Die Addendum-Zeitung

Opfer? Held!

Ursprünglich hatten wir vor, diese Schwerpunktausgabe mit dem Titel „Du Opfa“ zu versehen. Es ist eine Anrede, die in den eher nicht so verzärtelten Gegenden Wiens von Jugendlichen verwendet wird, wenn sie jemanden nicht so ganz ernst nehmen können. Opfer will in einer traditionell geprägten Gesellschaft niemand sein, Opfer sind passiv, Opfer haben keinen Gestaltungsspielraum, Opfer sind schwach. An amerikanischen Universitäten und zunehmend auch in urban-intellektuellen Zirkeln europäischer Großstädte sieht das inzwischen anders aus: Das Opfer herrscht.

Anders als früher ist man als Opfer nicht das Ergebnis fremder Machtausübung oder gar ritueller Darbringung zur Besänftigung höherer Mächte, mit denen man aus Sicherheitsgründen in Kommunikation treten will oder muss. Man ist derjenige, der die meiste Aufmerksamkeit und Fürsorge erhält, man hat immer recht, weil man die Entscheidung, ob man ein Opfer ist, autonom treffen kann. Opfer ist, wer sich dazu erklärt.

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Und so gerät unsere Gesellschaft zunehmend in Situationen, in denen Diskussion nicht mehr möglich ist, weil sich Menschen mit anderen Ansichten zu Opfern unserer Ansichten erklären, indem sie unsere Äußerungen und Handlungen zu traumatisierenden Akten erklären, vor denen sie durch safe spaces und trigger warnings geschützt werden müssen.

Darüber hinaus haben wir versucht nachzuzeichnen, wie sich das Verhältnis unserer Gesellschaft zum Thema Opfer entwickelt hat. Von den frühen Anfängen vor zwei Millionen Jahren mit der Menschenopfer-Kultur aus der Zeit des Homo erectus, ihre Verfeinerung in den alten Hochkulturen, die Idee der Selbstopferung Gottes, die Produktion von Nationalhelden und die späte Verankerung des Opfers als zentrale Figur des Interesses im österreichischen Strafrecht.

Außerhalb des Schwerpunkts haben wir diesmal eine Art zweiten Schwerpunkt: Timo Küntzle, Johannes Strobl und Dennis Meyer haben sich die interessantesten Einwände und Thesen der sogenannten Klimaskeptiker angeschaut. Rainer Fleckl schließlich gibt anlässlich des Prozesses gegen die ehemalige kaufmännische Burgtheater-Geschäftsführerin Silvia Stantejsky eine Antwort auf die viel zu selten gestellte Frage, wie das eigentlich alles passieren konnte.

Gedruckt auf Zeitungspapier, geheftet, vierfarbig und 80 Seiten stark geht die Addendum-Zeitung an ausgewählte Leser, allen voran an unsere Addendum-Mitglieder.

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Das sind die Inhalte der neunten Ausgabe:

Die Addendum-Zeitung wurde von Stefan Sagmeisters New Yorker Designbüro Sagmeister & Walsh gestaltet. Die Addendum-Zeitung erscheint zehnmal im Jahr und widmet sich jeweils einem großem Schwerpunktthema.

Design: Sagmeister & Walsh

Stefan Sagmeister, gebürtiger Vorarlberger und international preisgekrönter Designer, sieht in Printprodukten einen klaren Nutzen:

„Ich lese sehr viel sorgfältiger auf Print als im Web. Wenn das Texte sind, die etwas mehr in die Tiefe gehen, dann haben sie für mich als Leser im Print ihren richtigen Platz.“

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