kommen auch über ganz legale Firmen zu Geld. Osama bin Laden finanzierte sein Netzwerk teils über sein Privatvermögen, das er u.a. durch Gewinne aus seinen Baufirmen und landwirtschaftlichen Betrieben angehäuft hatte.

Erlöse aus Telefonläden oder Internetcafés landen ebenfalls immer wieder bei Terroristen.

Zur Vorbereitung der Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania (1998) wurde eigens zu diesem Zweck ein Fischereibetrieb gegründet.

Auch die IRA betrieb unterschiedliche Gewerbe wie Taxiunternehmen und Hotels.

John R. Schindler: Unholy Terror, 2007, S. 151

Profil: Bin Laden Gelder über Wien geflossen, 22.09.2001

Geldwäsche: Was die Behörden tun

In der Vergangenheit wurden also nachweislich große Summen mit kriminellem Hintergrund über Österreich transferiert – mutmaßlich zur Terrorismusfinanzierung. Und wie sieht es gegenwärtig aus? Im Bundeskriminalamt (BK) in Wien werden sämtliche „Geldwäscheverdachtsmeldungen“ gesammelt. Im Vorjahr wurde laut BK-Geldwäschebericht ein deutlicher Anstieg verzeichnet: 2.150 Verdachtsmeldungen wurden 2016 registriert, 2015 waren es 1.793. Ein Plus gab es auch bei Meldungen im Bereich der Terrorismusfinanzierung (174).

Die Zunahme ist jedoch kein verlässliches Indiz für die tatsächliche Zahl von Geldwäscheaktivitäten in Österreich. Experten gehen davon aus, dass aufgrund des internationalen Drucks – nicht zuletzt durch die bei der OECD angesiedelte „Financial Action Taskforce“ (FATF) – die Aufmerksamkeit gestiegen ist und daher den Behörden auch mehr Verdachtsfälle zugetragen werden.

icon-bubble

Top Kommentar

Zentral ist für die Ermittler laut Finanzmarktaufsicht (FMA), woher das Geld stammt und was damit geschieht bzw. geschah. Aus welchem Land wurde es transferiert? Wem gehört es? Sind in irgendeiner Form politisch exponierte Personen involviert? Ist das jeweilige Geschäft in seiner Struktur auffällig? Die Antworten auf diese Fragen entscheiden, ob aus einem Hinweis ein Fall für die Behörden wird, der am Ende vor Gericht landet (siehe Grafik).

icon-bubble

Top Kommentar

Geldwäsche Jahresbericht 2016

Woher kommen Hinweise? Wer liefert den Ermittlern die nötigen Ansatzpunkte, um verdächtigen Geldflüssen nachgehen zu können? Das sind vor allem meldepflichtige Institutionen (Banken, Versicherungsunternehmen, Wertpapierfirmen) und meldepflichtige Berufsgruppen (Rechtsanwälte, Notare, Wirtschaftstreuhänder, Gewerbetreibende wie z.B. Juweliere). Berufsgruppen wie Banker oder Anwälte sind gesetzlich verpflichtet, die Behörden einzuschalten, wenn sie Indizien für Geldwäsche haben.

Ein Blick in die Statistik zeigt allerdings eine bemerkenswerte Asymmetrie: Während Banken im vergangenen Jahr 2.002 Verdachtsmeldungen erstatteten, kamen nur 19 von Rechtsanwälten, Notaren und Wirtschaftsprüfern. Experten vermuten, ein Grund für dieses Missverhältnis könnte sein, dass Banken und ähnliche Institutionen einer strengen Aufsicht durch die FMA unterliegen, die erwähnten Berufsgruppen aber nicht.

