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„Der Brexit hat viel zum Sieg von Donald Trump beigetragen“

Wir haben uns mit Nigel Farage und dem Populismusforscher Jan-Werner Müller über den Brexit, Donald Trump und den Populismus unterhalten. Ihre Ansichten könnten unterschiedlicher nicht sein.

mit Video

Der Brexit gilt vielen als Vorbote des Wahlsiegs von Donald Trump. Wir haben uns darüber mit Nigel Farage – der wie kein anderer als Architekt des britischen EU-Austritts gilt und den viele als Archetyp eines Populisten sehen – und dem Populismus-Forscher Jan-Werner Müller unterhalten.

Nigel Farage und der Brexit

Der Brexit gilt als einer der größten Erfolge populistischer Kräfte der Gegenwart. Eine tragende Rolle spielte dabei Nigel Farage, langjähriger Vorsitzender der United Kingdom Independence Party (UKIP). Er hatte schon im Zuge der Finanzkrise, die er als Bankenrettung auf Kosten der Steuerzahler ebenso kritisierte wie die allgemeine Abgehobenheit der EU-Eliten, Berühmtheit erlangt – die Video-Ausschnitte seiner Brandreden im Europäischen Parlament wurden via Social Media weit verbreitet. Der von Russia Today ins Netz gestellte Ausschnitt, in dem Farage im Beisein von Martin Schulz, dem damaligen Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso und dem damaligen EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy die Frage stellt, für wen sie sich halten, verzeichnet über 2,3 Millionen Aufrufe.

Zweites Referendum?

Im Zuge der Brexit-Kampagne wurden Farage und dem „Vote Leave“-Lager gezielte Manipulation vorgeworfen. Farage selbst hatte das Versprechen, im Falle eines britischen EU-Austritts wöchentlich 350 Millionen britische Pfund in das britische Gesundheitswesen zu investieren, später als Fehler bezeichnet. Nach dem Votum begründete er seinen Rücktritt als UKIP-Vorsitzender damit, sein politisches Ziel erreicht zu haben. Allerdings lässt ihn das schwierige Brexit-Nachbeben anscheinend nicht kalt: Erst vor kurzem sprach er davon, dass es vielleicht ein zweites Referendum geben sollte – um die Sache ein für allemal zu klären.

Der Brexit hat Farages Ansicht nach auch den Wahlsieg von Donald Trump begünstigt – entscheidend sei jedoch Trump selbst gewesen, den Farage als „große Persönlichkeit“ und als „Meister sozialer Medien“ bezeichnet. Aus seiner Nahebeziehung zu Trump machte er keinen Hehl, ganz im Gegenteil: Farage war der erste britische Politiker, der Trump nach dessen Wahlsieg getroffen hat, das Foto der beiden vor den Goldtüren im Trump Tower steht sinnbildlich für ihre geistige Nahebeziehung.

Populismus als Forschungsgegenstand

Aufgrund solcher Erfolge wurde der Populismus in den letzten Jahren auch zunehmend wissenschaftlich thematisiert. Schließlich hat er sich durch Social Media und den Aufstieg neuer politischer Akteure maßgeblich verändert: Die etablierten großen „Mainstream-Medien“ werden verunglimpft (Sarah Palin etwa sprach von „lamestream media“), alternative Nachrichtenportale sind entstanden, und Donald Trump kann via Twitter ungefiltert seine Botschaften anbringen.

Auch Jan-Werner Müller, Politologe an der Princeton University – er hat das wohl bekannteste Buch zum gegenwärtigen Populismus verfasst – sieht eine Nahebeziehung zwischen Farage, dem Brexit und Trump. Wie erwartet stehen seine Ansichten in starkem Kontrast zu denen des Briten. Trump sieht er als rechten Populisten, der für sich beansprucht, das „wahre amerikanische Volk“ zu repräsentieren – das Hauptmerkmal des gegenwärtigen Populismus. Wer „Wir sind das Volk!“ skandiert, begründet damit einen allgemeinen Vertretungsanspruch, der wesentliche Teile der Bevölkerung ausklammert. Und während Farage den Zorn in der Bevölkerung gegenüber den abgehobenen Eliten betont, kritisiert Müller die Rolle der etablierten Kräfte. Wobei er insbesondere mit den konservativen Großparteien hart ins Gericht geht, die er sogar als „die von Papens unserer Tage“ bezeichnet:

Das Rechercheteam

Jane Hardy
Team TV
Ralph Janik
Projektleitung

Ralph Janik hat in Wien und Alcalá de Henares (Madrid) Rechtswissenschaften und Politikwissenschaft studiert. Danach Studium in internationalem Recht und Europarecht an der Universität Amsterdam. Beruflich unter anderem wissenschaftlicher Assistent an der Universität Amsterdam und an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

Dennis Meyer
Team TV

Dennis Meyer glaubt an die Macht der Bilder und des Wortes. Der Kulturwissenschaftler wurde also Fernsehjournalist. Nach Stationen beim ZDF und bei Spiegel TV zog der Hamburger nach Salzburg. Zunächst arbeitete er als freier Autor und Gestalter, dann in der Redaktion von „Talk im Hangar-7“. Jetzt widmet er sich Reportagen und Dokumentationen über Themen, die bewegen.

Michael Mayrhofer
Team Social Media
Lukas Schmoigl
Team Experten

Lukas Schmoigl hat Volkswirtschaft und Statistik an der Wirtschaftsuniversität und an der Universität Wien studiert. Seine Expertise liegt auf dem Gebiet der quantitativen empirischen Forschung und Datenanalyse. Neben dem Studium war er in den vergangenen Jahren in der Abteilung IT-SERVICES an der WU tätig.

Andreas Wetz
Team Investigative Recherche

Andreas Wetz mag Recherchen mit überraschenden Ergebnissen. Bei der Veröffentlichung halfen bisher „Kleine Zeitung“, „Kurier“ und „Die Presse“.

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