Explainer 3 min 22.11.2018

Warum wir zwei Menschen beim Sterben begleitet haben

Am 5. November 2018 begleiteten wir in einem Vorort von Basel das Ehepaar Seitz aus Deutschland auf seinem letzten Weg. Es war für alle Beteiligten der emotionale Schlussakt wochenlanger Vorbereitungen und Gespräche. Für das Ehepaar Seitz, die Ärztin, ihre Assistenten und: uns. Wir würden zwei Menschen bei ihrem kontrollierten Suizid begleiten. Bis zu ihrem unumstößlichen Ende. Und dabei gleichzeitig den Schlusspunkt einer 54 Jahre dauernden Liebesgeschichte auf Film konservieren. Letzter Akt: das Verlassen der Sterbewohnung in zwei schlichten Särgen.

Alles filmen? Wenn wir es angeboten bekommen, ja. Alles zeigen? Vermutlich nicht. Mal schauen.

Darf man das? Als Journalist darüber berichten? Das freiwillige Sterben sehen, filmen und auch zeigen? Oder überschreiten wir dabei ethische journalistische Grenzen?

Dass wir uns wenige Tage nach dem Dreh dazu entschieden, auch das Sterben von Emanoila und Johann Seitz zu zeigen, hat mit der Sanftheit der Bilder zu tun. Aber nicht nur. Wir kamen zu dem Schluss, dass man auch zeigen muss, worüber man berichtet. Und dass das Gefilmte zumutbar ist, authentisch, und mit Voyeurismus nichts zu tun hat.

Der Tod gehört zum Leben. Wir sind überzeugt: Bei all der Gewalt, all dem Verderben, das uns in den Nachrichten, im Kino und auf YouTube gegenübertritt, haben wir vergessen, wie der Tod nebenan auch aussehen kann. Und deshalb zeigen wir ihn.

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