Von den 2.150 Verdachtsmeldungen im Jahr 2016 konnten letztlich nur 46 Sachverhalte (zwei Prozent) an die Staatsanwaltschaft übermittelt werden. Das liegt daran, dass es aufgrund der internationalen Verschachtelungen und Verflechtungen der infrage kommenden Konstruktionen äußerst schwierig ist, ausreichend Indizien und Belege für Geldwäscherei zu finden. Hinzu kommt aber vor allem, dass die Behörden nur dann überhaupt ermitteln können, wenn eine „Vortat“ vorliegt. Das heißt, es muss feststehen, dass das Geld aus einer kriminellen Handlung stammt. Dementsprechend selten kommt es daher zu Verurteilungen nach den Geldwäsche-Bestimmungen. 2016 waren es nur 36.

icon-bubble

Top Kommentar

Umkehrung der Beweislast

Um die gerichtliche Verfolgung effizienter zu gestalten, schlagen Kriminalisten vor, die Beweislast umzukehren. Das würde bedeuten, ein Verdächtiger oder eine verdächtige Gruppe müsste nachweisen, dass die relevanten Summen aus legalen Quellen bzw. Geschäften stammen. Vergleichbare Regelungen wurden im Zuge der Mafiabekämpfung in Italien umgesetzt.

Ein zentrales Problem sind Briefkastenfirmen. Die flexible internationale Offshore-Industrie und das Fehlen zentraler Register, die Auskunft über die wirtschaftlich Begünstigten von Unternehmen geben könnten, machen die Ermittlungen besonders schwierig. Die Schaffung eines EU-weiten Registers, das offenlegen würde, wem Unternehmen wirtschaftlich zuzurechnen sind, scheiterte bisher daran, dass nicht alle 28 EU-Staaten bereit sind, mitzumachen. Das Problem ist die Grundsatzentscheidung zwischen Transparenz und Datenschutz.

In Österreich gibt das Firmenbuch zwar einen recht guten Einblick über einen Großteil der Unternehmen, allerdings existieren auch hierzulande noch Ausnahmen. Vermögen jeglicher Art kann nach wie vor auf einen selbstständigen und eigentümerlosen Rechtsträger, nämlich eine Stiftung, übertragen werden. In der Stiftungsurkunde muss zwar der Stifter genannt werden, der Begünstigte aber nicht. Somit erfahren Behörden und Öffentlichkeit nicht zwingend, wem die Mittel aus der Stiftung zugute kommen. So kann eine Stiftung zum gesetzlich legitimierten Verschleierungskonstrukt werden. Aktuell gibt es rund 3.300 Privatstiftungen in Österreich.

icon-bubble

Top Kommentar

Experten-Blick von außen

Die Financial Action Task Force (FATF) entwickelt Standards zum Schutz des globalen Finanzsystems, um Geldwäscherei bzw. die Terrorismusfinanzierung unterbinden zu können. Seit Juni 2000 veröffentlicht sie auch eine Liste mit NCCT-Ländern (non-cooperative countries and territories) und Regionen, um aufzuzeigen, wo es an Rechtsvorschriften mangelt und somit nichts bzw. nicht genug gegen Geldwäsche getan wird.

Österreich attestierte die FATF in ihrem Bericht vom September 2016 grundsätzlich zwar einen soliden rechtlichen und institutionellen Rahmen zur Bekämpfung der Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Kritisiert wird allerdings, dass jede Behörde in Österreich ein eigenes Konzept zu Geldwäsche und Terrorfinanzierungsrisiken hätte. Das wirke weder koordiniert noch kompatibel. Bekrittelt wurde von den Prüfern unter anderem, dass Österreich seine Geldwäschebekämpfung nicht so priorisieren würden, wie es einem internationalen Finanzzentrum entspräche. Daher wurde das Land in zwei von elf „Beurteilungen zur Effektivität“ mit „low“ (niedriger Standard) eingestuft – und in 14 von 40 „Technischen Beurteilungen“ nur als „teilweise entsprechend“ (vorletzte Stufe).

icon-bubble

Top Kommentar

Spezialfall Hawala-System

Ein Großteil der Terrorgelder berührt das globale Finanzsystem gar nicht. In Ländern wie Afghanistan, Irak, Somalia, Syrien oder Jemen verfügt nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung über Bankkonten. Der Großteil der Geschäfte wird in bar abgewickelt. Informelle Geldtransfersysteme wie das „Hawala-Netzwerk“ basieren auf persönlichem Vertrauen, erfordern kaum Identifikation, führen keine zentralen Aufzeichnungen und bewegen sich außerhalb staatlicher Regulatorien.

