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Kriegsführung 3.0: Ersetzen Roboter bald Soldaten?
8. September 2018 Waffen Lesezeit 2 min
In der Rüstungsbranche gibt es eine Debatte um den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Autonome Waffensysteme könnten schon in naher Zukunft einsatzbereit sein. Doch ist es aus ethischer Sicht vertretbar, wenn Roboter über Leben und Tod entscheiden?

Eine Welt ohne Waffen. Dieser pazifistische Traum wird wohl nie in Erfüllung gehen. Eine Welt ohne Soldaten hingegen ist in greifbare Nähe gerückt. Doch wäre die Welt ohne Soldaten eine bessere? Weil es dann niemanden mehr gibt, der die Waffen einsetzt?

Ein Blick auf die technischen Entwicklungen der letzten Jahre beantwortet die Frage mit einem klaren Nein. Allein in Pakistan wurden seit 2004 mindestens 2.500 Menschen durch Drohnenangriffe der CIA getötet. Von Menschen, die aus einer Einsatzzentrale in tausenden Kilometern Entfernung die Drohnen steuerten.

Die Rüstungsindustrie gilt zusammen mit der Raumfahrt als wichtigste Antriebsfeder für technische Innovationen. Viele Technologien, die heute fester Bestandteil unseres Alltags sind, wurden ursprünglich für die Kriegsführung entwickelt; wie das Telefon oder der Computer, das Internet und Navigationssysteme, aber auch Antibiotika und Konservendosen.

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Wenn also heute die Welt über Künstliche Intelligenz spricht, wäre es ein logischer Schritt, Kriegsmaschinen zu entwickeln, die eigenständig Ziele wählen und töten können. Was nach Science-Fiction klingt, könnte aus technischer Sicht schon bald möglich sein.

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Freund oder Feind?

Doch können autonome Waffen zwischen Freund und Feind unterscheiden? Wie weit reicht die künstliche Intelligenz? Dürfen Roboter über Leben und Tod entscheiden? Die Verteidigungsministerien und die Rüstungsbranche sind an einem Punkt angekommen, an dem darüber nachgedacht wird, ob das technisch Machbare auch wirklich umgesetzt werden sollte. Ende August fand in Genf eine Konferenz statt, die sich der Frage widmete, ob autonome Waffensysteme grundsätzlich verboten werden sollten. An der Konferenz nahmen Vertreter aus 75 Staaten teil.

Am Rande der Beratungen äußerte sich der Vorsitzende Amandeep Singh Gill beruhigend gegenüber den anwesenden Journalisten: „Roboter werden nicht die Welt übernehmen.“ Aus dem Munde Gills haben diese Worte einen schalen Beigeschmack. Gill ist ein indischer Top-Diplomat und Experte für Abrüstung. Kaum ein Land rüstet derzeit so stark auf wie Indien, kein Land importierte im vergangenen Jahr mehr Waffen.

Das bald bevölkerungsreichste Land der Erde will auch zu einer politischen und militärischen Großmacht werden. Indiens Premierminister Narendra Modi unterstrich diesen Anspruch im Mai 2018 sehr deutlich: „Künstliche Intelligenz und Robotik werden wahrscheinlich in Zukunft die entscheidenden Technologien sein, sowohl für die Verteidigung als auch für die offensiven Fähigkeiten einer jeden Armee.

Nach einem Verzicht auf autonome Waffensysteme hört sich das nicht an. 

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Düstere Vorhersagen

Das Thema „Mensch gegen Maschine“ wurde erstmals 1898 publikumswirksam diskutiert, als H.G. Wells’ Science-Fiction-Roman „Der Krieg der Welten“ erschien. Seine volle Wirkung entfaltete der Lesestoff allerdings erst 40 Jahre später. Am Abend des 30. Oktober 1938 lief auf dem amerikanischen Radiosender CBS das wohl brillanteste Hörspiel des Regisseurs Orson Welles, eine Adaption von „Der Krieg der Welten“. Die realistische Beschreibung der Attacken führte in der Kleinstadt Concrete (Bundesstaat Washington) zu einer Massenpanik. Viele Bürger hielten das Hörspiel für eine Live-Berichterstattung.

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