Addendum
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Die Zeitung

Die Angst bleibt

Von Monat zu Monat fragen wir uns derzeit, ob es zu einer Corona-Schwerpunktausgabe der Addendum-Zeitung eine Alternative gibt. Auch diesmal war unsere Antwort: Irgendwie wäre es langsam Zeit, aber: nein. Noch gibt es wohl keine Alternative, weil sich die Aufmerksamkeit von uns allen immer noch sehr auf das Pandemie-Geschehen und seine krisenhaften Konsequenzen fokussiert.

Sehr lange werden wir wohl alle die wirtschaftlichen Auswirkungen der Anti-Corona-Maßnahmen spüren. Wie schwierig das für hunderttausende Menschen, die derzeit arbeitslos und in Kurzarbeit sind, und für viele Unternehmen werden wird, ist noch gar nicht in seiner ganzen Tragweite absehbar. Vielleicht ist aber die massivste Auswirkung, die das Corona-Geschehen der vergangenen zweieinhalb Monate auf unsere Gesellschaft hat, gar nicht in Umsatz-, Arbeitslosen- und BIP-Zahlen zu messen: Es ist die Angst, die bleibt.

Dass die Regierung ausgerechnet an dem Punkt, an dem klar wurde, dass wir nicht mehr mit einer Überforderung des Gesundheitssystems rechnen müssen, die Angst-Kommunikation eskaliert hat, wird wohl noch Gegenstand eingehender Untersuchungen sein. Recht intensiv haben wir uns diesmal auch mit der Frage beschäftigt, was wir, also der Staat und das staatliche Gesundheitssystem, aus dem, was geschehen ist, lernen können.

Vieles von dem, was während der ersten Wochen in den täglichen Pressekonferenzen kommuniziert wurde, sah schon damals und sieht heute noch mehr nach Aktionismus aus. Zum Beispiel die Einberufung der Miliz und die Verlängerung des Zivildienstes. Zum Beispiel die Einberufung der Miliz und die Verlängerung des Zivildienstes. Ob Letztere wirklich notwendig war, hat sich mein Kollege Andreas Wetz angesehen, und es wird Sie vielleicht nicht überraschen, dass man nach der Lektüre seiner Geschichte den einen oder anderen Zweifel haben kann.

In Krisen gibt es natürlich immer auch Gewinner, einen von ihnen haben Christoph Zotter und Christoph Lehermayr ausfindig gemacht. Ein Wiener Handyshopbetreiber hatte früh das richtige Gespür und ist in den Handel mit Schutzmasken eingestiegen. Die Geschichte seines Erfolgs ist zugleich die Geschichte des staatlichen Misserfolgs bei der Bereitstellung von Schutzausrüstung für besonders sensible Bereiche wie Ordinationen, Altenbetreuungseinrichtungen und Pflegeheime. Und sie hat, wie jede interessante Geschichte, ihre dunklen Flecken.

Gedruckt auf Zeitungspapier, geheftet, vierfarbig und 80 Seiten stark geht die Addendum-Zeitung an ausgewählte Leser, allen voran an unsere Addendum-Mitglieder.

Design: Sagmeister & Walsh

Die Addendum-Zeitung wurde von Stefan Sagmeisters New Yorker Designbüro Sagmeister & Walsh gestaltet. Die Addendum-Zeitung erscheint zehnmal im Jahr und widmet sich jeweils einem großem Schwerpunktthema. Stefan Sagmeister, gebürtiger Vorarlberger und international preisgekrönter Designer, sieht in Printprodukten einen klaren Nutzen:

Ich lese sehr viel sorgfältiger auf Print als im Web. Wenn das Texte sind, die etwas mehr in die Tiefe gehen, dann haben sie für mich als Leser im Print ihren richtigen Platz.