Im Prinzip funktioniert das so: Eine Person, die Geld an einen Angehörigen in einem anderen Land schicken will, geht zu einem „Vertrauensmann“ und deponiert bei ihm den entsprechenden Betrag. Im Gegenzug erhält sie einen Code, den sie seinem Verwandten im Ausland zukommen lässt. Mit diesem Code kann der Verwandte die Summe bei einem anderen Hawala-Vertrauensmann in seinem Umfeld empfangen. Für den Transfer verrechnet der Auszahler eine kleine Provision.  

Das ganze Paket

Sie wollen unsere Inhalte verbreiten? Wir stellen Ihnen diesen Artikel mit seinen Elementen zur Verfügung.
Paket downloaden
download_icons

Inhaltspaket downloaden

Dieser Artikel und seine Inhalte können übernommen und verbreitet werden. Folgende Bedingungen sind dabei zu beachten:

  • Addendum als Quelle zitieren
  • Backlink zum ursprünglichen Artikel auf addendum.org setzen
  • Inhalte können nicht ohne Absprache mit Addendum verändert werden
  • Wird der gesamte Artikel veröffentlicht, muss ein Zählpixel eingebaut werden, Instruktionen dazu finden Sie in unseren Nutzungsbedingungen
  • Weitere Bilder können auf Anfrage an [email protected] beantragt werden

Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen zur Verwendung unserer Inhalte, welche Sie unter folgendem Link in ihrer aktuellen Form abrufen können: http://add.at/nbd

close

Vielen Dank!

Ihr Download ist nun bereit!

Addendum_002_11_Terror.zip
60 KB

Inhaltspaket anfordern
06.10.2017

Das Rechercheteam

Gerald Gartner
Team Daten

Gerald Gartner kuratiert, analysiert und visualisiert große Datenmengen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen. Er lehrt an der Fachhochschule Wien. Davor war er für derStandard.at und NZZ.at in Wien tätig.

Markus „Fin“ Hametner
Team Daten

Markus Hametner hat Informatik studiert, baut seit 2011 Brücken zwischen Technologie und Journalismus und beschäftigt sich seit 2014 als Datenjournalist mit internationalen Datenrecherchen und interaktiven Visualisierungsformen. In seiner Freizeit betreibt er als Mitgründer des Forum Informationsfreiheit die Plattform FragDenStaat.at und trägt erfolgreich Rechtsstreite mit Behörden aus, die Auskünfte verweigern.

Christoph Hanslik
Team Investigative Recherche

Christoph Hanslik war in den vergangenen 17 Jahren als Unternehmer am internationalen Finanzmarkt tätig. Seine Erfahrungen stellte er drei Jahre im Parlament als Fachreferent für die Bereiche Budgetausschuss, Finanzausschuss, ESM-Ausschuss sowie als Teamleiter des HYPO-Untersuchungsausschuss zur Verfügung.

Ralph Janik
Team Experten

Ralph Janik hat in Wien und Alcalá de Henares (Madrid) Rechtswissenschaften und Politikwissenschaft studiert. Danach Studium in internationalem Recht und Europarecht an der Universität Amsterdam. Beruflich unter anderem wissenschaftlicher Assistent an der Universität Amsterdam und an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

Dennis Meyer
Team TV

Dennis Meyer glaubt an die Macht der Bilder und des Wortes. Der Kulturwissenschaftler wurde also Fernsehjournalist. Nach Stationen beim ZDF und bei Spiegel TV zog der Hamburger nach Salzburg. Zunächst arbeitete er als freier Autor und Gestalter, dann in der Redaktion von „Talk im Hangar-7“. Jetzt widmet er sich Reportagen und Dokumentationen über Themen, die bewegen.

Alexander Millecker
Team TV
Sebastian Reinhart
Projektleitung

Sebastian Reinhart hat Politikwissenschaft und Wirtschaftsrecht an der Universität Innsbruck studiert. Danach war er im Nationalrat als Referent für die Fachbereiche Finanzen, Budget, ESM und Europa verantwortlich. Seit dem Hypo-Untersuchungsausschuss sieht er Österreich mit anderen Augen.

Stefan Schett
Team Social Media
stefanschett

Stefan Schett hat in Wien Politikwissenschaft studiert und arbeitet nebenbei an seinem Zweitstudium Publizistik. Er war lange Zeit als freier Journalist und Social Media Manager tätig, journalistische Erfahrung sammelte er unter anderem beim Kurier und bei Puls 4. Für Addendum kümmert er sich um die Konzeption und Erstellung von Social Media-Content.

Lukas Schmoigl
Team Experten

Lukas Schmoigl hat Volkswirtschaft und Statistik an der Wirtschaftsuniversität und an der Universität Wien studiert. Seine Expertise liegt auf dem Gebiet der quantitativen empirischen Forschung und Datenanalyse. Neben dem Studium war er in den vergangenen Jahren in der Abteilung IT-SERVICES an der WU tätig.

Anna Schneider
Team Experten

Anna Schneider hat Rechtswissenschaften und Kunstgeschichte studiert. Nach einer Zeit als Universitätsassistentin am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht wechselte sie Anfang 2014 als Referentin für Verfassung, Menschenrechte und Weltraum ins Parlament; nun leitet sie als Gründungsmitglied von Quo Vadis Veritas das Thementeam von Addendum.

Max Thomasberger
Team Daten

Max Thomasberger hat spät berufen Volkswirtschaftslehre studiert. Im früheren Leben war er Statistiker, Musiker, Tontechniker, IT-Spezialist und Erwachsenenbildner. Jetzt sammelt, analysiert und visualisiert er Daten für den allgemeinen Erkenntnisgewinn bei Addendum.

Andreas Wetz
Team Investigative Recherche

Andreas Wetz mag Recherchen mit überraschenden Ergebnissen. Bei der Veröffentlichung halfen bisher „Kleine Zeitung“, „Kurier“ und „Die Presse“.

x

Folgende Artikel gehören zum Projekt 002 Terrorismus

002_01 Gelesen

Verbrecher, Helden, Freiheitskämpfer

002_02 Gelesen

Die Geschichte des Terrors in Europa, visualisiert

002_03 Gelesen

Was ist neu am neuen Terror?

002_04 Gelesen

Terror-Erinnerungen: Der Deutsche Herbst 1977

002_05 Gelesen

Ein österreichischer Ex-Dschihadist spricht über seine Rückkehr

002_06 Gelesen

Kleines Lexikon der Dschihadistenkultur

002_07 Gelesen

Die zehn folgenschwersten Interventionen

002_08 Gelesen

Für Haus und Frau in den Dschihad

002_09 Gelesen

Im Kontext: Die Rückkehrer – vom Dschihad ins Gefängnis

TV-Reportage
002_10 Gelesen

Hinterland Österreich

002_11 Gelesen

Wien als Drehscheibe für Terror-Gelder

002_12 Gelesen

Hat WhatsApp die Terrorabwehr blind gemacht?

002_13 Gelesen

Wie man zum Staatsfeind wird

002_14 Gelesen

Was Österreich von Tel Aviv lernen kann

002_15 Gelesen

Terror zu Halloween

Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Addendum ist nicht werbefinanziert und nutzt Cookies, um mehr über das Nutzerverhalten zu erfahren und so das Angebot zu verbessern.
Hier erfahren Sie mehr über Cookies und Datenschutz bei Addendum.

QVV Siegel

Zum Newsletter anmelden

Jede Woche informieren wir Sie über unser aktuelles Projekt mit tiefgründigen Recherchen.

Zum Newsletter angemeldet

Bitte bestätigen Sie die Newsletter-Anmeldung in Ihrer Mailbox.